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VW: Hunderte Streifenwagen betroffen

Lübeck VW: Hunderte Streifenwagen betroffen

Fast die Hälfte der Dienstfahrzeuge der Polizei im Norden dürfte mit der Schummel-Software ausgestattet sein.

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Der VW-Passat mit Dieselmotor ist der Standard-Streifenwagen der Landespolizei Schleswig-Holstein. Bis zu 535 Autos könnten mit der Schummel-Software unterwegs sein, die Abgaswerte manipuliert.

Quelle: Jens Büttner/dpa

Lübeck. Kiel. Der VW-Abgas-Skandal zieht weite Kreise. Gestern wurde bekannt, dass in Schleswig-Holstein womöglich Hunderte Streifenwagen der Polizei in die Werkstatt müssen. Aber auch das Taxi-Gewerbe im Norden und andere Firmen, die Fuhrparks unterhalten, befürchten Scherereien wegen der in vielen Volkswagen eingebauten Schummel-Software.

Bei der Landespolizei in Schleswig-Holstein dürfte ein großer Teil der Streifenwagen-Flotte von dem Abgas-Skandal betroffen sein. Bei 535 von insgesamt 1346 Fahrzeugen handele es sich um Volkswagen mit Dieselmotor, sagte Sprecher Jürgen Börner auf LN-Anfrage. „Diese werden aktuell anhand der Fahrgestellnummer für einen Abgleich dem VW-Werk übermittelt.“ Ob es Beeinträchtigungen für die Polizei geben werde, wenn Streifenwagen für die Nachrüstung ausfallen, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen. Technische Lösungen würden jetzt geprüft. Während das Kieler Innenministerium für den Fuhrpark der Landesregierung keine Auswirkungen meldet, dürften viele Taxi-Unternehmen im Norden aber „massiv betroffen“ sein, befürchtet Thomas Krotz, Vorsitzender des Taxi- und Mietwagenverbandes.

Ein Großteil der Fahrzeuge in Schleswig-Holstein dürfte mit den 2.0-Liter-Dieselmotoren ausgestattet sein, um die es beim Abgas-Skandal vorwiegend geht. Krotz spricht von „Hunderten Fahrzeugen“, die wahrscheinlich in die Werkstatt müssen. „Wir erwarten aber ganz klar, dass VW für alle Kosten und Folgekosten aufkommt“, betont Krotz. Falle ein Taxi wegen des Werkstatt-Umbaus für mehrere Tage aus, müsse Volkswagen auch Ersatzfahrzeuge zur Verfügung stellen, fordert Krotz.

Firmenwagen dürften gleichermaßen in die Werkstatt müssen: So hat zum Beispiel das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein 42 VWs im Fuhrpark. Welche Konsequenzen man ziehen werde, sei aber noch nicht klar, sagte Sprecher Oliver Grieve.

Die Einschätzung des Automobil-Experten Ferdinand Dudenhöffer, wonach viele VW-Diesel-Fahrzeuge wegen falsch eingetragener Abgaswerte ihre Zulassung verlieren könnten, teilen derzeit aber weder der ADAC noch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg. Natürlich bestehe die Möglichkeit, dass sich mit höheren CO2-Werten die Typklasse eines Autos verändern könnte. „Das hätte dann auch steuerliche Auswirkungen“, erklärte KBA-Sprecher Stephan Immen. An diesem Punkt sei man aber noch lange nicht. „Vorrangiges Ziel ist jetzt, alle 2,4 Millionen betroffenen Fahrzeuge wieder in einen vorschriftsmäßigen Zustand zu versetzen.“ Dazu habe der VW-Konzern bereits einen entsprechenden Plan vorgelegt, der jetzt durch das KBA genehmigt werden müsse. Nach Angaben von VW werde sich die Nachrüstung vermutlich bis Ende 2016 hinziehen.

Manager als Mitwisser?
30 Führungskräfte des Volkswagen-Konzern sollen nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ von den jahrelangen Manipulationen von Abgaswerten gewusst haben. Sie sollen in den Skandal verwickelt sein und nun beurlaubt werden, berichtete das Magazin gestern und berief sich auf Ermittlungen bei der internen Revision sowie der extern zur Aufklärung hinzugezogenen US-Kanzlei Jones Day. Laut „Spiegel“ deuten zudem Indizien darauf hin, dass der Kreis der Mitwisser sogar noch größer sei. Die Quelle dafür wurde jedoch nicht genannt.
Aus Wolfsburg kam umgehend ein Dementi zu den Vorwürfen. „Die Zahl entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte ein Konzernsprecher in einer Stellungnahme zu dem Bericht. Europas größter Autobauer hatte bisher von „Fehlern einiger weniger“ gesprochen und eine „schonungslose“ Aufklärung versprochen.

Oliver Vogt

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