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Norddeutschland Vogelgrippe weitet sich aus - Katastrophenalarm ausgelöst
Nachrichten Norddeutschland Vogelgrippe weitet sich aus - Katastrophenalarm ausgelöst
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18:28 26.01.2017
Die Kreisverwaltung Steinburg hat Katastrophenalarm ausgerufen, um kurzfristig zusätzliches Personal bei Polizei, Feuerwehr und weiteren Hilfskräften heranziehen zu können. Quelle: Danfoto
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Süderau/Kiel

Die neue Virus-Variante der Geflügelpest hat sich weiter ausgebreitet. Inzwischen sind alle vier Haltungen von Schleswig-Holsteins größtem Putenmastbetrieb betroffen, 15 300 weitere Tiere mussten gestern im Kreis Steinburg getötet werden. Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hatten den Erreger des Subtyps H5N5 in der Nacht in Beständen in Grevenkop und Elskop nachgewiesen – zwei kleinen Gemeinden zwischen Itzehoe und Elmshorn.
Der Kreis Steinburg löste daraufhin Katastrophenalarm aus, damit „wir kurzfristig zusätzliches Personal heranziehen können“, erklärt Sprecherin Britta Glatki. Bereits seit Montag sind Polizisten, Feuerwehrleute sowie Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter im Großeinsatz. Denn am Wochenende war in dem Mastbetrieb erstmals die Vogelgrippe ausgebrochen – allerdings in zwei räumlich entfernten Haltungen mit insgesamt 18 400 Puten.
„Wir befinden uns in einer absoluten Ausnahmesituation“, sagt Glatki. Absperrungen müssten rund um die betroffenen Anlagen errichtet und Desinfektionsschleusen aufgebaut werden. Da sei jede Unterstützung nötig. Viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind derzeit im Dauereinsatz. Andere helfen ehrenamtlich und müssen dafür von ihrer „richtigen“ Arbeit freigestellt werden, zum Beispiel die Feuerwehrleute. „Für zwei Tage ist das kein Problem“, sagt die Kreissprecherin. „Aber inzwischen sind es schon deutlich mehr.“ Auch um diesen Menschen Rechtssicherheit zu geben, habe sich die Behörde dazu entschlossen, den Katastrophenalarm auszulösen. Er gilt vorerst bis Sonntag.
Unterstützung gebe es auch von fünf Veterinären aus den Nachbarkreisen sowie mehreren niedergelassenen Haustierärzten. Denn die Steinburger Kreisveterinäre seien bereits alle auf den infizierten Höfen gewesen und dadurch „quasi verbrannt“. Sie dürften aus Sicherheitsgründen nicht mehr für Untersuchungen auf neue „Verdachtshöfe“ geschickt werden. „Die Ärzte haben sich zwar alle desinfiziert, aber wir wollen momentan auch die kleinste Gefahr ausschließen, dass sich das Virus weiter verbreitet“, sagt Glatki.
Denn der neue Subtyp H5N5 scheint hoch aggressiv zu sein. Allein in der ersten Putenhaltung im Kreis Steinburg sind laut Landwirtschaftsministerium in Kiel innerhalb von 48 Stunden mehr als die Hälfte der 3400 Tiere an der Krankheit gestorben. „Dass wir ein neues Virus haben, alarmiert“, sagt Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Er befürchtet, „dass wir am Beginn einer neuen Welle stehen“. Der neue Subtyp war zuvor in noch keiner anderen europäischen Tierhaltung festgestellt worden.
Unklar ist weiterhin, wie das Virus in den Kreis Steinburg gelangt ist. Ein Experten-Team des Friedrich-Loeffler-Instituts soll nun im Auftrag des Landes die Ursache klären. Dabei sollen laut Ministerium verschiedene Eintrags- und Verbreitungswege untersucht werden, zum Beispiel Einstreu, Futter, Handels- und Transportwege sowie eine mögliche Übertragung durch Wildvögel. Denn Habeck zufolge sind die Putenställe des Betriebs an der Seite offen.
Bei Menschen wurden laut FLI bisher noch keine Infektionsfälle mit dem Virus-Typ H5N5 festgestellt – genauso wie beim bisher aufgetretenen Erreger H5N8.

Von Janina Dietrich

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