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Norddeutschland Vogelgrippe in Europa noch nicht gebannt
Nachrichten Norddeutschland Vogelgrippe in Europa noch nicht gebannt
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21:35 16.08.2017
Während der Vogelgrippe-Epidemie galt für Geflügel eine landesweite Stallpflicht – jetzt dürfen die Tiere wieder draußen herumlaufen. Quelle: Foto: Dpa
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Kiel

In Italien waren Haltungen mit mehreren Hunderttausend Hühnern und Puten betroffen – zuletzt Anfang August ein Bestand in der Region Mantua. Auch unter Wildvögeln, die als größtes Einschleppungsrisiko gelten, ist der Erreger H5N8 weiter präsent. Zuletzt wurde Anfang August in Großbritannien (North Norfolk) ein Höckerschwan positiv getestet.

Deshalb sei davon auszugehen, dass das Virus nach wie vor in der Umwelt vorkomme, sagt die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Elke Reinking. Durch die wärmeren Temperaturen und die stärkere UV-Strahlung im Sommer würden die Viren in der Umwelt schneller inaktiviert. Das Einschleppungsrisiko in Gebieten mit Wildvogel-Nachweisen werde daher nicht mehr als hoch, sondern als mäßig eingestuft. Für Gebiete, in denen es längere Zeit keine Nachweise bei Wildvögeln gegeben habe, könne nicht automatisch auf eine Virusfreiheit geschlossen werden. Trotz der für den Erreger eher ungünstigen Witterungsbedingungen seien auch in Deutschland Vogelgrippefälle im Sommer möglich – wie Ausbrüche von H5N1 im Jahr 2007 belegten.

In Schleswig-Holstein findet deshalb nach Angaben des Umweltministeriums ganzjährig ein Monitoring in Hausgeflügelbeständen und in der Wildvogelpopulation statt, „um neue Einträge frühzeitig zu entdecken“, sagt Sprecherin Jana Ohlhoff. Es ist eine der Maßnahmen, die das Land nach der Vogelgrippe-Epidemie eingeführt hat. 192 Tage sei Schleswig-Holstein von der letzten Ausbruchsphase betroffen gewesen. Anschließend seien intensive Auswertungen erfolgt – auch gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut. Die Ergebnisse würden nun Schritt für Schritt umgesetzt. So sollen beispielsweise künftig auch Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen überprüft werden, sagt Ohlhoff. „Zusätzlich wird intensiv die internationale Lage und Entwicklung beobachtet.“

Begünstigende Faktoren für ein Aufflammen der Epidemie könnten nach Einschätzung des FLI die in den kommenden Monaten niedrigeren Temperaturen und die geringere UV-Strahlung sein. Unter diesen Bedingungen könne der Erreger länger in der Umwelt überleben. Auch die Zugvogel-Aktivitäten nehmen im Herbst wieder zu, so dass der Erreger wieder schneller aus anderen Regionen nach Mitteleuropa getragen werden könnte. Zuletzt war in Deutschland am 9. Mai ein Kleintierbestand mit Hühnern im Kreis Lippe (Nordrhein-Westfalen) positiv getestet worden.

Von November 2016 bis Mitte Mai 2017 wurden in Deutschland 1150 Fälle bei Wildvögeln und 107 Ausbrüche bei gehaltenen Vögeln gemeldet, in Schleswig-Holstein waren es laut Ministerium 120 beziehungsweise fünf Fälle.

Alle Berichte zum Thema Vogelgrippe unter LN-Online.de/vogelgrippe

 jd

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