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Norddeutschland Augenoptiker verkaufen teure Leistungen in Seniorenheimen
Nachrichten Norddeutschland Augenoptiker verkaufen teure Leistungen in Seniorenheimen
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10:51 14.03.2019
Bewohnern von Seniorenheimen im Norden werden derzeit kostenpflichtige Augenuntersuchungen angeboten. Die Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht. Quelle: Getty
Kiel/Lübeck

Das Unternehmen wirbt nach Angaben der Verbraucherzentrale für Messungen des Augeninnendrucks und der Sehstärke, die bis zu 40 Euro kosten. „Hier wird versucht, mit besonders schutzbedürftigen Menschen Geld zu machen“, kritisiert Joanna Batista von der Verbraucherzentrale. Dazu nutzten die Anbieter die Angst vieler Senioren vor schweren Erkrankungen. Denn die angebotenen mobilen Messungen sollen angeblich dazu dienen, die Entstehung eines Glaukoms (Grüner Star) früh zu erkennen und zu behandeln. Ein hoher Druck kann den Sehnerv schädigen – der Betroffene kann erblinden.

Noch keine Studien zum Nutzen der Früherkennung

„Der Nutzen solch mobiler Augeninnendruckmessungen ohne weitere Untersuchungen ist fraglich“, warnt Batista. Zur Früherkennung eines Glaukoms sollte zugleich auch der Sehnerv untersucht werden. Nach Angaben der Verbraucherzentrale übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür nur dann, wenn besondere Gründe wie Augenschäden durch Diabetes oder Augenverletzungen vorliegen. Bisher liegen keine Studien vor, die den Nutzen einer allgemeinen Früherkennung des Glaukoms untersucht haben.

Mobile Anbieter dürfen nur auf Bestellung zum Kunden

„Die Glaukom-Untersuchung muss vollständig sein. Es reicht nicht, wenn man da nur den Augeninnendruck misst“, bekräftigt Lars Wandke, Sprecher des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA). Tatsächlich gebe es Optiker, die auch zu den Kunden nach Hause kommen. „Das ist vollkommen legitim“, sagt Wandke. Allerdings bräuchten auch die mobilen Anbieter einen Betrieb, der in die Handwerksrolle eingetragen ist. Zudem dürften sie nur auf Bestellung zu den Kunden kommen.

Familienangehörige meldeten sich bei der Verbraucherzentrale

Es ist nicht das erste Mal, dass Firmen versuchen, in Seniorenheimen Geschäfte mit Gesundheitsleistungen zu machen. Schon im vergangenen Jahr war in Schleswig-Holstein ein Unternehmen aufgefallen, das Heimbewohnern bei Hausbesuchen Optikeruntersuchungen und Brillen für mehrere hundert Euro verkauft hatte. Aktuell gibt es Hinweise aus den Kreisen Pinneberg und Schleswig-Flensburg. „Bei uns haben sich Familienangehörige von Betroffenen gemeldet, denen das Angebot aufgefallen war“, berichtet Vivien Rehder, Sprecherin der Verbraucherzentrale.

Lübecker Altenheime bekommen viele Anfragen

In der städtischen Senioren-Einrichtung Behnckenhof in Lübeck ist eine Optik-Firma mit kostenpflichtigen Leistungen bisher noch nicht vorstellig geworden. „Die Firmen müssen sich anmelden“, erklärt Heimleiter Christian Markus. „Darauf achten wir ganz besonders.“ Die Hanse-Residenz in Lübeck setzt auf regionale Anbieter. „Wir arbeiten schon seit zehn Jahren mit ein und demselben Optiker zusammen“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Werdin. Dennoch würden ihn viele Anfragen erreichen – auch von Hörgeräteakustikern und Sanitätshäusern. „Jede Firma, die wir uns ins Haus holen, wird zu Beginn genauestens geprüft.“ Schließlich stehe das Seniorenheim ja als „Empfehler“ zwischen seinen Bewohnern und der Firma.

Unabhängiger Verein

Die Verbraucherzentrale ist ein unabhängiger Verein, der Verbraucher in Sachen Finanzdienstleistungen, Gesundheit, Lebensmittel und Energie sowie Bauen und Wohnen informiert, berät und unterstützt. Hilfe gibt es in den Beratungsstellen und über die Service-Hotline. Dabei werden auch Rechtsverstöße (etwa gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb) durch Abmahnungen und Klagen verfolgt. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat ihren Sitz in Kiel.

Die Verbraucherzentrale rät Heimleitungen und Heimaufsichten, Dienstleister kritisch zu prüfen. Im Zweifelsfall könne ein Anruf bei der Handwerkskammer, beim Gewerbeamt und beim Finanzamt Aufschluss darüber geben, ob der Anbieter dort gemeldet sei.

Julia Paulat

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