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Norddeutschland Immer wieder werden Kameras auf der Grünbrücke gestohlen
Nachrichten Norddeutschland Immer wieder werden Kameras auf der Grünbrücke gestohlen
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20:00 30.10.2018
Auf der Wildbrücke A 24 bei der Raststätte Gudow werden immer wieder die Kameras zur Überwachung des Wildwechsels gestohlen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Gudow/Kiel.

Kameraklau auf der Grünbrücke: An der A 24 bei Gudow (Kreis Herzogtum Lauenburg) sind inzwischen bereits 16 Fotofallen gestohlen worden. Die verantwortlichen Naturschützer sind frustriert. Schließlich ist das Monitoring der Querung erforderlich, um Wildtiere zu zählen.

Die Kameras sollen dokumentieren, wie gut die Grünbrücke funktioniert. Dabei geht es darum zu erfassen, welche Tiere das 6,4 Millionen teure Bauwerk queren. Doch das passt in Gudow offenbar nicht jedem. Auf der Wildquerungstrasse über die Autobahn zwischen Hamburg und Berlin sind immer wieder Kameras gestohlen worden, die teils vom Umweltministerium, vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr oder auch vom WWF Mölln zur Verfügung gestellt worden waren. Mal fehlten zwei, zuletzt wurden gleich vier Kameras auf einen Schlag entwendet.

„Schon schnell nach Fertigstellung des Bauwerks war klar, dass es irgendjemandem nicht gefällt, dass wir dort Fotofallen aufgestellt haben“, meint Björn Schulz, zuständig für die Wiedervernetzungprojekte bei der Stiftung Naturschutz, die das Monitoring begleitet. Zunächst verschwanden die an Steinschutzwällen (Gabionen) befestigten Wildkameras, zuletzt wurden sie von einbetonierten Metallstangen abgeflext und sogar von rund vier Meter hohen Laternenpfählen heruntergeholt. „Wir haben immer mehr Aufwand betrieben, um die Kameras zu sichern“, sagt Schulz. Ohne Erfolg.

Brücke darf nicht betreten werden

„Es hat diverse Anzeigen gegeben“, bestätigt Matthias Luttermann von der Polizeistation in Mölln. Doch Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Die Geländeverhältnisse seien schwierig. Zudem würden die Kameras in unregelmäßigen Abständen verschwinden. Manchmal seien sie nach nur drei Monaten weg, dann sei fast ein Jahr bis zum nächsten Diebstahl vergangen.„Dabei geht es hier um Natur- und Umweltschutz. Ein Anliegen, das uns alle betrifft“, sagt Luttermann.

Die Grünbrücke selbst wie auch die Flächen drumherum, insgesamt rund 1,5 Hektar, sind in Besitz des Bundes. Auf breiten, bewachsenen Rampen sollen Wildtiere sicher über die Autobahn kommen, Steinschutzwälle halten Scheinwerferlicht fern. Die Brücke darf nicht betreten werden. Vier Schilder weisen darauf hin.

Grünbrücken in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein gibt es bisher drei Grünbrücken. 2005 wurde die erste Grünbrücke über die A 21 zwischen Kiebitzholm und Negernbötel (Kreis Segeberg) fertig gestellt. Es folgten 2007 die Grünbrücke Hainholz über die A 20 zwischen Strukdorf und Langniendorf (Kreis Segeberg), sowie 2012 die Grünbrücke über die A 24 bei Gudow-Segrahn (Kreis Herzogtum Lauenburg).

Im Rahmen des sechspurigen Ausbaus der A 7 befindet sich derzeit eine Querung bei Brokenlande (südlich Neumünster) im Bau, eine weitere soll bei Bad Bramstedt folgen. Im Falle des Weiterbaus der A 20 westlich von Bad Segeberg sind zudem Grünbrücken als Ausgleichsmaßnahmen bei Todesfelde und bei Mönkloh geplant.

Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs zeigte sich betroffen über die Diebstahl-Serie. Es sei schon erschreckend, mit welcher hohen kriminellen Energie hier gegen ein ökologisch wichtiges Projekt vorgegangen werde. Er erinnerte zugleich auf die dringende Notwendigkeit, über Vorhaben wie Grünbrücken und ein entsprechendes Begleit-Monitoring Ökonomie und Ökologie zu vereinen. Gerade bei sehr kostspieligen Planungen sei es enorm wichtig, über ein Monitoring auch die Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Vernetzung von Lebensräumen zu erlangen. Zudem diene das Projekt aber in sehr hohem Maße auch der Steigerung der Verkehrssicherheit.

Zehn Säugetierarten dokumentiert

Das Monitoring ist nach Auskunft des Verkehrsministeriums in Kiel verpflichtend. „Gerade bei sehr kostspieligen Planungen ist die Gewährleistung der Funktionalität der Planung ein entscheidendes Kriterium“, erklärt Staatssekretär Thilo Rohlfs. Dabei gehe es zum einen um die Verkehrssicherheit, aber auch um den Schutz bestimmter Arten, die Wiedervernetzung von Lebensräumen und die Erfüllung der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Wird durch das Monitoring festgestellt, dass bestimmte Arten die Grünbrücke beispielsweise nicht nutzen, so müsste nachgebessert werden, erklärt Ministeriumssprecher Harald Haase.

In Gudow konnten bisher mindestens zehn unterschiedliche Säugetierarten dokumentiert werden – das ist knapp die Hälfte der insgesamt erwarteten Arten. Danach sind Rot- und Rehwild die häufigsten Arten auf der Brücke. Auch Feldhasen und Füchse nutzen die tierische Autobahnbrücke, seltener werden Wildschweine und Damhirsche beobachtet. Steinmarder hingegen gelten als regelmäßige Nutzer der Grünbrücke, auch verschiedene Mäusearten sind bereits in die Fotofalle getappt. „Wir wollen wissen, wie der Biotopverbund funktioniert“, erklärt Schulz. Es sei kontraproduktiv, wenn Leute das System zerstörten.

Claus-Peter Alpen hat die abgeflexte Metallstange auf der Wildbrücke entdeckt. Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Ich bin total frustriert“, sagt Claus-Peter Alpen aus Reinbek (Kreis Stormarn), der als Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein auch die Betreuung der Kameras bei Gudow übernommen hat, ehrenamtlich. „Ich weiß nicht, was ich noch tun soll.“ Schließlich seien die Geräte ja schon gut gesichert gewesen. Die Kosten liegen bei rund 400 Euro pro Kamera. „Aber auch das gesamte Bildmaterial ist weg.“ Damit ist die Dokumentation lückenhaft. Alpen will nun die benachbarte Jägerschaft ansprechen. „Vielleicht haben die etwas gesehen.“

In Schleswig-Holstein gibt es solch einen Fall kein zweites Mal. „Bisher haben wir sonst nur Einzelfälle von Kameraklau erlebt“, sagt Schulz. Denn auch die anderen Grünbrücken im Land werden genau beobachtet, so etwa die Querung über die A 21 bei Negernbötel sowie die Wildbrücke bei Geschendorf im Zuge der A 20.

Julia Paulat

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