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Norddeutschland Übergriffe: Polizei wertet die Smartphones aus
Nachrichten Norddeutschland Übergriffe: Polizei wertet die Smartphones aus
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11:18 02.03.2016
„Ein Filmen der Mädchen ist als sehr wahrscheinlich anzusehen.“ Axel Bieler, Staatsanwaltschaft
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Kiel

Bei den Ermittlungen zu der Belästigung von drei Mädchen im Kieler Einkaufszentrum „Sophienhof“ will die Polizei weitere Zeugen vernehmen. Die Auswertung der sichergestellten Handys der Tatverdächtigen dauere weiter an, sagte ein Polizeisprecher. „Da sind große Datenmengen drauf.“ Noch immer ist nicht geklärt, ob es Aufnahmen der Vorfälle vom Donnerstagabend darauf gibt oder nicht.

„Ein Filmen beziehungsweise Fotografieren der Mädchen ist als sehr wahrscheinlich anzusehen“, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Er sehe die Vorfälle als „massive Belästigung an“. Er fügte hinzu: „Die Mädchen schildern, dass die Personen ihre Smartphones erkennbar hoch- und in ihre Richtung gehalten und mit ihren Fingern auf der anderen Seite den dort befindlichen Touchscreen berührt haben.“

Nach aktuellem Ermittlungsstand spielte sich der Vorfall aus Sicht der Staatsanwaltschaft folgendermaßen ab: Die drei Mädchen saßen am Donnerstagabend im Restaurant-Bereich des Einkaufszentrums. „Sie haben bemerkt, dass sie von zwei jungen Männern offensichtlich gemustert und — nach ihrer Wahrnehmung — vermutlich fotografiert oder gefilmt wurden“, erklärte Bieler. Später seien dann weitere Männer hinzugekommen. „Die Mädchen haben sich verunsichert gefühlt.“ Zwei von ihnen seien zunächst gegangen, dann aber wieder zurückgekehrt.

Letztlich hätten sich fünf Männer mit an den Tisch der Mädchen gesetzt, sagte Bieler. Die Männer hätten Bemerkungen gemacht wie „ich liebe Dich“, „ich will Dich küssen“ und Ähnliches. In der Folge seien weitere Personen erschienen. „Daraufhin hat ein Passant den Sicherheitsdienst gerufen.“

Als die Polizisten eintrafen, hatte sich bereits eine Personengruppe um den Tisch der Mädchen gestellt. Groben Schätzungen zufolge seien dies 20 oder 30 Menschen gewesen. „Aus dieser Gruppe heraus ist mutmaßlich fotografiert oder gefilmt worden.“

Als Haupttäter gelten nach Angaben der Polizei zwei 19 und 26 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan. Neben den beiden Männern waren nach den Vorfällen aber auch zwei weitere Afghanen festgenommen worden. Alle vier hatten bei ihrer Festnahme laut Polizei heftigen Widerstand geleistet, wodurch auch Beamte verletzt wurden. Alle vier Männer sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Bieler sagte, ermittelt werde gegen die Männer wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung sowie unter Umständen wegen Nötigung und Beleidigung. Möglicherweise handele es sich zudem um Verstöße gegen das Recht am eigenen Bild — falls Bilder und Videos von den Tatverdächtigen an Dritte versandt worden sein sollten.

Erkenntnisse erhoffen sich die Beamten vor allem von einem möglicherweise wichtigen Zeugen, der die Belästigung der drei Mädchen beobachtet und mit ihnen während des Vorfalls gesprochen haben soll.

LN

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