Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Unterwasserwelt lockt viele Besucher an
Nachrichten Norddeutschland Unterwasserwelt lockt viele Besucher an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:48 11.07.2018
Faszination Meer: Besucher stehen vor dem großen Schwarmfischbecken des Ozeaneums. Quelle: Fotos: Stefan Sauer/dpa
Anzeige
Stralsund

Durchgearbeitete Nächte, ein Schwarmfischbecken ohne Tiere und hohe Baukosten, die eine zusätzliche Finanzspritze erforderten: Das Stralsunder Ozeaneum stolperte vor zehn Jahren in seine Eröffnung. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Grußwort hielt, waren Bauarbeiter und Aquarianer in den Ausstellungen noch schwer beschäftigt. Den Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, so erinnert er sich, interessierte damals nur eine Frage. „Können wir in Zukunft wirklich so viele Besucher interessieren, dass sich das Ozeaneum wirtschaftlich trägt?“

Europas Museum des Jahres

Die öffentlichen Zuwendungsgeber von Bund, Land und Stadt setzten die Übernahme der Baukosten von rund 60 Millionen Euro unter eine Bedingung: Das Ozeaneum muss seine Betriebskosten über die Einnahmen selbst refinanzieren. Wirtschaftlichkeitsberechnungen sahen ein absolutes Besucherminimum von 500 000 Gästen pro Jahr vor. Die Marke wurde in keinem Jahr unterschritten.

Seit 2015 zeigen die Besucherzahlen stetig nach oben. Seit der Eröffnung kamen rund 6,2 Millionen Menschen in die Ausstellungen und Großaquarien des Ozeaneums, um dort in das Universum „Meer“ einzutauchen. Das Ausstellungszentrum wurde mit der Eröffnung zum Flaggschiff der Museumslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und profitierte dabei von seiner Nähe zu den Urlauberhochburgen auf der Insel Rügen.

30 Millionen Euro für die Umgestaltung des Museums

Den Grund für den Besucheransturm sehen die Museumsmacher in der ständigen Weiterentwicklung des Standortes. Seit 2014 richtet das Ozeaneum seinen Fokus auf ein Jahresthema wie Plastikmüll oder Tiefsee. Im Jahr 2010 wurde das Ozeaneum zu „Europas Museum des Jahres“ gekürt. Doch der Erfolg des Ozeaneums hatte seine Schattenseiten. In Konkurrenz zum Stammhaus, dem Meeresmuseum, brachen dort die Besucherzahlen auf etwa 200 000 Gäste pro Jahr ein. Das Meeresmuseum soll nun vom kommenden Jahr an umfassend renoviert werden.

Mit der Ausstellung über die Warmwassermeere werde es sich klar von der Ausstellung des Ozeaneums abgrenzen, das sich den Kaltwassermeeren widmet. Land und Bund finanzieren die Umgestaltung des Meeresmuseums mit 30 Millionen Euro. Dass dann ein Sogeffekt zugunsten des Meeresmuseums und zu Lasten des Ozeaneums eintreten könnte, sei der Stiftung bewusst, sagt Direktor Benke.

Fusion mit dem Meeresmuseum?

„Wir hoffen deshalb, dass es zum 1. Januar 2019 zur Fusion beider Häuser kommt.“ Mit einer Fusion von Meeresmuseum und Ozeaneum würden Besucherzahlen zusammengerechnet – und die seien stabil. Doch Benke betont: Die öffentlichen Zuwendungen würden im Zusammenhang mit der Fusion nicht steigen. Wie der Kaufmännische Direktor Andreas Tanschus erläuterte, soll die Ozeaneum-GmbH über einen sogenannten Asset Deal in die Stiftung integriert werden.

Die Museumsmacher erhoffen sich Synergien, wie den Wegfall von internen Aufwendungen bei der Verrechnung zwischen den Häusern. „Wir mussten da in der Vergangenheit sehr penibel sein und nachweisen, dass es keine Quersubventionierung gibt.“ Statt zwei Jahresabschlüssen werde es künftig nur einen geben.

115 Stellen bleiben erhalten

Zum Thema

ultimedia-Projekt zeigt die lustigsten Fische, Kraken und anderen Lebewesen des Museums

Die Einsparungen sollen den Mitarbeitern zugute kommen. Die Mitarbeiter des Ozeaneums würden künftig wie ihre Kollegen im Meeresmuseum nach Tarif des öffentlichen Diensts bezahlt. Alle Planstellen – 60 im Ozeaneum, 55 im Meeresmuseum – sollen erhalten bleiben.

Nach Umgestaltung des Schwarmfischbeckens stehen im Ozeaneum weitere Modernisierungen an. So soll die Ausstellung über die Weltmeere stärker auf das Thema Tiefsee ausgerichtet werden. „Die Tiefsee ist noch immer weniger erforscht als der Mond“, sagte Benke.

In einem ersten Schritt ziehen Glasmodelle von Juwelenkalmaren in die Ausstellung. Mit dem neuen Schwerpunkt Tiefsee will sich das Ozeaneum stärker gegenüber dem Meeresmuseum abgrenzen. Im mitten in der Altstadt gelegenen Meeresmuseum sollen die Bauarbeiten Ende 2019 starten. Eine Herausforderung: „Ein Umbau in der Altstadt ist viel komplizierter als ein Neubau auf der grünen Wiese“, sagt Tanschus. Ab 2020 wird das Stammhaus für den Umbau bis 2022 geschlossen.

Informationen für Besucher

Geöffnet ist das Ozeaneum, Hafenstraße 11, von Juni bis September   täglich 9.30 bis 20, von Oktober bis Mai täglich von 9.30 bis 18 Uhr.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 17, ermäßigt zwischen sieben und zwölf Euro. Für das Kombiticket mit dem Meeresmuseum werden 17, ermäßigt 11 bis 17 Euro fällig.

Weitere Infos zur Ausstellung unter www.ozeaneum.de

Martina Rathke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige