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Norddeutschland UKSH: Ex-Finanzchef vor Gericht
Nachrichten Norddeutschland UKSH: Ex-Finanzchef vor Gericht
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21:21 02.02.2016

Der Fall erschütterte letzten Sommer das UKSH: Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Leiter des Finanz- und Rechnungswesens und Patientenmanagements im ZIP, dem Zentrum für Integrative Psychiatrie in Lübeck und Kiel. Über eine Million Euro soll er veruntreut haben. Gestern vor dem Landgericht Kiel ein Geständnis des 64-Jährigen: Ja, er habe Geld veruntreut. Ein hoher sechsstelliger Betrag sei es gewesen.

Zwischen 2010 und 2015 soll der UKSH-Manager das Geld von Krankenkassen für das UKSH-Tochterunternehmen ZIP auf eigene Konten und Konten für seine beiden Söhne umgeleitet haben, sagte die Staatsanwältin gestern zum Auftakt der Verhandlung und listete 91 Fälle auf. Der Angeklagte sagte, er habe „die Taten begangen, ohne wenn und aber“. Sie seien ihm aber wie die eines Fremden vorgekommen.

In der Tat leide der Angeklagte unter hirnorganischen Schäden, führte eine Gutachterin vor Gericht aus. Seine Steuerungsfähigkeit sei dadurch wohl erheblich gemindert, sagte die Fachärztin. Er sei daher vermutlich nur eingeschränkt schuldfähig.

Der Ex-Manager will den Schaden jetzt mit Unterstützung seiner Söhne weitgehend wieder gutmachen, wie er betonte. 750000 Euro habe er bereits in einem Vergleich vor dem Zivilgericht anerkannt und über 70000 Euro bereits ans UKSH zurückgezahlt. Rentenansprüche und Guthaben habe er abgetreten. In seinem vom Blatt abgelesenen Geständnis erzählte der Angeklagte, dass er Kollegen mehrfach Hinweise auf sein Tun gegeben haben will — in der Hoffnung, dass man ihn stoppen würde.

Doch er flog erst im Juli 2015 auf, als eine Kollegin die unrechtmäßigen Überweisungen bemerkte. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Dass die Veruntreuung so spät auffiel, lag wohl auch daran, dass der 64-Jährige Krankenkassenzahlungen für Behandlungen umleitete, die dem Zentrum für Integrative Psychiatrie erst lange nach der erfolgten Behandlung auf dem Klageweg zugesprochen wurden.

Die Kontrollmechanismen dafür waren in den Finanzkreisläufen des ZIP offenbar lückenhaft und sahen, anders als beim UKSH selber, eine Rückmeldung an die Kliniken über entsprechende Nachzahlungen gar nicht vor.

dpa/wh

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