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Norddeutschland Überraschung beim Tanken: Diesel immer günstiger
Nachrichten Norddeutschland Überraschung beim Tanken: Diesel immer günstiger
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21:08 07.08.2015
Quelle: Tobias Hase /dpa
Lübeck

Das ist doch mal eine gute Nachricht für Autofahrer: Anders als in der Reisezeit gewohnt sind in diesem Sommer die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen nicht gestiegen. Ganz besonders profitieren in diesen Tagen die Fahrer der umweltpolitisch immer wieder umstrittenen Dieselfahrzeuge. Dieselkraftstoff ist mit einem Literpreis von nur noch knapp über einem Euro so billig wie seit langem nicht. Grund ist ein Überangebot am Markt. Dass sich Superbenzin an den Zapfsäulen mit der Urlauberwelle auf den Straßen wenigstens nicht verteuert, hängt mit einem weiter abstürzenden Ölpreis zusammen. Mit anderen Worten: Die Mineralölkonzerne sahnen auch bei konstanten Preisen noch ab. Im Bundesschnitt liegt der aktuelle Preis für Biosprit E10 bei 1,43 Euro, im Großraum Lübeck kostete der Liter gestern bis zu sieben Cent weniger.

„Dass Autofahrer seit Jahren einmal während der Ferien von niedrigen Preisen profitiert, daran werden sich vermutlich nur noch die Älteren erinnern“, sagt Ulrich Klaus Becker, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein. Der Club empfiehlt Autofahrern, die regelmäßig vorhandenen Preisunterschiede zu nutzen. Für die kommenden Wochen rechnet der Automobilclub tendenziell mit sinkenden Benzinpreisen. „Die Rohöllager sind weltweit gut gefüllt, und der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen weiter gesunken“, sagt Becker. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rutsche unter die Marke von 50 Dollar. Das ist halb so hoch wie vor einem Jahr. Die Schere zwischen Benzin- und Dieselpreis bleibt derzeit allerdings groß. Der ADAC führt das auf die unterschiedliche Nachfragesitutation zurück. Weil sich auch die Amis auf großer Urlaubsfahrt befinden, müsse Ottokraftstoff aus Europa sogar in die USA exportiert werden.

Für den Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer könnte der deutliche Preisunterschied der Kraftstoffarten – über 30 Cent – sogar Auswirkungen auf die Neuzulassungsstatistik bei Autos haben. Der niedrige Dieselpreis beschleunige den Absatzboom bei sportlichen Geländewagen (SUV), die häufig als Diesel unterwegs sind. Bis 2020 rechnet Dudenhöffer mit einer Million neu zugelassener SUV in Deutschland. Der Marktanteil könnte von 20 Prozent auf ein Drittel steigen, lautet die Analyse des Branchenkenners.

In Lübeck fiel der Dieselpreis gestern Abend (18 Uhr) auf bis zu 1,05 Euro. E10 war ab 1,36 Euro zu haben. Aufgrund des Preisverfalls haben deutsche Autofahrer nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands im ersten Halbjahr fünf Milliarden Euro an Spritkosten gespart. Die Bundesverbraucherzentrale moniert, dass der Ölpreissturz nicht auch an Passagiere im Flugverkehr oder bei Kreuzfahrten weitergegeben wird. Auch Erdgas- Kunden profitieren nicht. Heizöl dagegen hat sich verbilligt. Dabei hatte es stets geheißen, Gas- und Ölpreis seien aneinander gekoppelt.

Curd Tönnemann

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