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Norddeutschland Verdacht auf neuen Gammelfleisch-Skandal
Nachrichten Norddeutschland Verdacht auf neuen Gammelfleisch-Skandal
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20:15 06.11.2013
Oldenburg

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg geht einem neuen Gammelfleisch- Verdacht nach und ermittelt gegen einen fleischverarbeitenden Betrieb in Bad Bentheim. Es gehe um den Verdacht von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten, sagte ein Sprecher gestern. Das ARD-Morgenmagazin hatte zuvor berichtet, dass der Betrieb tonnenweise Gammelfleisch mit gutem Fleisch vermischt und verkauft habe.

In dem Bericht wird ein ehemaliger Arbeiter der Fabrik mit den Worten zitiert: „Es wird auch Fleisch geliefert, das schon grün ist. Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist, aber dann wird uns gesagt, dass wir es doch verarbeiten sollen, und wir werfen es in die Maschinen.“

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der Betrieb sei im Juni und Oktober insgesamt zweimal durchsucht wurde. „Es wurden Proben genommen und sichergestellt“, sagte er. Ob diese bereits analysiert worden sind, konnte er nicht sagen. Bei den Ermittlungen gehe es vor allem um den Verdacht, dass sogenanntes Separatorenfleisch nicht als solches ausgezeichnet wurde. Separatorenfleisch wird maschinell von den Knochen gelöst und darf nur verwendet werden, wenn die Produkte entsprechend gekennzeichnet sind. „Der Verdacht besteht, dass falsche Veterinärzeugnisse für den Export erwirkt worden sein könnten, in der die Herkunft des Fleischs verschleiert worden ist.“

Nach dem Bericht des ARD-Morgenmagazins soll der Betrieb regelmäßig billiges, schlechtes Fleisch gekauft haben. Zwei ehemalige Mitarbeiter hätten heimlich mit ihren Handys Videos aufgenommen. Als sie ihrem Arbeitgeber illegale Machenschaften vorgeworfen hätten, seien sie gekündigt und bedroht worden.

Für Verbraucher ist es mit bloßem Auge nicht zu erkennen, ob ein Produkt mit verdorbenem Fleisch hergestellt wurde. Bei Frischfleisch könne man sich auf seine Sinne verlassen und prüfen, ob die Ware einwandfrei aussieht und riecht, sagte die Ernährungswissenschaftlerin Sabine Klein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei Wurst seien schlechte Rohstoffe aber gar nicht erkennbar.

„Wurst enthält viele Zutaten wie Gewürze, die abweichende Geschmäcker übertünchen können.“ Die Farbe lasse sich durch Zusätze ebenso beeinflussen. „Und auch Erhitzen verändert den Geschmack.“

Fleisch, das eine erhöhte Belastung mit bestimmten Keimen hat, könne Gesundheitsprobleme verursachen, sagte Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. „Es ist also nicht auszuschließen, dass es dann zu Magen-Darm-Problemen und Übelkeit kommt.“ Ihrer Ansicht nach ist das Risiko, dass man an Ware kommen könnte, die aus dunklen Kanälen stammt, bei Billigfleisch- und Billigwurst-Angeboten höher. Umgekehrt könne man aber nicht sagen: Teuer ist in jedem Fall gut. Das hätten Lebensmittelskandale in der Vergangenheit gezeigt.

Die Verbraucherzentrale ist der Meinung, dass das bestehende Kontrollsystem nicht ausreicht: „Denn ein Skandal folgt dem anderen, das haben die vergangenen Jahre ja gezeigt“, sagte Andrea Schauff. Es bestünden Mängel in den Lebensmittel- und Futtermittelkontrollen. Es bestünden zudem Mängel in den Veröffentlichungen. „Dass, wenn es Verstöße gab, dann immer noch nicht Ross und Reiter genannt werden, dass bestimmte Firmen bekanntwerden. Da haben wir einfach noch große Lücken.“

Die Fraktion der Linkspartei im Bundestag forderte die Bundesregierung auf, eine verbindliche Herkunftskennzeichnung für alle Fleischprodukte einzuführen und die staatlichen Lebensmittelkontrollen auszubauen. „Mit der industriellen Billigfleischproduktion zulasten der Lebensmittelsicherheit und auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher muss Schluss gemacht werden“, teilte die Linken- Verbraucherpolitikerin Karin Binder mit.

Abfälle umdeklariert
Gammelfleisch-Funde haben Verbrauchern schon oft den Appetit verdorben. Im März 2010 bringt der Verkauf von 313 Tonnen Gammelfleisch an Lebensmittel-Händler eine n Unternehmer aus Bayern drei Jahre ins Gefängnis. Er hatte Schlachtabfälle umdeklariert. Im Juli 2008 verurteilte das Landgericht Itzehoe (Schleswig-Holstein) einen Dönerproduzenten wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 1262 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten. Er soll Döner aus nicht zugelassenem Fleisch herge stellt haben.

LN

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