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Norddeutschland Unfall-Gaffer werden jetzt ausgesperrt
Nachrichten Norddeutschland Unfall-Gaffer werden jetzt ausgesperrt
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07:14 09.10.2017
In Bayern und Brandenburg werden diese Sichtschutzwände bereits eingesetzt.  Quelle: dpa
Kiel

Die Sichtschutzwände sollen in den Niederlassungen Lübeck und Itzehoe gelagert und von den Mitarbeitern auf Anforderung der Polizei schnell zu den Unfallorten gebracht werden. In Nordrhein-Westfalen werden solche Wände schon seit 2015 eingesetzt. Der Verkehrsfluss normalisiere sich nach einem Unfall jetzt schneller, heißt es dort.

Auch die Anzahl von Auffahrunfällen auf der Gegenspur sei zurück gegangen. In Bayern läuft ein Pilotprojekt mit bis zu 100 Meter langen Sichtbarrieren aus Gitterelementen mit blickdichtem, aber winddurchlässigem Kunststoffgewebe - um sie bei Wind standfester zu machen. Die Rettungskräfte würden sich hinter den Barrieren sicherer fühlen und konzentrierter arbeiten können, heißt es in München. Die Wände seien 18 Kilogramm leicht und könnten von einem einzigen Mitarbeiter aufgestellt werden. Auch in Bayern sind die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien dafür zuständig. Bei Engpässen hilft das Technische Hilfswerk aus.

Aus dem Kieler Landtag gibt's Rückenwind. Der Grüne Verkehrsausschuss-Chef Andreas Tietze plädiert dafür, sich die Modelle der anderen drei Länder vorstellen zu lassen. Sein SPD-Kollege Kai Vogel sagt: „Sichtschutzwände können Opfer und Notfallhelfer vor aufdringlichen Gaffern schützen.“ Und der CDU-Abgeordnete Hans- Jörn Arp betont: „Sich am Leid anderer zu ergötzen statt zu helfen, ist unanständig. Wenn man dagegen ein Instrument finden kann, ist das unterstützenswert.“

Bei der Polizeigewerkschaft GdP ist man allerdings skeptisch. Sichtschutzwände mögen „in Einzelfällen insbesondere auf viel befahrenen Autobahnen und Bundesstraßen ein ergänzendes Hilfsmittel sein“, sagt Landeschef Torsten Jäger. Sie könnten aber immer erst mit Zeitverzug aufgebaut werden. „Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei haben vor Ort ganz andere Aufgaben.“

Auch für den ADAC bleiben Sichtschutzwände nur das allerletzte Mittel, um Gaffer abzuhalten. „In erster Linie müssen wir in die Köpfe der Menschen kriegen, dass man so etwas nicht tut“, sagt ADAC-Sprecher Ulf Evert. Dahinter müsse die „massive Bestrafung“ derjenigen kommen, die es trotzdem tun. „Eigentlich schlimm, dass man so etwas überhaupt veranlassen muss“, sagt auch FDP- Verkehrsminister Bernd Buchholz.

Gaffern droht ein Bußgeld von 20 bis 1000 Euro. Das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls ist sogar eine Straftat und kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft werden. Torsten Jäger macht allerdings wenig Hoffnung, dass alle Gaffer ermittelt werden können. Dazu gebe es vor Ort schlichtweg zu wenig Personal, sagt der Polizei-Gewerkschafter.

Von Wolfram Hammer

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