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Norddeutschland Überfall auf Franzosen: Haftbefehl aufgehoben
Nachrichten Norddeutschland Überfall auf Franzosen: Haftbefehl aufgehoben
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11:57 04.02.2016
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Puttgarden

Die 15 und 30 Jahre alten Männer waren beschuldigt worden, vor knapp einem Monat einen aus Frankreich stammenden Juden beschimpft, attackiert und beraubt zu haben.

„Nach dem Ergebnis der weiteren Ermittlungen kann ein dringender Tatverdacht gegen die beiden Beschuldigten wegen Raubes beziehungsweise Körperverletzung nicht mehr angenommen werden“, sagt Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders. Ein dringender Tatverdacht sei aber nötig, um die Haftbefehle aufrecht zu erhalten. Sie waren vom Amtsgericht bereits unter Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Beschwerde eingelegt, hat diese nun aber ebenfalls zurückgezogen.

Der Grund für die Wende seien widersprüchliche Aussagen des Franzosen. Die Vernehmung mehrerer Zeugen, zu denen der Mann nach dem Vorfall Kontakt hatte, habe Zweifel an seinen Angaben zum Tatgeschehen aufgeworfen. So soll der Franzose zu einem Zeugen gesagt haben, dass er im Zug von drei Personen beraubt worden sei und dadurch Hand- und Kopfverletzungen erlitten habe. Bei einer früheren Aussage habe er dagegen etwas anderes behauptet.

Zwei Flüchtlinge sollen den Geschäftsmann, der eine Kippa trug, demnach am 9. Januar gegen 5.30 Uhr im Fährbahnhof angegriffen haben — so lautete auch die Erklärung der Polizei unmittelbar nach der Tat. Sie sollen den Franzosen auf Arabisch als „Ehud“ (Jude) beschimpft und ihn zu Boden gerissen haben sowie auf seine Hand getreten sein. Dann sollen sie seine Umhängetasche mit Bargeld, EC-Karte, Bahnticket und Mobiltelefon gestohlen haben. Die Beute wurde bisher aber nicht gefunden. Die Beamten nahmen die mutmaßlichen Täter später im Zug am Bahnhof in Neustadt fest.

Die Ermittlungen gegen die beiden Flüchtlinge würden trotz Aufhebung der Haftbefehle fortgeführt, betont Anders. „Der Verdacht besteht weiter.“ Der Franzose soll nun erneut vernommen werden und mit den Widersprüchlichkeiten konfrontiert werden. Er soll sich allerdings nicht mehr in Deutschland aufhalten.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit nicht davon aus, dass sich der Franzose die ganze Tat nur ausgedacht hat. „Es besteht kein Anfangsverdacht wegen falscher Verdächtigungen“, sagt Anders. „Wir ermitteln auch nicht in die Richtung.“

Janina Dietrich

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