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Norddeutschland Viel zu wenig Ferienjobs im Norden
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23:21 01.07.2013
Carlotta Wiemer hat einen Ferienjob gefunden, der ihr viel Spaß bringt: Sie verkauft Erdbeeren. Quelle: Foto: Malzahn
Lübeck

Mit einem fröhlichen „Hallo“ begrüßt Carlotta Wiemer ihre Kunden. Souverän und immer mit einem Lächeln im Gesicht verkauft sie am Stand von Karls Erdbeerhof an der Priwallfähre in Travemünde ein Kilo der roten Früchte nach dem anderen. Auch als ein älterer Herr angesichts des Preises plötzlich keine Erdbeeren mehr möchte, bleibt sie vollkommen ruhig und freundlich — es scheint, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Dabei steht die 16-Jährige aus Timmendorfer Strand in diesem Jahr zum ersten Mal in ihrem Leben als Verkäuferin in einer Erdbeere.

Während andere Schüler die sechs Wochen Ferien nutzen, um die Seele baumeln zu lassen, am Strand zu chillen oder sich mit Freunden zu treffen, bringt die angehende Elftklässlerin der César-Klein-Schule in Ratekau vier Tage in der Woche Erdbeeren an den Mann oder die Frau. Von den 199 Verkäufern an den 75 Ständen von Karls Erdbeerhof in Schleswig-Holstein sind insgesamt 23

Schüler. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Uta Reimann, Personaldisponentin bei Karls Erdbeerhof. „Die haben da richtig Lust drauf.“

Dennoch ist das Angebot für Schüler in der Region eher schlecht. „Aktuell haben wir gar nichts“, sagt Olga Nommensen, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Lübeck. Jobs für Jugendliche gibt es laut der Regionaldirektion Nord vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich, im Verkauf und in der Logistikbranche. Doch vor allem Minderjährige haben es schwer, eine Stelle zu finden. „Bevorzugt werden Studenten oder Schüler, die bereits 18 Jahre und älter sind“, sagt Horst Schmitt, Sprecher der Regionaldirektion Nord. „Viele Arbeitgeber erwarten ein Mindestalter von 18 Jahren aufgrund der Arbeitszeitregelungen, manchmal auch wegen des notwendigen Führerscheins.“ Vor allem für Jugendliche unter 18 Jahren wünschten sich die Arbeitsagenturen weit mehr Jobangebote.

Bei Karls Erdbeerhof beträgt das Mindestalter für die Verkäufer 16 Jahre. Carlotta Wiemer ist über eine Freundin auf den Job im Erdbeerstand aufmerksam geworden. Diese Erfahrung hat auch Horst Schmitt gemacht. „Zahlreiche Ferienjobs werden nicht über die Arbeitsagenturen, sondern über Mundpropaganda, die eigene Belegschaft, Online-Job-Börsen und direkte Aushänge in den Hochschulen besetzt“, sagt er. Carlotta wollte etwas mit Menschen machen und „nicht die ganze Zeit drinnen hocken“, erzählt sie. Deshalb hatte sie sich im Mai online für den Job beworben. Ihre Eltern müssen im Sommer arbeiten, die meisten ihrer Freunde sind weggefahren und so nutzte Carlotta die Chance, ihr Taschengeld aufzubessern. „Das kann man immer gebrauchen“, sagt die Schülerin und lächelt — wie so oft an diesem Nachmittag in Travemünde.

Der Job bringt ihr Spaß, das ist ihr anzumerken. „Das Arbeitsklima ist gut und es ist schön, dass es draußen ist.“ Carlotta hat sich in ihrer Erdbeere schnell eingelebt. „Nach fünf Kunden hatte man das Rechnen drauf“, sagt sie. „Und sonst lächelt man eben eine Sekunde länger, während man das im Kopf noch einmal durchgeht.“ Viele würden in den Ferien aber nicht arbeiten. „Die brauchen Erholung von der Schule.“ Die kommt aber auch bei Carlotta nicht zu kurz. „Ich habe ja drei Tage am Stück frei“ , sagt die 16-Jährige. Richtig ausspannen kann Carlotta dann im Herbst-Urlaub. Den hat sie sich wahrlich verdient.

Chance für Unternehmen
Arbeiten in den Ferien: Das hat nicht nur für Schüler etwas Gutes, auch die Unternehmen können davon profitieren. „Angesichts der Situation am Ausbildungsmarkt bieten gerade Ferienjobs den Betrieben die Möglichkeit, für sich selbst zu werben und Kandidaten für offene Ausbildungsplätze schön frühzeitig — während der letzten Schuljahre — zu interessieren“, sagt Horst Schmitt, Sprecher der Regionaldirektion Nord. „Diese Chance wird — trotz des sich stetig verschärfenden Wettbewerbs um Auszubildende — nicht ausreichend genutzt.“

Zahlen, wie viele Schüler in Schleswig- Holstein einen Ferienjob ausüben, werden von der Regionaldirektion Nord nicht zentral gesammelt und zusammengefasst. Auf den Internetseiten der Agentur für Arbeit können sich Schüler unter www.arbeitsagentur.de informieren. Wer einen Job für Schüler hat, kann sich bei der Agentur für Arbeit in Lübeck unter Telefon 04 51/ 58 82 70 melden. Für Studentenjobs gibt es verschiedene Portale wie www.ln-jobs.de/studentenjob-luebeck

Julia Konerding

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