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Norddeutschland Überdosis Hass: Diskussion um Facebook
Nachrichten Norddeutschland Überdosis Hass: Diskussion um Facebook
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23:14 23.10.2017
Lübeck

Das Problem mit unangemessenen oder gar beleidigenden Meinungsäußerungen auf ihren Seiten kennen auch andere Facebook-Nutzer. „Hasskommentare sind kein Beitrag zur Diskussion, sondern eine Beleidigung. Ich behandele sie daher wie in der realen Welt auch: ignorieren, blockieren, löschen“, meint etwa die Lübecker Pröpstin Petra Kallies (54). Aussteigen würde sie deshalb aber nicht:

„Manchmal ergeben sich interessante Diskussionen über unterschiedliche Sichtweisen.“ Die meisten Kommentare seien respektvoll und angemessen. Nach anfänglicher Skepsis ist die Kirchenfrau nun seit einem Jahr bei Facebook. Insgesamt habe sie „ überraschend gute Erfahrungen gemacht“.

Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind auf soziale Medien angewiesen. So etwa Ministerpräsident Daniel Günther (44), dessen privater Facebook-Account am Wochenende sogar „gehackt“ wurde, so dass nicht autorisierte Nachrichten verschickt werden konnten. Dennoch sagt er: „Bei Facebook und Instagram kann ich Menschen mit in meinen politischen Alltag nehmen, auch mal einen Blick hinter die Kulissen zeigen und darüber in Kontakt kommen.“ Natürlich sei das Arbeit. „Aber ich glaube, die Mühe ist es wert, und ich habe ein starkes Team, das mich unterstützt.“ Was in den rechtswidrigen Bereich gehe, verleumdend oder diffamierend sei, werde gelöscht.

Wie bei Wählern kommt es auch bei Fußballfans gelegentlich zu emotionalen Meinungsäußerungen. Florian Möller (36), Vorstand des Fußballclubs VfB Lübeck, hatte damit nach eigenen Angaben bisher aber noch keine Probleme. „Die Beiträge auf unserer Vereinsseite sind im Großen und Ganzen bisher alle im Rahmen gewesen – nichts, wo man eingreifen musste.“ Schon für die Pflege der Seite, also das Einstellen von Neuigkeiten, benötige er aber viel Zeit.

Auch Gerd Fischer (69) vom Lübecker Shantychor „Möwenschiet“ ist bewusst, dass eine Facebook-Seite ständige Pflege braucht. Aus Sorge um mögliche Hasskommentare verzichte der Verein lieber ganz auf einen eigenen Facebook-Account. „Ich weiß von einem Bekannten, dass solche Anfeindungen ziemliche Ausmaße annehmen können.“ Es gebe zwar eine „Möwenschiet“-Facebookseite, diese werde aber von einem einzelnen Vereinsmitglied privat betrieben. „Da muss er selbst sehen, wie er klarkommt.“

Wer kann, schränkt den Kreis der „Freunde“, die die Seite sehen dürfen, entsprechend ein. So hält es Jan Paruszewski (35), Lebensmitteltechniker aus Lübeck. Wer Hasskommentare poste, werde blockiert.

„Da achte ich drauf.“ PromiSeiten kommentiere er grundsätzlich nicht.

Wilfried Hardt (59), Informatiker aus Hamburg, hat ebenfalls nur ausgewählte Freunde. „Dadurch habe ich mit der Seite wenig Arbeit.“ Probleme sieht er für sich nicht. „Frau Pooth ist für mich nicht meinungsbildend.“

„Mich nervt eher, dass ich so viel Unwichtiges bei Facebook lese“, gesteht Nina Deyda (43) aus Bad Oldesloe. Ihr Mann habe ihr daher geraten auszusteigen. „Aber dazu bin ich dann doch zu neugierig.“

Von Marcus Stöcklin

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