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Norddeutschland Vogelgrippe weitet sich aus: Geflügelhof in Lübeck betroffen
Nachrichten Norddeutschland Vogelgrippe weitet sich aus: Geflügelhof in Lübeck betroffen
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10:26 11.11.2016
Mitarbeiter des Veterinäramts Plön nehmen in Schutzanzügen Proben von toten Gänsen am Plöner See bei Dersau (Schleswig-Holstein). Es handle sich um die besonders schwere Form der Vogelgrippe H5N8, bestätigte das Landwirtschaftsministerium in Kiel. Quelle: dpa
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Kiel/Lübeck

Es war wohl nur eine Frage der Zeit: Erstmals besteht in Schleswig-Holstein der Verdacht auf Vogelgrippe bei 18 Tieren einer Geflügelhaltung. Das teilte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Donnerstag mit. Betroffen ist ein kleiner Betrieb im Lübecker Stadtteil Ivendorf. Dort waren 18 Puten verendet. Proben der toten Tiere waren positiv auf Influenza-A-Viren des Subtyps H5 (H5N8) getestet worden. Eine endgültige Bestätigung durch das nationale Referenzlabor steht aus. Zuvor war bei toten Wildvögeln, die das Virus offenbar einschleppen, die Geflügelpest nachgewiesen worden.

Der Ivendorfer Geflügelhalter hatte seine Tiere sofort nach Bekanntwerden des Geflügelpestverdachts bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein in den Stall geholt. Zu spät. Seine Frau sagte: „Es ging ganz schnell. Innerhalb von nur zwei Tagen sind alle 18 Puten gestorben.“ Heute nun sollen die verbliebenen 50 Enten und Gänse wie in der Geflügelpestverordnung vorgeschrieben gekeult werden. Der Tierhalter rechnet nach eigenen Angaben mit einem Verlust in Höhe von rund 5000 Euro. Ein Sperrbezirk rund um Ivendorf wird vorbereitet. In einem Radius von drei Kilometern gelten dann besonders strenge Regeln für Tierhalter.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte zu dem Ausbruch: „Das ist eine schlechte Nachricht.“ Die Behörden arbeiteten unter Hochdruck, um die Ausbreitung gering zu halten. Angesichts der hohen Aggressivität des Virus sei die „sehr besorgniserregende Entwicklung“ aber zu erwarten gewesen. Sein Ministerium könne nicht ausschließen, dass es weitere Fälle in Tierhaltungsanlagen gibt.

Für den Kreis Rendsburg- Eckernförde war der Geflügelpestverdacht bei toten Enten bestätigt worden. Für den Kreis Segeberg steht eine offizielle Bestätigung nach dem Fund toter Blesshühner am Stocksee und Reiherenten am Segeberger See aus. Die Einrichtung von Sperr- und Beobachtungsgebieten wird vom Kreis ebenfalls vorbereitet. Gestern Nachmittag traf sich Habeck mit Vertretern der Geflügelwirtschaft. Dort ist die Sorge groß, dass das lukrative Weihnachtsgeschäft in Gefahr ist. Die Landesgeflügelschau Ende November in Neumünster wurde nach Angaben des NDR abgesagt.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ordneten die Behörden Stallpflicht an. Im Nordosten war das erste mit H5N8 infizierte Tier auf der Insel Riems gefunden worden. Weiter östlich wurden Kadaver von Enten und Möwen entdeckt. Das Virus wurde bei 13 Vögeln nachgewiesen. Riems liegt im Bereich der Vogelzugrouten über die Ostsee. In Hamburg hat die Stallpflicht vorsorglichen Charakter.

Von Curd Tönnemann

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