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Norddeutschland Uni Kiel: Posse um Denkmalschutz
Nachrichten Norddeutschland Uni Kiel: Posse um Denkmalschutz
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21:31 31.05.2018
Auch diese Tische stören das Gesamtbild des Platzes vor der Mensa und müssen weichen, fordern die Denkmalschützer. Quelle: Fotos: Sven Janssen
Kiel

Es war so gut gemeint, was der AStA, also die Studentenvertretung, und das Studentenwerk auf dem Campus der Uni auf den Weg brachten. Nicht nur Luft aufpumpen kann man an der grasgrünen, tief im Boden in Beton verankerten Säule. Dort hängen an langen Seilen auch Schraubenschlüssel für die schnelle Fahrrad-Reparatur, um etwa einen losen Sattel wieder festzuziehen. Und auch ein paar Tische wurden bei dem schönen Wetter einfach vors Gebäude gestellt, weil die Mensa mittlerweile ständig überfüllt ist.

Eine kleine, grasgrüne Fahrrad-Aufpumpstation vor dem 60er- Jahre-Waschbetonbunker der Uni-Mensa in Kiel? Das geht gar nicht, sagen die Denkmalschützer der Fördestadt. Die müsse wieder abgerissen werden. Doch das treibt jetzt die Studenten auf die Barrikaden. Und die bekommen Rückendeckung von der Politik.

Nur die Denkmalschützer, die hat man nicht gefragt. „Der Asta wird jedes Jahr neu gewählt. Und dann kann es passieren, dass dort niemand mehr weiß, dass das ganze Ensemble denkmalgeschützt ist“, sagt Uni-Sprecher Boris Pawlowski entschuldigend. Und dass sie nicht gefragt werden, sei leider das, was die Denkmalschützer in Kiel am ehesten auf die Palme bringen würde. Nur so erkläre man sich an der Uni, dass sie jetzt nicht nur den Abriss der Fahrrad-Reparaturstation forderten, sondern auch gleich alle Tische und selbst Hinweisschilder auf die Mensa entfernt werden müssen, damit „der unverfälschte Ensembleblick“ nicht gestört wird.

„Das einzige Interesse des Denkmalschutzes ist die Bewahrung der ,hübschen‘ Waschbetonbauten. Dabei missachtet er komplett die Bedürfnisse und Anforderungen der Menschen, die sich hier täglich aufhalten und diesen Ort mit Leben füllen“, empört sich jetzt aber AStA-Chef Julian Schüngel. Den Vorschlag der Denkmalschützer, die Fahrrad-Reparaturstation hinter die Mensa neben deren Gastronomieabfälle zu verlegen, weist er brüsk zurück. Dort kämen gar keine Radler vorbei.

Tatsächlich wird die Pumpstation bei einem LN-Besuch gestern Nachmittag rege genutzt. „Was, die soll weg?“, empört sich auch Arne Petersen. Der 40-jährige Informatiker muss gerade noch ein paar Schrauben an seinem Rad festziehen. „Kleben wir doch einfach eine der hässlichen Waschbetonplatten vom Gebäude dran. Dann sind die Denkmalschützer vielleicht zufrieden“, sagt er. „Der Denkmalschutz vergisst dabei, dass wir uns im Jahr 2018 befinden und es sich hier um ein Gelände handelt, welches sich beständig weiterentwickelt, weil es zum lebendigen Hochschulbetrieb gehört“, sagt Schüngel.

Kiels SPD-Oberbürgermeister Ulf Kämpfer will sich zu dem Vorgang bislang nicht äußern. Er hatte zuletzt schon Streit mit den Denkmalschützern des Landes, weil die, sehr zu seinem Unmut, auch mehrere Beton-Pavillons im Herzen der Altstadt unter Schutz gestellt hatten. Kiels Baudezernentin Doris Grondke immerhin verspricht, in Kürze alle Beteiligten an einen Tisch holen zu wollen.

Im Landeshaus stößt das Vorgehen der Denkmalschützer derweil ebenfalls auf Unmut. „Wir haben Verständnis für die Verärgerung des AStA über Auflagen der Denkmalschutzbehörden zur Neugestaltung des Campus“, sagt der SPD-Abgeordnete Heiner Dunckel. Die FDP-Abgeordnete Anita Klahn fordert „mehr Realismus“ vom Denkmalschutz. Er teile die Kritik der Denkmalschutzbehörde nicht, sagt auch der Grüne Lasse Petersdotter. „Ein Essen in der Sonne muss möglich bleiben, und das Angebot, kostenlos auf dem Campus Fahrräder reparieren zu können, ist sinnvoll.“ Der CDU-Abgeordnete Tim Brockmann schließlich wettert: „Eine Universität ist doch kein Freilichtmuseum.“

Von Wolfram Hammer

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