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Norddeutschland Vermisste Familie: Ende der Hoffnung?
Nachrichten Norddeutschland Vermisste Familie: Ende der Hoffnung?
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23:53 31.07.2015
Mitglieder der Feuerwehr und der Spurensicherung bergen die Wasserleiche, die vor der Lauenburger Altstadt im Wasser treibt. Quelle: Fotos: Timo Jann
Lauenburg

Grausiger Fund am frühen Morgen. Ein Spaziergänger, der seinen Hund auf der Promenade der Lauenburger Altstadt Gassi führt, entdeckt in der Nähe des Elbufers einen menschlichen Körper, der mit dem Gesicht nach unten im Wasser treibt. Sofort wählt er mit seinem Handy den Notruf. Wenig später ist es mit der Ruhe am sonst so beschaulichen Elbufer vorbei. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte rücken mit mehreren Einsatzfahrzeugen an, die Promenade wird mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Per Boot nähern sich Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr aus Lauenburg dem im Wasser liegenden Körper.

Doch die Bergung gestaltet sich schwierig: An dem Toten ist mit einem mehrfach um den Körper gewickelten gelben Band ein etwa 25 Kilo schwerer Betonklotz befestigt. Entweder, um eine Leiche dauerhaft im Wasser verschwinden zu lassen, was dann offenkundig nicht funktioniert hat, — oder von dem Verstorbenen selbst gebraucht, um sich in der Elbe zu ertränken.

Die Polizei nimmt nach derzeitigem Stand Letzteres an. Zwar wird im Internet kurz nach Bekanntwerden des Leichenfundes schon wild über einen „Mafiamord“ spekuliert. Anzeichen dafür, dass der Mann durch Fremdeinwirkung zu Tode kam, gibt es aber nicht, wie die ersten Ermittlungen der Polizei am Vormittag ergeben.

Schnell drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass es sich bei dem Toten um Marco S. handeln könnte. Der 41-Jährige sowie seine Ehefrau Sylvia (43) und die zwölfjährige Tochter Miriam sind seit einer Woche aus ihrem Lebensumfeld in Drage spurlos verschwunden. Der 4100-Einwohner-Ort auf der niedersächsischen Elbseite liegt etwa 20 Kilometer flussaufwärts vom Fundort der Leiche.

Den ganzen Tag über suchen Mitglieder der Soko „S.“ die Elbe und das Ufer auch nach Hinweisen auf die Mitglieder der Familie Schulze ab. Boote der Wasserschutzpolizei und der Feuerwehr mit Leichenspürhunden an Bord kreuzen auf der Elbe, in der Luft sind Hubschrauber im Einsatz. Zunächst bleibt die Suche ergebnislos, erst am Abend gibt es eine heiße Spur: An einer Stelle auf dem Wasser unweit der Lauenburger Elbbrücke schlagen Spürhunde an, Taucher werden eingesetzt. Ob sie etwas gefunden haben, bleibt zunächst unklar.

Obwohl das endgültige Ergebnis der Obduktion noch nicht vorliegt, haben die Ermittler zu diesem Zeitpunkt aber schon keinen begründeten Zweifel mehr, dass es sich bei dem am Morgen gefundenen Toten tatsächlich um den vermissten Familienvater handelt. Damit scheinen sich die Hoffnungen vieler, das Drama um die verschwundene Familie könnte doch noch ein glückliches Ende nehmen, endgültig zerschlagen zu haben. Details nennen die Ermittler zwar auch gestern nicht. Es gebe aber sichere Erkenntnisse, dass die Familie nicht einfach auf einen spontanen Urlaubstrip gefahren ist, sondern etwas Ernstes vorgefallen sein muss. So parkten die zwei Autos der Familie nach wie vor an deren Haus. Auch an ihren Arbeitsstellen hatten sich beide nicht abgemeldet. Unbestätigten Informationen zufolge sollen auch die Ausweise aller Familienmitglieder sowie deren Katze im Haus zurückgelassen worden sein.

Doch was wurde aus Sylvia und ihrer Tochter? Die Suche geht weiter.

Oliver Vogt und Timo Jann

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