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Viele Computer kaputt: Schulen fordern dringend Unterstützung

Lübeck Viele Computer kaputt: Schulen fordern dringend Unterstützung

Spezialisten fehlen: Oft müssen Lehrer oder Schüler Geräte in der Freizeit reparieren.

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Lehrer Jürgen Runge mit den Schülern Hanno Gödecke (l.) und Lasse Schmidt (beide 17). Die Jungs helfen bei der Wartung der PCs.

Quelle: König

Lübeck. Die Gymnasiallehrer fordern eine professionelle Wartung der Schulcomputer und -netzwerke. Schulen müssten sich weitgehend selbst helfen, während jede größere Firma, jede Kommune und jede Behörde EDV-Experten habe und auf Profis setze, kritisiert der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Derzeit erledigten Pädagogen vielfach in ihrer Freizeit den Computer-Service oder erhielten dafür eine „lächerlich geringe“ Stundenentlastung, sagt Meidinger. Forderungen nach einer flächendeckenden Digitalisierung deutscher Schulen seien daher „wenig realitätsnah“.

„Das ist alles gar nicht zu schaffen.“ Jürgen Runge, Lehrer an der Ernestinenschule

Diese Erfahrungen hat auch Jürgen Runge gemacht, Informatiklehrer an der Ernestinenschule zu Lübeck. Zehn Jahre lang war er für die Wartung der mehr als 100 Schulcomputer und des Netzwerks verantwortlich, vor zwei Jahren gab er die Aufgabe an einen jüngeren Kollegen ab. Dieser ist eigentlich „fachfremd“, ein Physik- und Wirtschaftslehrer. „Er beschäftigt sich aber hobbymäßig viel mit Computern“, sagt Runge. Das sei auch nötig, denn „viele Fortbildungen kann er zu dem Thema nicht machen, weil die vom Land schlicht nicht angeboten werden“.

Rechner reparieren, Stecker und Tastaturen austauschen, neue Software auf die Computer spielen, WLan in den Klassenräumen installieren — es gebe immer eine Menge zu tun. „Das ist alles gar nicht zu schaffen“, sagt Runge. Denn nur eine Stunde pro Woche sei der zuständige Lehrer für diese Arbeiten freigestellt. Unterstützt werde er von einer Arbeitsgemeinschaft, der sechs Schüler angehören. Vor Kurzem sei das Betriebssystem auf den Schulcomputern von Windows auf Linux umgestellt worden. „Da waren alle rund um die Uhr beschäftigt“, berichtet Runge.

Zum Glück gebe es an der Schule immer ein paar Schüler, die richtig Ahnung von Computern haben, sagt Runge. Ab und zu werde bei Problemen auch eine externe Firma engagiert, aber die müsse dann aus dem Schuletat bezahlt werden. Über die Qualität der Rechner selbst gebe es dagegen nichts zu meckern. „Wir haben vor einem Jahr neue PCs bekommen“, sagt Schüler Hanno Gödecke (17). „Und für das, was die Schule damit machen will, sind die absolut in Ordnung.“

Auch Oliver Schäfer, Leiter der Oberschule zum Dom in Lübeck, muss eine Lehrkraft für die Betreuung der Computer in den zwei Fachräumen einbinden. Der Pädagoge ist nicht nur für die Wartung, sondern auch für den Informatik-Unterricht zuständig. „Wenn der ausfällt, bricht hier alles zusammen“, sagt Schäfer. Alles stünde auf wackeligen Füßen. Die Betriebssysteme seien zudem veraltet, die Prozessoren der Computer zu langsam.

Der Mangel an externer Wartung führt laut Philologenverband überdurchschnittlich oft zu Geräte- und Stundenausfall in den Computerklassen. Nach Schätzung des Verbandes seien bis zu 30 Prozent der Computer an den Schulen nicht einsetzbar.

Zuständig für die IT-Administration sind laut Bildungsministerium die 273 öffentlichen Schulträger, also die Kommunen. Nach Angaben des Bereichs Schule und Sport der Hansestadt Lübeck ist die Ausstattung der Schule mit Informationstechnik grundsätzlich Aufgabe des Schulträgers.

Dazu zählen auch die Beschaffung, Installation und Instandhaltung von Hardware und Betriebssystemen. Das Land übernehme die Aufgaben mit pädagogischem Schwerpunkt. Dazu gehört auch die Weiterbildung der Lehrkräfte und IT-Fachleute vor Ort. Eine Vereinbarung über die Zuständigkeiten besteht nur als Entwurf. Es gibt keine standardisierte Form der Betreuung im Land.

Bernd Schauer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schleswig-Holstein wirft dem Schulträger Versagen vor. Die Ausstattung müsse ordentlich unterhalten werden. Die Mehrzahl der Schulen werde in ihrer Not gezwungen, Lehrkräfte für die IT-Betreuung einzusetzen, so der GEW-Geschäftsführer. Der Mehraufwand geht auf Kosten der Schüler. „Die Unterrichtszeit fehlt“, sagt die Landeselternbeiratsvorsitzende Katrin Engeln. Sie fordert, kompetentes Fachpersonal statt teure Lehrkräfte einzusetzen. Wenn Lehrer Zeit mit der Wartung verbringen, könne kein guter Unterricht vorbereitet werden.

Von Beke Zill und Janina Dietrich

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