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Norddeutschland Über 1000 Einsätze im Norden: Heftigstes Unwetter seit Jahren
Nachrichten Norddeutschland Über 1000 Einsätze im Norden: Heftigstes Unwetter seit Jahren
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16:12 21.06.2013
Naturgewalt: Martin Strübing aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg ist dieses eindrucksvolle Foto eines einschlagenden Blitzes gelungen.
Lübeck

Das wohl heftigste Unwetter seit Jahren hat im Norden Schäden in Millionenhöhe verursacht. Rettungskräfte zwischen Nord- und Ostsee mussten in der Nacht zu gestern zu mehr als 1000 Einsätzen wegen Bränden, umgestürzter Bäume, überfluteter Straßen und Keller ausrücken. In Kaltenkirchen (Segeberg) wurden bei einem Blitzeinschlag acht Feuerwehrleute verletzt. Für die Nacht zu heute kündigte der Deutsche Wetterdienst (DWD) neue Gewitter mit ähnlichem Unwetterpotenzial an.

Am schwersten betroffen von den stundenlang andauernden Gewittern, die Starkregen und Sturmböen im Gepäck hatten, waren die Kreise Segeberg, Pinneberg und Dithmarschen. In Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) stand das Wasser nach Angaben der Feuerwehr zeitweise eineinhalb Meter hoch auf den Straßen. Das Dach eines Supermarktes knickte unter den Wassermassen ein, verletzt wurde niemand.

Unwetter über Schleswig-Holstein - Die schönsten Blitzaufnahmen aus der Nacht.

Im Kreis Segeberg sah es kaum besser aus. Allein in Bad Segeberg zählte die Feuerwehr mehr als 60 Einsätze in der Nacht. Im Textilkaufhaus Schwager war das Untergeschoss mit Modeartikeln zu einem großen Wasserbassin geworden. Bei einer Autovermietung stand der ganze Garagentrakt unter Wasser. Ganz besonders schlimm hatte es ein Volvo-Autohaus in Klein Rönnau getroffen: Von einem angrenzendem Feld ablaufendes Wasser überflutete das Gelände — sechs Autos gerieten mit dem Motor unter Wasser, erlitten Totalschaden. In Kaltenkirchen endete ein Pumpeinsatz für acht Feuerwehrmänner im Krankenhaus, als ein Blitz in die Einsatzstelle einschlug. Sie kamen ins Krankenhaus, weil sie über Kribbeln und Herzprobleme klagten.

Einsätze im Minutentakt gab es auch für die Feuerwehren in Ostholstein. In Bosau schlug der Blitz in die Sirene auf dem Feuerwehrhaus ein, die Überspannung zerstörte den Sicherungskasten samt Steuerungstechnik. Vier Ortswehren rückten aus, um Schlimmeres zu verhindern. Auch eine Stromleitung wurde vom Blitz getroffen — zwei Dörfer waren stundenlang ohne Strom. In Schashagen ging zudem ein leerer Stall nach einem Blitzeinschlag in Flammen auf.

Die Polizei in Kiel berichtete von drei brennenden Reetdachhäusern und vermutete Blitzeinschlag als Ursache. Menschen seien nicht verletzt worden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es zahlreiche Einsätze wegen Wasserschäden oder umgestürzter Bäume, wie die Polizei mitteilte. Zwei Boote sanken in der Nähe von Rostock, Menschen wurden nicht verletzt.

Die Hansestadt Lübeck kam dagegen verhältnismäßig glimpflich davon, Feuerwehr und Polizei zählten lediglich 17 Einsätze, unter anderem wegen umgestürzter Bäume und überfluteter Straßen. „Es war ein außergewöhnliches Unwetter. Vor allem, weil so viele Keller vollliefen“, bilanzierte Peter Schütt, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrbandes in Kiel.

Den Einsatzkräften blieb jedoch kaum Zeit zum Verschnaufen: Gestern Abend zog eine neue Gewitterfront aus Richtung Südwesten heran. „Das Unwetter könnte regional ähnlich heftig ausfallen wie in der vergangenen Nacht“, sagte Hans-Joachim Möller vom DWD. Allerdings unterschieden sich die Ursachen: Das erste Gewitter sei infolge von Überhitzung entstanden, das zweite durch das Aufeinandertreffen warmer und kalter Luftmassen. ov/wgl/sas/pah

200 Kilometer Gewitter
325 000 Blitze haben in der Nacht zu gestern den Himmel über Norddeutschland erhellt, sagt der Gewitter-Experte Daniel Betz von der Firma Nowcast in München. „Das Gewitter hatte eine Frontbreite von etwa 200 Kilometern und eine Blitzintensität, die für unsere Breitengrade absolut außergewöhnlich ist“, sagt Betz. Allein in Hamburg und Umgebung hätten sich bis zu 1200 Einzelblitze pro Minute gezeigt. „Mit insgesamt 325 000 Einzelblitzen war es das stärkste Gewitter, das wir in diesem Jahr in Deutschland bislang messen konnten.“

LN

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