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Norddeutschland Vogelgrippe: Hausarrest setzt Katzen und ihren Haltern zu
Nachrichten Norddeutschland Vogelgrippe: Hausarrest setzt Katzen und ihren Haltern zu
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11:06 24.11.2016
Claudia Hillenstedt hat ihre Katze „Fussel“ an der Leine. Die Maine-Coon-Katze ist handzahm und geht nur mit Geschirr und Leine vor die Tür. FOTO: MALZAHN
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Lübeck

Neben der Eingangstür warnt ein Schild: „Vorsicht Kampfkatze!“ Die ist zwar leider vor einem Jahr gestorben, trotzdem hat Claudia Hillenstedt aktuell alle Hände voll zu tun. Seitdem im Lübecker Stadtteil Ivendorf bei verendeten Puten die Vogelgrippe nachgewiesen wurde, liegt ihr Haus in Israelsdorf im Beobachtungsgebiet. Haustiere sollen dort nicht mehr frei umherlaufen. Das gilt auch für ihre übrigen drei Katzen.

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Stadt Lübeck kündigt an, keine entsprechenden Kontrollen vorzunehmen.

„Das ist manchmal wirklich kein Spaß“, sagt Claudia Hillenstedt. Vor allem für Kater „Eddie“ sei der Stubenarrest ungewohnt. „Er ist eigentlich immer draußen, kommt ein- bis zweimal am Tag zum Fressen. Manchmal bleibt er auch über Nacht weg“, erklärt sie. „Das ist eine echte Quälerei – für ihn und für uns. Wir kriegen ihn gar nicht beschäftigt.“ Denn das gekaufte Spielzeug sei für eine Freigängerkatze nutzlos. Einzig die Laserpointermaus könne ihn für fünf Minuten ablenken.

Stattdessen rennt „Eddie“ im Haus herum oder sitzt vor den Fenstern. „Ich merke richtig, wie das Tier leidet. Wenn er heult, ist das herzzerreißend“, sagt die Katzenhalterin. „Fussel“ hingegen, eine Maine-Coon-Katze, scheint den Freiheitsentzug richtiggehend zu genießen. „Sie ist handzahm und kommt nur an der Leine raus. Sie kennt das gar nicht anders“, erklärt Claudia Hillenstedt. „Trotzdem ist es schöner, wenn Katzen ein- und ausgehen können, wie sie lustig sind.“

Kater „Findus“ von Familie Benett bleibt auch ohne Hausarrest lieber im Haus. „Er kann mit den Kindern spielen und vor dem warmen Kamin liegen. Er genießt das“, sagt Nikola Benett. „,Findus‘ kommt mit der Situation sehr gut klar. Er macht das Beste draus – genauso wie wir.“

Jennifer Wreth, Tierpflegerin im Lübecker Tierheim, erklärt, dass der Hausarrest für manche Katzen „unheimlichen Stress“ bedeutet. Das könne bis hin zu Aggressionen gegenüber den Haltern führen.

Trotzdem hält sie den Vorstoß des Kieler Umweltministeriums für sinnvoll, um die Vogelgrippe einzudämmen. Das Ministerium hatte angeordnet, dass Hunde und Katzen in Restriktionsgebieten, also sowohl in Sperrbezirken als auch Beobachtungsgebieten, nicht frei umherlaufen dürfen. Auf der Homepage des Ministeriums heißt es dazu: „Diese Tiere erkranken im Regelfall nicht, aber sie können das Virus nach dem Kontakt weiter verbreiten.“ Daher sollte direkter Kontakt mit toten oder kranken Vögeln – auch außerhalb der Restriktionsgebiete – verhindert werden.

Auch die Stadt Lübeck erklärt, dass Halter von Hunden und Katzen sicherzustellen haben, dass diese im Beobachtungsgebiet nicht frei umherlaufen. „Da es sich um ein Gebot und nicht um ein Verbot handelt, werden keine entsprechenden Kontrollen vorgenommen“, betont Stadtsprecherin Valessa Glisovic.

LN-Leserin Sandra Ohlow aus Rohlstorf (Kreis Segeberg) hofft hingegen, dass „der ganze Blödsinn bald ein Ende hat“. Ihre beiden Kater sind ebenfalls Freigänger. „Jetzt brüllen sie uns täglich das Haus zusammen und machen viel kaputt. Unsere beiden Töchter können bei dem Lärm nicht richtig schlafen – und für unsere Kater ist es auch nicht schön.“

Was tun bei toten Vögeln?

Die oberste Regel lautet: Tote Vögel sollte man nicht anfassen. Bei Funden von totem Wassergeflügel sollte man dem nächsten Ordnungsamt Bescheid sagen, erklärt das Kieler Umweltministerium im Internet. Für alle anderen Vögel sollte eine Meldung erfolgen, wenn mehr als drei in nächster Nähe liegen. Offensichtlich überfahrene Vögel müssen nicht gemeldet werden. Die Tiere dürfen nicht in Eigenregie entsorgt werden.

Die Stadt Lübeck bittet hingegen darum, Funde der Feuerwehr unter 0451/1223800 zu melden. Funde im Kreis Segeberg sollten unter 04551/951211 gemeldet werden.

Außerhalb der Geschäftszeiten kann die Rettungsleitstelle informiert werden.

Ein Bürgertelefon wurde zudem von der Landesregierung eingerichtet. Es ist werktags von 9 bis 17 Uhr unter 0431/1606666 erreichbar.

 Jan Dresing

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