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Usutu-Virus löst Vogelsterben aus

Neumünster Usutu-Virus löst Vogelsterben aus

Erste Verdachtsfälle wurden auch im Norden gemeldet. Vor allem Amseln sind von der Krankheit betroffen.

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Bereits vor fünf Jahren trat die Viruserkrankung vor allem bei Amseln auf.

Quelle: Fotos: Luhr/imago, Neelsen

Neumünster. Naturschützer und Vogelkundler im Norden sind in Sorge: Das Usutu-Virus breitet sich immer weiter aus. Im Westen Deutschlands hat der Erreger 2010 und 2011 bereits Tausende Vögel dahingerafft. Jetzt wurden die ersten Verdachtsfälle auch aus Schleswig-Holstein gemeldet.

LN-Bild

Erste Verdachtsfälle wurden auch im Norden gemeldet. Vor allem Amseln sind von der Krankheit betroffen.

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Das aus Südafrika stammende Virus wird durch Stechmücken übertragen, sagt Jonas Schmidt- Chanasit, Forscher am Bernhard- Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Menschen werde es nur gefährlich, wenn ihr Immunsystem sehr geschwächt ist, wie das zum Beispiel bei Krebspatienten der Fall ist. Auch Hunden oder Katzen mache es nichts aus. Bei Vögeln jedoch führe das Virus sehr schnell zu einem tödlichen Multi- Organversagen. Die Tiere würden zuvor schon apathisch wirken, nicht mehr fliegen können, würden nicht einmal mehr flüchten.

Vor allem Amseln und Eulen sind betroffen. „Vor fünf Jahren gab es durch das Virus erstmals ein Massensterben von Amseln, damals vor allem in Baden-Württemberg, im Saarland und in Rheinland-Pfalz“, sagt Schmidt-Chanasit. In diesem Jahr sei vor allem das Dreiländereck Deutschland-Niederlande-Belgien betroffen. Aber auch aus Sachsen und aus Rheinland-Pfalz seien ihm tote Vögel, vor allem Amseln, geschickt worden, die den Erreger in sich trugen.

Der „Nabu“, der Naturschutzbund Deutschland, berichtet ebenfalls von vielen Meldungen über tote Amseln aus Nordrhein-Westfalen, bestätigten Fällen aus Leipzig und Verdachtsfällen aus Berlin. Das könnte ein Indiz für die Expansion des Erregers sein, „Vögel sind ja sehr mobil“, sagt Ingo Ludwichowski vom Nabu Schleswig-Holstein in Neumünster. Ob sich auch die hiesigen Verdachtsfälle bestätigen, müsse man abwarten. Die Untersuchungen im Nocht-Institut würden noch laufen.

Bislang habe es in Schleswig- Holstein noch keinen Nachweis gegeben, sagt Schmidt-Chanasit. Das müsse aber nichts heißen. Das Virus zeige eine sehr starke Aktivität und trete besonders weitflächig auf. Seit Ende September seien dem Nabu deutschlandweit schon 611 Usutu-Verdachtsfälle gemeldet worden, sagt auch Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Das sei eine bemerkenswert große Zahl im Vergleich zu 400 Meldungen im Herbst 2011 und 1040 Meldungen im gesamten Ausbruchsjahr 2012.

Um die Ausbreitung des Erregers verfolgen zu können, bittet Schmidt-Chanasit die Bürger um Mithilfe. „Wenn uns Krankheitsfälle gemeldet werden, hilft uns das sehr“, sagt der Wissenschaftler. Der Nabu hat auf seiner Internetseite www.nabu.de dafür einen Online-Meldebogen eingestellt. Außerdem gibt es dort eine Anleitung, wie tote Vögel am besten verpackt und direkt zum Bernhard-Nocht-Institut geschickt werden können.

Erkrankten Tieren, die in Garten oder Parks gefunden werden, könne leider nicht geholfen werden, sagt Schmidt-Chanasit. Sie würden in jedem Fall sterben. Auch wenn das Usutu-Virus bei Kontakt mit den Vögeln in der Regel nicht auf Menschen übertragen wird, solle man die Tiere nur mit Handschuhen anfassen. Mit ihrer Meldung könnten Vogelfreunde dann aber immerhin viel zur Erforschung des Virus beitragen. Das sei wichtig, weil der Erreger tatsächlich bedrohlich sei: Bei den bisherigen Ausbrüchen seien die Amselbestände in den betroffenen Regionen um bis zu 90 Prozent dezimiert worden.

Wolfram Hammer

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