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Trotz Nullzinsen: Der Sparclub lebt!

Meddewade Trotz Nullzinsen: Der Sparclub lebt!

Wer spart eigentlich noch, wenn es von der Bank nur noch 0,01 Prozent Zinsen gibt? Beim 1912 gegründeten Meddewader Sparclub legen die Mitglieder immer noch jeden Monat Geld beiseite — die Prioritäten haben sich aber geändert.

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Der Sparclub in Meddewade mit Schriftführer Hans-Christian Wallbaum (v.l.), dem Vorsitzenden Kurt Wollesen, der Kassiererin Andrea Berlitz und dem Vize-Vorsitzenden Jens La Porte hält an der Tradition fest und füttert jeden Monat das Sparschwein.

Quelle: Lutz Roeßler

Meddewade. Anfang des Monats zieht Andrea Berlitz durch das knapp 900-Seelen-Dorf Meddewade im Kreis Stormarn und kassiert. „Ich werde meistens freundlich empfangen“, erzählt die 51-Jährige und lächelt. Jeder Anwohner kann ihr so viel Geld geben, wie er möchte. Wenn man nichts in der Tasche hat, dann sei das auch okay.

 

LN-Bild

„Zinsen waren einmal die größte Einnahmequelle für die Sparclubs.“ Kurt Wollesen, Sparclub Edelweiß

Quelle:

Berlitz ist Kassiererin beim Sparclub Edelweiß in Meddewade. Der Verein zählt zu den größten Sparclubs in Schleswig-Holstein, erzählt der Erste Vorsitzende Kurt Wollesen. Echte Sparfüchse muss der Chef allerdings trösten. Aufgrund der Nullzinspolitik kriegen die Mitglieder kaum mehr etwas von den Banken für ihr Erspartes.

„Das Ziel des Sparclubs wird nicht mehr erreicht“, weiß der Vize-Vorsitzende Jens La Porte. Der Sparclub Edelweiß wurde 1912 gegründet, inzwischen hat er 143 Mitglieder. In den 80er Jahren wurde das Geld in einen Sparschrank, der in einer ehemaligen Gaststätte im Dorf stand, geworfen. „Meistens wurden Heiermänner reingeschmissen, also Fünf-Mark-Stücke“, erinnert sich Mitglied Hans-Christian Wallbaum. Danach wurde der Kasten mit den Geldeinwurfschlitzen in einer Bäckerei aufgehängt. Damals wurden von dem Geld, das durch Zinsen extra eingenommen wurde, Unternehmungen gemacht. „Zinsen waren einmal die größte Einnahmequelle“, erzählt Wollesen.

Inzwischen kassiert Andrea Berlitz direkt an der Haustür. Die Ersparnisse landen danach auf einem Sparkonto. Von der Bank gibt es mittlerweile nur noch 0,01 Prozent Zinsen. Dennoch freuen sich die Edelweiß-Mitglieder jedes Jahr aufs Neue, wenn sie ihr Erspartes im Rahmen einer Feier Anfang November ausgezahlt bekommen. 2015 sparte der Club insgesamt 64890 Euro. „Das ist ganz angenehm, vor allem für diejenigen, die kein Weihnachtsgeld bekommen“, erklärt Wollesen. Auch Andreas Berlitz kauft sich von dem Geld etwas Schönes und findet den Club sinnvoll. „Geld, was zu Hause rumliegt, gibt man nur aus. An das Geld, was ich abgebe, komme ich das ganze Jahr nicht ran“, sagt sie.

Der Bankenverband Schleswig-Holstein steht der Nullzinspolitik skeptisch gegenüber. „Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank belastet die Ertragslage der Banken“, sagt Geschäftsführer Karl-Michael Seum. Weil die Banken inzwischen auch oft Bearbeitungsgebühren sowie Kontoführungsgebühren verlangen, bedeutet das für viele Sparclubs das Aus. Die Sparwichtel in der Kalkbrennerstraße in Lübeck haben sich vor zwei Jahren aufgelöst. Der Sparclub St. Joseph in Lübeck hat noch etwa 90 Mitglieder. „Die Banken wollen uns nicht mehr. Sparen bringt nichts mehr“, sagt der Vorsitzende Peter Dziewior.

Der Sparclub Edelweiß hat inzwischen andere Prioritäten. „Die Geselligkeit steht im Fokus“, so Wollesen.

Veranstaltungen und Unternehmungen werden zusammen mit dem von der Gemeinde geförderten Kulturverein, dem die Sparclub-Mitglieder automatisch angehören, organisiert. „Wir versuchen, uns zusammenzuschließen“, erklärt Wollesen. Und die Bemühungen zeigen Wirkung. Die Mitgliederzahlen bleiben konstant, junge Leute treten ein, so Wollesen.

Das Sparen ist für die Club-Mitglieder Nebensache. „Die Mitglieder haben sich daran gewöhnt. Hauptsache, wir bekommen am Ende des Jahres mehr raus, als wir eingezahlt haben“, sagt Wollesen. Um richtig zu sparen, reicht es inzwischen nicht mehr aus, das Geld auf ein Sparkonto zu legen, so Karl-Michael Seum. Er plädiert zum Risiko: „Sparen lohnt sich auch weiterhin. Die Deutschen sollten stärker als bisher in Aktien investieren.“

Von Beke Zill

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