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Norddeutschland Zerstörungswut nicht überall ein Problem
Nachrichten Norddeutschland Zerstörungswut nicht überall ein Problem
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15:17 20.01.2019
Vandalismus - die blinde Zerstörungswut - gibt es in zahlreichen Facetten, dazu gehören auch Graffiti.  Quelle: Stefan Sauer/dpa
Kiel

Ein Schlüsselloch zukleben, das Schul-Klo verstopfen, einen Papierkorb anzünden oder einfach mal mit einem spitzen Nagel sich im Lack eines Autos verewigen: Vandalismus - die blinde Zerstörungswut - gibt es in zahlreichen Facetten.

Doch in der Kriminalitätsstatistik taucht der Begriff „Vandalismus“ nicht auf, wie Torge Stelck vom Landespolizeiamt sagt. „Statistische Daten können daher nur nach den unterschiedlichen Ausprägungen von Sachbeschädigung ausgewertet werden“, erklärt er.

57 Prozent der Taten durch Jugendliche verübt

Diese jedoch „haben mit rund zehn Prozent einen signifikanten Anteil an der bekannten Gesamtkriminalität in Schleswig-Holstein“, sagt Stelck.

Im Jahr 2017 mussten sich die Ermittler im Norden mit insgesamt 21 566 Fällen von Sachbeschädigung beschäftigen - 313 Fälle weniger als im Jahr davor. Für 2018 liegen die Zahlen noch nicht vor.

„57 Prozent der Taten wurden 2017 durch Jugendliche verübt“, sagt Stelck. Zur Prävention geht die Polizei daher in die Schulen. „Dazu werden grundsätzlich zwei Stunden in den fünften und zwei Stunden in den siebten Klassen der Schulen abhängig vom Bedarf der Schulen geleistet“ - in begründeten Fällen auch mehr.

Rathäuser, Kirchen oder Denkmäler werden im Land zwischen den Meeren nur selten Ziel sinnloser Zerstörungswut. „An den Dienstgebäuden unseres Ministeriums haben wir schon seit langer Zeit keinen Vandalismus verzeichnen müssen“, sagt Oliver Breuer vom Justizministerium in Kiel.

Hohe Kosten in Kiel und Flensburg

„Natürlich hat auch die Landeshauptstadt Kiel - wie jede größere Stadt - mit Vandalismus unterschiedlicher Art und Ausprägung zu tun“, sagt Stadtsprecher Arne Ivers. An den durch die städtische Immobilienwirtschaft verwalteten Gebäuden verursacht die Beseitigung von Vandalismusschäden im Schnitt Kosten in Höhe von rund 250 000 Euro jährlich - davon 70 000 Euro für die Beseitigung von Graffiti.

Auch Flensburg muss wegen Vandalismus viel Geld ausgeben. Ein abgefackelter Papierkorb kostet demnach 600 Euro, für eine neue Parkbank summieren sich die Kosten mit Ab- und Aufbau auf bis zu 10 000 Euro, wie Stadtsprecher Christian Reimer sagt.

Die Stadt Neumünster kann in Bezug auf Vandalismus entspannt sein. „Ich habe es grundsätzlich anders erwartet“, sagt der Unternehmenssprecher der Stadtwerke, Niklas Grewe. Doch „es gibt bei uns kein Problem mit Vandalismus.

Sowohl im Busverkehr, dem Schwimmbad oder dem Kundenzentrum, das in der Innenstadt liegt, müssen nur selten Schmierereien entfernt werden.“ Und fügt an: „Es ist schön, dass wir Norddeutschen sorgsam mit unseren Sachen umgehen.“

Lübeck mangelt es an Vergleichsmöglichkeiten

In Lübeck sei das sinnlose Zerstören kein „besonders gravierendes“ Problem, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Mangels konkreter Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Städten bezeichnet sie die blinde Zerstörungswut in Lübeck als „durchschnittlichen“ Vandalismus.

Meist seien es Graffiti. Ziel der Sprayer seien „nahezu alle öffentlichen Einrichtungsgegenstände wie Lichtmasten, Schaltschränke, Verkehrszeichen, Bänke und Papierkörben“, sagt Dorel. „Gleiches gilt für das Bekleben von diesen Gegenständen.“

Seltener würden Geräte auf Spielplätzen demoliert, Schaltschränke zerstört oder Poller in der Innenstadt mutwillig herausgerissen. „Jeder Vandalismus- und Unfallschaden wird von uns zur Anzeige gebracht. In 2018 haben wir etwa 30 Strafanzeigen gestellt, davon jedoch überwiegend wegen Graffiti.“

Vandalismus in Bussen zurückgegangen

Nur in den Linienbussen der Hansestadt ist blinde Zerstörungswut kein Thema. „Seit wir in allen Bussen eine Videoüberwachung haben, ist der Vandalismus sehr deutlich zurückgegangen, so dass das Thema für uns keine Rolle mehr spielt“, sagt Carolin Höhnke von der Stadtverkehr Lübeck GmbH.

Im Kreis Herzogtum Lauenburg geht es eher friedlich zu. „Vandalismus kommt an Eigentum des Kreises zum Glück nur gelegentlich vor“, sagt Kreissprecher Tobias Frohnert. Wenn doch, seien es meist die Beschädigung von Wegweisern im Naturpark Lauenburgische Seen und in den Naturschutzgebieten.

Das Kreishaus in Husum war 2018 lediglich ein einziges Mal Ziel von Vandalismus, weiß Kreissprecher Hans-Martin Slopianka. Damals seien an einem Wochenende zwei Glasscheiben beschädigt worden. „Nicht, dass wir nicht auch unsere Probleme hätten, aber Vandalismus gehört tatsächlich nicht dazu“, sagt auch die Sprecherin des Kreises Steinburg, Britta Glatki.

Im Kirchenkreis Dithmarschen werden aus den Gemeinden jährlich etwa fünf Fälle von Vandalismus gemeldet, sagt Sprecher Frank Zabel. „Das sagt aber nichts über den tatsächlichen Umfang aus: Die Kirchengemeinden müssen uns das nicht melden, weil diese Fälle nicht über uns versichert sind.“

Von RND/dpa

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