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Norddeutschland Zehn Jahre Haft für Böllerexplosion auf S-Bahnhof
Nachrichten Norddeutschland Zehn Jahre Haft für Böllerexplosion auf S-Bahnhof
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17:27 29.10.2018
Ein Entschärfer der Polizei untersucht am 17. Dezember 2017 in Hamburg auf dem S-Bahnhof Veddel den Tatort. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa/Archiv
Hamburg

Ein Knall, ein Feuerball, umherfliegende Schrauben: Eine Explosion erschüttert Ende vergangenen Jahres den Hamburger S-Bahnhof Veddel. Dafür muss ein 52 Jahre alter Deutscher nun wegen versuchten Mordes zehn Jahre ins Gefängnis. Der Angeklagte hat nach Feststellung des Gerichts am 17. Dezember vergangenen Jahres eine Plastiktüte mit 73 Schrauben und zwei pyrotechnischen Sprengkörpern auf dem Bahnsteig abgestellt und nach dem Einfahren einer S-Bahn gezündet. Der Feuerball verfehlte einen Passanten nur knapp. Ein Fahrgast im Türbereich der S-Bahn erlitt ein Knalltrauma. Die Scheibe eines Windschutzes ging zu Bruch.

"Bei dieser Tat handelt es sich keineswegs um einen vorgezogenen Silvesterscherz, sondern um einen perfiden und heimtückischen Anschlag auf wehrlose Passanten", sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Dem Angeklagten sei es darauf angekommen, Unbeteiligte zu verletzen, deren Tod er billigend in Kauf genommen habe. "Dass niemand schwere oder tödliche Verletzungen erlitten hat, war letztlich allein einem glücklichen Zufall zu verdanken."

Angeklagte räumt ein, zwei "Polenböller" gezündet zu haben

Zur Last gelegt wurden dem 52-Jährigen ohne festen Wohnsitz außerdem das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. Der Verteidiger hatte sich für eine Freiheitsstrafe von unter zwei Jahren ausgesprochen. Er sah keinen Beleg für einen Tötungsvorsatz. Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte eingeräumt, zwei "Polenböller" gezündet zu haben. Er habe Leute erschrecken, aber niemanden verletzen wollen. Die Staatsanwältin hatte eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert.

Was den Angeklagten zu dieser Tat getrieben habe, habe man nicht sicher feststellen können, sagte die Richterin. "Es gibt kein Motiv für diese feige Anschlagstat." Auch wenn es angesichts der rechtsextremen Gesinnung des Angeklagten nicht fernliege, dass die Tat aus ausländerfeindlichen Motiven heraus begangen worden sei. Konkrete ausländerfeindliche Anschlagspläne hätten nicht festgestellt werden können. Auch wenn auf der Veddel überwiegend Ausländer wohnen, hätte es laut Richterin "jeden treffen können".

Mann litt seit Jahren unter einer Alkoholabhängigkeit

Das Schicksal der Menschen auf dem Bahnsteig sei dem Angeklagten gleichgültig gewesen. Die Tat sei Ausdruck der "dissozialen, mit hoher Aggressionsbereitschaft und Rücksichtslosigkeit einhergehenden Persönlichkeit des Angeklagten". Sie reihe sich ein in eine lange Reihe schwerster Gewalttaten des Angeklagten, der bereits 18 Mal in seinem Leben verurteilt wurde, davon elf Mal wegen Körperverletzung. Wegen seiner jahrelangen Alkoholabhängigkeit sei der Angeklagte trotz eines Blutalkoholwerts von zwei Promille voll steuerungsfähig und nicht beeinträchtigt gewesen.

Der Angeklagte war bereits 1992 wegen der brutalen Tötung eines 53-Jährigen in Buxtehude, der Adolf Hitler als Verbrecher bezeichnet hatte, vom Landgericht Stade zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch danach war er mit ausländerfeindlichen Straftaten in Erscheinung getreten. Insgesamt hat er bereits 18 Jahre im Gefängnis gesessen. Die Richterin sagte, bei einer erneuten Verurteilung müsse er mit Sicherungsverwahrung rechnen.

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