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Urlaub ohne Schnappschuss: Erstes Foto-Verbot am Strand

Boltenhagen/Lübeck Urlaub ohne Schnappschuss: Erstes Foto-Verbot am Strand

Es klingt ziemlich absurd: Die Ostseegemeinde Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) hat ein Fotografierverbot am Strand erlassen. Urlauber werden mit Hinweistafeln aufgefordert, mit ihrer Kamera oder ihrem Smartphones keine Bilder zu schießen.

Urlaubserinnerung: Jannis Leonhardt (20) und seine Freundin Carina Biermann (19) aus Hildesheim fotografieren sich in Timmendorfer Strand. Im Ostseebad Boltenhagen gibt es jetzt ein Fotografier-Verbot am Strand.

Quelle: Olaf Malzahn

Boltenhagen/Lübeck. Die Schilder, die neun weitere Dinge am und auf dem Meer verbieten, sind an den Strandaufgängen aufgestellt. „Die Schilder sind ein freundlicher Hinweis, die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte auch am Strand zu respektieren“, rechtfertigt Boltenhagens Kurdirektorin Claudia Hörl die Maßnahme. Touristen zeigen sich irritiert. In Urlaubsorten an der Lübecker Bucht stößt das Fotografierverbot auf Kopfschütteln.

Zum Thema: Sind Fotos am Strand wirklich nicht erlaubt?

Urlauber wollten Strandfotos als Erinnerung für zu Hause, sagt Olaf Dose-Miekley, Tourismusdirektor in Grömitz (Ostholstein). „Das gehört doch zum Urlaub!“ Tolle Strandfotos, die im Netz verbreitet würden, hätten sogar einen idealen Werbeeffekt für seinen Ort. „Bitte bei uns so viel fotografieren wie möglich“, fordert Dose-Miekley deshalb Grömitz-Urlauber auf. Restriktionen wie in Boltenhagen könnten nicht Aufgabe eines Kurbetriebs sein.

Im Übrigen fragt er sich, wie das Verbot geahndet werden soll. „Will man die Kamera oder den Stick konfiszieren?“ Ein Verbot von Filmen und Fotografieren könnte sich Dose-Miekley allenfalls am FKK-Strand vorstellen. „Ein Verbot ist bei uns nicht angedacht“, sagt auch die Timmendorfer Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD). Das Recht am eigenen Bild gewähre ausreichend Schutz.

„Wir werden nicht auf Dinge hinweisen, die für jeden Menschen selbstverständlich sein sollten – nämlich des Anderen Privatsphäre zu wahren“, sagt Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff. „Wo endet das?“ Eine Travemünder Woche oder ein Drachenfest ohne Fotos vom Strand, nein, das könne er sich nicht vorstellen. Im Übrigen habe sich bei ihm noch nie ein Gast beschwert, am Strand zu Unrecht fotografiert worden zu sein.

Boltenhagen verweist auf eine arabischsprachige Broschüre, herausgegeben vom Schweriner Sozialministerium und dem Landestourismusverband. Der Flyer beschäftigt sich mit Baderegeln. Im vergangenen Sommer hatten sich in Heiligendamm Beschwerden über junge Asylbewerber gehäuft, die am FKK-Strand Fotos von unbekleideten Gästen gemacht hatten.

Der Boltenhagener Vorstoß hat in Kiel eine Diskussion angestoßen. „Wir wollen uns mit der Landesregierung zusammensetzen und diskutieren, ob es auch bei uns Anlass für ein solches Verbot gibt“, erklärt Catrin Homp vom Tourismusverband Schleswig-Holstein. Für das Landesmarketing käme ein Verbot zur Unzeit. Die noch junge Kampagne „Glückswachstumsgebiet“ sieht ausdrücklich vor, dass Internetnutzer Bilder im Netz teilen.

„Die Zeit des Fotoalbums ist vorbei“, sagt Barbara Körffer, Vizechefin der Landeszentrale für Datenschutz in Kiel. Immer mehr Menschen stellten ihre Fotos leider unbedarft direkt ins Internet. Dabei sei die unbefugte Veröffentlichung von abgebildeten Personen laut Kunsturhebergesetz strafbar. Sie kann mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Körffer: „Umgekehrt stellt ein Fotografierverbot am Strand einen erheblichen Eingriff in die persönliche Freiheit dar.“

Wer das Fotografierverbot in Boltenhagen kontrollieren soll, ist unklar. Die Strandkorbvermieter lehnen es ab. Die Kurdirektorin rät, die Polizei einzuschalten, wenn man sich durch fremde Fotografen belästigt fühlt.

Von Curd Tönnemann und Kerstin Schröder

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