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Unverständnis nach Mordurteil

Flensburg Unverständnis nach Mordurteil

Weißer Ring: „Belastend und schmerzhaft für die Angehörigen“.

Flensburg. Fassungslosigkeit und Unverständnis gestern nach dem milden Urteil für den Mörder, der vor 35 Jahren in Schleswig eine Rentnerin getötet hatte (Die LN berichteten). Das Landgericht hatte den 52-Jährigen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt – er verließ den Saal als freier Mann.

„Das sind Momente, in denen ein Rechtsstaat schwer auszuhalten ist“, kommentierte Torsten Jäger, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Ich bin trotzdem froh, dass ich in einem solchen lebe.“ Detlef Hardt von der Opferschutz-Organisation Weißer Ring in Lübeck nannte das Urteil „insbesondere für die Angehörigen entsetzlich belastend und schmerzhaft“. Man müsse jedoch zur Kenntnis nehmen, „dass das Jugendstrafrecht keine andere rechtliche Möglichkeit zuließ“.

Das Urteil entspreche dem Antrag der Staatsanwaltschaft, sagte Landgerichts-Sprecher Stefan Wolf in Schleswig. Insofern sei auch nicht damit zu rechnen, dass Rechtsmittel eingelegt würden. Der heute 75 Jahre alte Sohn der getöteten Rentnerin Erna G. († 73) war im Prozess als Zeuge aufgetreten. Wolf: „Wollte er Rechtsmittel einlegen, müsste er Nebenkläger sein.“

Einen drei Jahre nach dem damals noch ungeklärten Mord an der Seniorin begangenen Totschlag an einem Siebenjährigen konnte dem Täter jetzt nicht mehr zur Last gelegt werden, sagte Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. Denn das Lübecker Landgericht hatte ihn deshalb bereits 1986 zu acht Jahren verurteilt. 1993 war er vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Wie die LN 1986 berichteten, war der Täter damals als städtischer Arbeiter in Oldenburg (Ostholstein) beschäftigt. Er mähte eine Böschung, als das siebenjährige Opfer ihn ansprach.

Im Prozess gab der Täter damals vor, sich an den Tathergang nicht erinnern zu können. Zum Tatzeitpunkt war er 20 Jahre alt. Bis zum Alter von 21 Jahren gilt das Jugendstrafrecht.

Bei der Verhandlung in Lübeck hatte ein psychiatrischer Gutachter 1986 den Täter als „minderbegabt, aber nicht schwachsinnig“ bezeichnet. Schwere seelische Abartigkeit sei nicht feststellbar, allerdings seien „Fragmente einer solchen“ zu erkennen. Bei der polizeilichen Vernehmung war der Täter damals mit einem Weinkrampf zusammengebrochen – er habe „das nicht gewollt“. Es sei davon auszugehen, dass trotz der grausamen Tat in Oldenburg die verantwortlichen Stellen den Täter vor dem Schleswiger Urteil als nicht mehr gefährlich eingestuft hätten, so Detlef Hardt. M. Stöcklin

LN

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