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Norddeutschland Unsere Jobs sind besonders heiß
Nachrichten Norddeutschland Unsere Jobs sind besonders heiß
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22:25 30.07.2018
An der Siebtrommel der Entsorgungsbetriebe, dem Arbeitsplatz von David Wirz, ist es über 30 Grad warm.
Lübeck

„Unsere Kollegen leiden definitiv unter der Hitze“, sagt die Sprecherin der Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL), Cornelia Tews. Insbesondere im Bio-Bereich sei das „Kippen“ der Biotonnen, also das Abholen des Mülls durch die Müllfahrer, „sicherlich nicht angenehm“. Maden, Fliegen und der penetrante Gestank seien schon deutlich mehr als bei kühlerem oder feuchtem Wetter. Das betreffe auch den Restmüll und andere Bereiche der EBL.

Sonniges Wetter und Höchsttemperaturen von über 30 Grad sorgen für große Freude bei Touristen und Badegästen. Doch nicht jeder kann das Sommerwetter genießen. Zum Beispiel Müllwerker, Dachdecker, Straßenarbeiter: Die heißen Temperaturen erschweren ihnen die Arbeit.

Ein Beispiel: Der Gestank der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage der EBL am Rande Lübecks ist bei den heißen Temperaturen noch intensiver als gewöhnlich. Trotz Sicherheitsvorkehrungen brennt der Gestank in den Augen. Die Luft in der Halle der Deponie ist trotz Atemmaske unerträglich. „Der Müll kommt zwar an wie immer, doch das Problem ist zum einen die Hitze durch die Sonneneinstrahlung, zum anderen das aufgeheizte Material, das die Wärme potenziert“, sagt Heino Heldt, stellvertretender Betriebsleiter der Anlage.

Ähnlich ergeht es den Dachdeckern. „Man ist den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt“, sagt Helmut Heger, Geschäftsführer des Lübecker Dachdeckerbetriebs Grütt und Heger. Gegenstände, die länger in der prallen Sonne liegen, könne man nicht mehr anfassen, da man sich an ihnen die Finger verbrenne, sagt Heger. „Das ist zum Teil unerträglich.“ Seit einer Woche hat die Firma nun die Arbeitszeiten so gelegt, dass die Kollegen um halb sechs mit der Arbeit beginnen. Je nachdem wie das Wetter sich gestaltet, werde temperaturbedingt gegen 13 Uhr der Feierabend eingeleitet.

Jan Balkau, Straßentiefbauer der Firma Benno Meyn, kennt die Probleme der Dachdecker gut. „Wir arbeiten ständig direkt in der prallen Sonne“, sagt er. Außerdem würden die Arbeiten behindert, da aufgrund der Hitze der Beton für die Fahrbahn nicht gegossen werden kann. „Wir müssen damit warten, bis es wieder kühler wird.“

Bei San Remo, einem italienischen Restaurant an der Lübecker Obertrave, sind die Köche und Pizzabäcker die Hitze in der Küche gewohnt. „Dadurch, dass in der Sommerzeit sehr viel zu tun ist, laufen der Ofen sowie die Herdflamme ständig auf Anschlag“, sagt der Inhaber Johannes Segert. Das Problem: „Die Lüftungssysteme schaffen es nicht mehr, für Kühlung zu sorgen, da selbst die Frischluft von draußen sehr warm ist.“ Eine kleine Abhilfe: Die Köche dürften während der Arbeit Musik hören, um bei guter Laune zu bleiben – und sie erhalten jederzeit eisgekühlte Getränke, sagt Segert.

Kühl ist es bei Heinz Pursche im Taxi. Wegen der Klimaanlage läuft der Motor durchgehend. Das mache es nicht unbedingt angenehmer, stellt er fest. „Der ständige Wechsel der Temperatur ist ein Problem und belastend“, sagt er. Insbesondere die Konzentration leide unter der Hitze. Das ginge aber nicht nur ihm so, erzählt Pursche. Auch bei Kollegen seien die Temperaturen ein Problem: „Einige hören deshalb früher auf zu arbeiten“, sagt er.

Von Fabian Boerger

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