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Norddeutschland Urlaub im Regen: Schön ist es trotzdem
Nachrichten Norddeutschland Urlaub im Regen: Schön ist es trotzdem
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11:04 26.07.2017
Inge Buttgereit (78, l.) und ihre Schwester Erika Martens (84) aus Buxtehude lassen es sich auf dem Zeltplatz in Grömitz gut gehen. Quelle: Neelsen

Es regnet Bindfäden am Strandparkplatz in Pelzerhaken. Jonathan Peppler (18) stört das nicht. Er sitzt in Badekleidung auf dem Rasen und beschäftigt sich mit seinem Surfbrett.

 

Peter Pesa (39) sitzt in seinem Zelt auf dem Campingplatz „Mare“ in Grömitz und blättert in einer Fußball-Zeitschrift. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Birgit Schubel (43) aus Paderborn schaut mit Sohn Mark (13) in Grömitz Postkarten an. Der Opa zu Hause wartet auf einen Gruß . . .
Max (4), Dirk (47), Katrin (37) und Emma (1) Rosenthal aus dem Kreis Schleswig-Flensburg wollen in den Zoo und Schwimmen gehen.

„Ich bin super zufrieden mit allem hier“, sagt er. Das Wichtigste für ihn: „Der Wind muss stimmen.“ Deswegen ist er aus Willich (Nordrhein-Westfalen) angereist: Für Wind und Wellen, um zu surfen und das möglichst jeden Tag. Und sonst? „Im Ort ist nicht viel los“, stellt Jonathan achselzuckend fest. „Aber es ist sehr schön hier.“

Regen, Regen und kein Ende – für die meisten Touristen im Norden ist der Urlaub deshalb keineswegs gelaufen. „Wer hier herkommt, weiß, was ihn erwartet“, glaubt Stefan Scholtis (58), Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Kiel. „Unsere Gäste wissen, dass sie kein Mallorca-Wetter haben werden.“ Ein Stornierungsgrund sei Regen nicht. „Deswegen reist keiner ab.“

Hagen Garms (44), Inhaber der Campingplätze „Mare“ und „Hohe Leuchte“ in Grömitz, weiß indessen schon, dass einige Urlauber wegen des Dauerregens einen Tag früher zurück nach Hause aufgebrochen sind.

„Aber die frei gewordenen Plätze waren von Durchreisenden schnell wieder belegt.“

Peter Pesa (39), Verkehrsleiter aus Oyten bei Bremen, hält es in seinem Zelt auf dem „Mare“ noch gut aus. „Meine Frau ist mit unserer fünfjährigen Tochter heute zum Sea-Life-Aquarium nach Timmendorfer Strand gefahren“, erzählt er. Er liest gerade im Vorzelt eine Fußball-Zeitschrift. „Letzte Woche, bei dem Gewitter, hat es durchgeregnet“, fällt ihm ein. „Da musste ich eine Plane besorgen.“ Jetzt könne man sich wieder wohl fühlen.

Ein paar Meter Luftlinie entfernt sitzen Inge Buttgereit (78) und ihre Schwester Erika Martens (84) aus Buxtehude bei einer Tasse Kaffee und Orangen-Plätzchen im Wohnwagen-Vorzelt zusammen. „Wir haben hier beide einen Stellplatz nebeneinander, seit 13 Jahren schon“, berichten sie. Ihre Männer seien verstorben. „Jetzt machen wir es uns gemeinsam schön. Heute Vormittag haben wir erst mal einen Glühwein getrunken“, sagt Inge Buttgereit. „Den hatte ich noch im Schrank.“ Manchmal machen sie Gesellschaftsspiele, sie lesen viel und abends sitzen sie oft mit Zeltnachbarn bei einem Gläschen Wein zusammen. „Hauptsache, es ist schön warm“, sagt Inge Buttgereit und deutet auf ihren Ofen. „Wir haben hier sogar schon Weihnachten gefeiert.“

Dirk und Katrin Rosenthal (47 und 37) sind mit ihrem Wohnmobil auf dem „Mare“ soeben angekommen. Die Kinder Emma (1) und Max (4) platschen begeistert mit ihren Gummistiefeln in einer großen Pfütze herum. „Die Vorhersage ist: jeden Tag Regen“, meint Dirk Rosenthal ein wenig resigniert. Er hofft, sich dennoch zu erholen und abschalten zu können. Für das Programm ist seine Frau zuständig: „Einen Tag gehen wir in den Zoo, einen Tag ins Grömitzer Schwimmbad. Außerdem haben wir die Räder dabei“, kündigt sie an. Wenn sie vor lauter Regen gar nicht raus könne, wolle sie lesen. „Krimis.“

Die gehen auch in der „Buchhandlung am Meer“ von Gudrun Schlicker (56) in Grömitz am besten. „Bei dem Wetter haben wir viel Zulauf“, sagt sie. „Ich kann nicht klagen.“ Werner Golombek (58) aus dem nordrhein-westfälischen Marl interessiert sich für einen „Ostsee-Krimi“. „Kann ich nur empfehlen“, bemerkt Schlicker.

Auch Postkarten schreiben ist angesagt. „Der Opa in Paderborn freut sich bestimmt über einen Gruß“, ist Birgit Schubel (43) überzeugt, die mit ihrem Mann Markus (45) und Sohn Mark (13) eine Ferienwohnung im Ort hat. Die Grömitzer Einkaufsstraße und die Strandpromenade sind trotz der nassen Witterung sehr belebt, zum Einkaufsbummel tragen viele Gummistiefel und Regenschirm.

Am Strand von Pelzerhaken dagegen bestimmen den ganzen Tag die bunten Segel der Surfer das Bild. Bei Böen der Stärke fünf bis sieben mache es Spaß, sei aber auch „sehr anstrengend, wenn man, wie ich, keine Übung hat“, gibt Ingo Freimann (48), Zahnarzt aus Frankfurt, zu. Philip (14) aus Kiel findet das Surfen im Regen einfach nur cool. Und das Beste: „Das Wasser ist total warm.“

 Marcus Stöcklin

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