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Norddeutschland Umfrage belegt: Deutschland liebt den Norden
Nachrichten Norddeutschland Umfrage belegt: Deutschland liebt den Norden
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21:52 10.08.2015
Quelle: AP
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Lübeck

Der Norden schneidet im Urteil der Deutschen gut ab: Plattdeutsch zum Beispiel ist ihre beliebteste regionale Sprache. Das zeigt eine groß angelegte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ zur Frage, wie wir Deutschen so ticken. Danach hören 29 Prozent der Bundesbürger gerne das norddeutsche „Moin!“, nur 27 Prozent mögen lieber das den Bayern zugeordnete „Grüß Gott“.

Dazu kommt, dass Hamburg die am meisten geliebte und am wenigsten gehasste deutsche Großstadt ist. Anders dagegen München: Während 17 Prozent der Bundesbürger die Elb-Metropole super finden und nur drei Prozent sie gar nicht mögen, wird die bayerische Landeshauptstadt nur von 15 Prozent geliebt und von zehn Prozent gehasst.

Die landschaftliche Schönheit des Nordens wissen allerdings nur die Ostdeutschen zu schätzen: Für sie liegt Mecklenburg-Vorpommern in dieser Disziplin ganz vorn, mit Bayern und Sachsen auf den Plätzen zwei und drei. Die Westdeutschen dagegen setzen Bayern an die Spitze, gefolgt von Baden Württemberg und Nordrhein-Westfalen. „McPomm“ hat da im Westen, Schleswig-Holstein in ganz Deutschland sehr deutlich Nachholbedarf.

Bei der Fußball-Bundesliga aber spielt der Norden wieder gut mit. Nach Bayern München und Borussia Dortmund, die in der Zu- und Abneigung weit, weit vorn liegen (pro und kontra bei Bayern München 19 zu 32 Prozent, Dortmund 19 zu 6 Prozent), rangiert der HSV im Verfolger-Feld auf einem Spitzenplatz: Knapp vier Prozent der Befragten finden ihn toll, nur 2,5 Prozent mögen ihn nicht. Vor den Hamburgern liegt nach Bayern und Dortmung nur noch Mönchengladbach mit mehr als vier Prozent Zustimmung und weniger als einem Prozent Antipathie.

Zu insgesamt 79 Themen von A wie Auto bis Z wie Zukunft hat „YouGov“ repräsentative Stichproben unter den Bundesbürgern befragt und in dem gestern erschienenen Buch „Wie wir Deutschen ticken“ veröffentlicht (siehe unten). Ergebnisse aus vier Bereichen haben wir schon vorgestellt, aus den übrigen 75 seien einige weitere herausgegriffen:
Auto: Dazu haben die Deutschen ein widersprüchliches Verhältnis. Das wird besonders deutlich, wenn man die Antworten auf zwei Fragen vergleicht: 69 Prozent lieben ihr Auto (bei den Frauen sind es sogar 74 Prozent), aber gleichzeitig sagen 71 Prozent: Es ist nur ein Gebrauchsgegenstand. Sich selbst sehen neun von zehn Chauffeuren als gute Autofahrer. Besonders groß und gefährlich ist die Selbstüberschätzung bei jungen Männern: Sie sind zwar die schlechtesten, weil unfallträchtigsten Fahrzeuglenker, bewerten aber ihre Fahrkünste zu 93 Prozent als gut.
Bücher: Zu den von der „YouGov“-Umfrage widerlegten Legenden gehört die, dass der durchschnittliche Deutsche vier Bücher besitze – einschließlich des Telefonbuchs. Tatsächlich haben 58 Prozent mehr als 50 Bücher im Regal, 38 Prozent sogar mehr als 100. Auch die Legende, dass nur Männer auf den Klo lesen, wird relativiert: Dazu bekennen sich lediglich 17 Prozent der Männer – aber auch 11 Prozent der Frauen. Besonders viel gelesen wird übrigens im Norden: 34 Prozent der Schleswig-Holsteiner und 33 Prozent der Mecklenburger und Vorpommern haben im Winterhalbjahr 2014/2015 sieben oder mehr Bücher gelesen. Die Lesemuffel sind dagegen die Brandenburger mit nur 17 Prozent Viel-Lesern.

Frauen und Männer: Frauen sind Träumer, Männer eher Macher – an diesem (Vor-)Urteil scheint etwas dran zu sein. Jedenfalls glaubt mehr als die Hälfte der Frauen (52 Prozent), aber nur ein Drittel der Männer (32 Prozent), dass es Menschen mit hellseherischen Fähigkeiten gibt. 26 Prozent der Frauen, aber nur 19 Prozent der Männer glauben, dass sie früher schon einmal gelebt haben. 24 zu 17 führen die Frauen auch beim Glauben, dass wir mit Verstorbenen in Kontakt treten können.

Auch das Bild vom toughen Mann und der ängstlichen Frau wird bestätigt – mit zwei Ausnahmen: Furcht vor dem Verlassenwerden hat jeder dritte Mann, aber nur jede vierte Frau. Und wenn es darum geht, einen attraktiven Mann beziehungsweise eine schöne Frau anzusprechen, bekommen nur 26 Prozent der Frauen, aber 34 Prozent der Männer Herzrasen.
Körperhygiene: Dreckige Unterwäsche ist absolut out: 82 Prozent der Deutschen ziehen täglich frische Wäsche an, 74 Prozent wechseln auch täglich die Socken. Auch Schamhaare sind out – jedenfalls bei den Jüngeren: 71 Prozent der 18- bis 24-Jährigen rasieren sich im Intimbereich, bei den über 55-Jährigen sind es nur 23 Prozent. In sind dagegen Bad und Dusche: 96 Prozent der Deutschen duschen oder baden mindestens alle drei Tage.

Peinlichkeit: In der Werbung war früher mal ein Schweißfleck peinlich. Die älteren Leser werden sich daran erinnern. Heute rangiert ein durchgeschwitztes Hemd auf einer Party nur noch im Mittelfeld der Peinlichkeiten: 57 Prozent finden das nicht so schlimm. Ganz an der Spitze der peinlichen Missgeschicke rangiert dagegen der Pups, der in Gesellschaft deutlich hörbar entfleucht. Wie peinlich leise Stinker sind, wurde nicht erfragt.

Zukunft: Auf ihre eigene Zukunft sind 71 Prozent gespannt, und 62 Prozent glauben, sie hätten es selbst in der Hand, was daraus wird. Dass Gefahren wie Krieg, Hungersnöte, Naturkatastrophen oder Arbeitslosigkeit geringer werden – so optimistisch sind aber maximal 15 Prozent der Deutschen.

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