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Über 10 Jahre Haft für lebensgefährliche Messerattacke auf Ex-Freundin

Kiel Über 10 Jahre Haft für lebensgefährliche Messerattacke auf Ex-Freundin

Sie war nach zahllosen Übergriffen in Todesangst, fuhr nur noch mit einer Freundin als Begleitschutz. Doch ihr Ex schaffte es trotzdem ihr aufzulauern und mit einem Messer zu attackieren. Nun muss der 43-Jährige in die Psychiatrie.

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Quelle: Frank Rumpenhorst /dpa

Kiel. Immer stach er auf den Kopf, den Hals und den Körper seiner Ex-Freundin ein: Nun muss der 43 Jahre alte Täter wegen versuchten heimtückischen Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung zehneinhalb Jahre in Haft. Zugleich ordnete das Kieler Landgericht die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie an. Er leide an einer Persönlichkeitsstörung und sei für seine Ex-Partnerin und deren Umfeld weiterhin gefährlich, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag.

Das Opfer nahm das Urteil wie befreit auf. Während der rund zweieinhalb Stunden dauernden Urteilsbegründung trocknete sie sich immer wieder die Tränen. Im Gerichtssflur fiel sie erleichtert Freundinnen in die Arme.

Bei einer lebensbedrohlichen Messerattacke hatte ihr der Angeklagte am 18. Juni 2015 spätabends vor ihrer Wohnung in Neumünster aufgelauert. Als sie einparkte, riss er die Wagentür auf und stach sofort auf die arg- und wehrlose Frau ein. „Er war entschlossen, sie zu töten“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann.

Die Freundin, die im eigenen Wagen als Begleitschutz folgte, sah den Angeklagten plötzlich heraneilen, doch ihre Warnrufe erreichten die Frau nicht mehr. Die 37-Jährige wurde nach Feststellungen des Gerichts völlig überrascht, als die Messerstiche Kopf, Hals und Körper trafen - sie verlor schließlich das Bewusstsein. Mehrere Anwohner versuchten vergebens, den Täter von seinem Opfer wegzuzerren. Erst ein Polizist konnte ihn überwältigen.

Die damalige Altenpflegerin war bereits vor dem Mordversuch einer Serie gewalttätiger Übergriffe, Beleidigungen und Beschimpfungen des Angeklagten ausgesetzt. Sie hatte ein Kontaktverbot erwirkt, gegen das er aber immer wieder verstieß. 1996 hatte sie den Mann kennengelernt. Kurz darauf begann eine verhängnisvolle Beziehung. Er war türkischer Abstammung und nach zwei abgelehnten Asylgesuchen in Deutschland nur geduldet. Sie war kurdischer Abstimmung und ihre Familie stemmte sich gegen die Beziehung.

Ihrer Familie folgend heiratete sie in der Türkei einen Cousin, bekommt zwei Kinder. Doch ihre Ehe geht ebenso schief wie die Ehe, die der Angeklagte inzwischen schließt. 2011 kommen sich dann beide wieder näher, 2012 wird sie von ihm schwanger. In der Folgezeit schlägt und beschimpft er sie, zwingt sie, seine Füße zu küssen, wie der Vorsitzende Richter schildert. Der Vorsitzende Richter liest eine Vielzahl von gewalttätigen Erniedrigungen auf. Dass sie sich trennt, das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn hat und ein Kontaktverbot erwirkt, will er nicht akzeptieren. Er wird immer wieder gewalttätig, auch gegen die Freundin der Frau.

„Sie lebt in ständiger Angst vor ihm, war mit Reizgasspray unterwegs“, sagt der Richter. Laut Gutachten ist der Mann wegen einer Borderline-Erkrankung vermindert schuldfähig. Seine Steuerungsfähigkeit sei dadurch erheblich eingeschränkt. Der Staatsanwalt hatte neun Jahre Haft und die Unterbringung in der Psychiatrie verlangt, die Nebenklage sogar lebenslang gefordert. Die Verteidiger hielten dagegen sechs Jahre Haft für angemessen. 

Das Opfer ist noch heute von den Stich- und Schnittwunden gezeichnet, muss sich noch immer Operationen unterziehen, wie der Vorsitzende Richter feststellte. Ihren Beruf kann sie nicht weiter ausüben, wartet für sich und die Kinder auf eine Therapie.

dpa

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