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Übergriffe in Kiel: Noch mehr Fälle angezeigt

Kiel Übergriffe in Kiel: Noch mehr Fälle angezeigt

Nach den Belästigungen von drei Mädchen im Kieler Einkaufszentrum „Sophienhof“ hat die Polizei mit der Auswertung von Überwachungsvideos und Handy-Aufnahmen begonnen. Offenbar wurden auch andere Mädchen belästigt.

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Sicherheitsmitarbeiter haben ihre Präsenz im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof verstärkt.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel.  „Eine spezialisierte Einheit der Kriminalpolizei unterstützt die Ermittler der Polizei bei den Auswertungen“, sagte ein Polizeisprecher.   Vor Montag könne nicht mit Ergebnissen gerechnet werden. Die Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche Täter hätten zudem Vorrang.

Mehr als 20 Männer mit Migrationshintergrund sollen am Donnerstagabend drei Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren in dem Shopping Center massiv belästigt und verfolgt haben. Als mutmaßliche Haupttäter gelten nach Angaben der Polizei zwei 19 und 26 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan, die die Mädchen auch mit Handys gefilmt und fotografiert haben sollen. Sie und zwei weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, sind aber wieder frei.

Der Polizeisprecher bestätigte Medienberichte, wonach sich nach dem Vorfall weitere Frauen gemeldet und von ähnlichen Erfahrungen im „Sophienhof“ berichtet hätten. Nach der Berichterstattung sei dies aber auch zu erwarten gewesen. Dass sich viele nicht sofort an die Polizei wenden, sei „ganz typisch für diese Art von von Scham geprägten Delikten“, sagte er.

„Bei solchen Vorkommnissen ist es wichtig, schnell und flexibel zu reagieren, und das hat die Polizei getan, das war sehr in Ordnung“, sagte gestern SPD-Landeschef Ralf Stegner. Erfreulicherweise sei nichts Schlimmeres passiert. Stegner spricht sich dafür aus, die Polizeipräsenz zu verstärken. „Wer sich etwas zu Schulden kommen lässt, wird verfolgt und bestraft, egal, wo er herkommt“, so Stegner.

„Ich würde mir wünschen, dass jetzt ein schnelles Zeichen gesetzt wird, dass so etwas bei uns nichts zu suchen hat“, sagte der CDU- Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Daniel Günther. Nichts sei verheerender, als wenn die Menschen jetzt den Eindruck gewännen, der Staat dulde solches Verhalten. Nach einer Aburteilung sollten Täter auch abgeschoben werden, sagte Günther. Er forderte mehr Videoüberwachung und stärkere Polizeipräsenz auf öffentlichen Plätzen – ebenso wie sein CDU-Landesvorsitzender Ingbert Liebing. „Die Vorfälle sind nicht hinnehmbar, jetzt muss die volle Härte des Gesetzes folgen“, sagte Liebing. Es sei „gut und richtig, dass wir im Bundestag die Asylgesetze verschärft haben“. Ein Integrationsgesetz sei notwendig, das Asylbewerbern auch Pflichten und Spielregeln vermittele. „Wer sich daran nicht hält, muss wieder zurück“, sagte der CDU-Landeschef.

Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben nannte es „erschreckend“, wenn Frauen und Mädchen zu Opfern sexueller Belästigung werden. „Das rasche Eingreifen aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger und das selbstbewusste Handeln der Mädchen hat vermutlich Schlimmeres verhindert“, sagte sie und bekundete Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates. „Um solche Vorfälle wie im Sophienhof zu verhindern, sind Integration, funktionierende Sicherheitskonzepte und der Kampf gegen Sexismus die Punkte, die es zu stärken gilt“, erklärte von Kalben.

Chronologie

3 junge Frauen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren wurden gegen 17.30 Uhr zunächst von zwei Männern afghanischer Abstammung beobachtet und dann verfolgt. Die 19 und 26 Jahre alten Verdächtigen fotografierten oder filmten die jungen Frauen mit ihrem Mobiltelefon im Restaurantbereich des Einkaufszentrums. Danach verschickten sie die Aufnahmen mit ihren Smartphones.

Nach und nach stieg die Gruppe auf 30 Personen, die laut Augenzeugen alle einen Migrationshintergrund haben. Die Mädchen wurden weiter belästigt. Es soll jedoch zu keinem körperlichen Übergriff gekommen sein. Aus Angst rannten zwei der drei Mädchen weg und schüttelten bis zu zehn Verfolger ab. Aus Sorge kehrten sie allerdings unverzüglich zu ihrer Freundin zurück. Dort stießen die zwei Haupttäter wieder zu den Mädchen und belästigten sie aufs Neue.

Mittlerweile hatten Passanten die Szenen beobachtet und den Wachdienst informiert, der sofort die Polizei alarmierte. Als die Beamten die Situation klären wollten, wurden sie massiv beleidigt, bedroht und teilweise verletzt. Gegen 19.30 Uhr kehrte im Sophienhof Ruhe ein. Die beiden Haupttäter sowie zwei weitere Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen. Die Haupttäter kamen über Nacht in Gewahrsam. Gestern wurden sie wegen fehlender Haftgründe entlassen.

Eine Ermittlungsgruppe der Polizei hat mit Unterstützung von Spezialdienststellen der Kripo die Arbeit aufgenommen. Sie werten unter anderem Videoaufnahmen aus dem Sophienhof sowie Mobiltelefone der Beschuldigten aus.

Christian Risch

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