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Norddeutschland Voll im Trend: Babyspaß unter und über Wasser
Nachrichten Norddeutschland Voll im Trend: Babyspaß unter und über Wasser
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09:49 10.11.2013
Emilia (4 Monate) übt mit Mama Beatrice das Tauchen. Unter Wasser hält sie die Luft an, öffnet die Augen und strampelt Richtung Licht. Quelle: Fotos: Maxwitat (2), Richter (1)
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Lübeck

Emilia strampelt in ihrer Hello-Kitty-Badewindel im Wasser und patscht mit den Händen. Mama Beatrice French zieht sie in kreisenden Bewegungen durch das Schwimmbecken. Plötzlich hebt sie ihre Tochter mit Schwung aus dem Wasser über den Kopf. Emilia jauchzt und gackert vergnügt.

„Sie ist eben eine richtige Wasserratte“, sagt Beatrice French über ihre viereinhalb Monate alte Tochter. Beide nehmen das vierte Mal am Aqua-Fitness-Training für Babys im Lübecker Therapiezentrum am Behnckenhof teil. „ Emilia ist seitdem viel agiler“, sagt die 29-Jährige. Sie könne sich schon alleine umdrehen, wenn sie auf einer Decke liegt. „Das können nur wenige Kinder in ihrem Alter“, glaubt French und führt das auf das Training zurück. Babyschwimmkurse stehen seit ein paar Jahren bei Eltern hoch im Kurs und finden auch in Lübeck immer mehr Zulauf: „Mittlerweile sind wir mit insgesamt zwölf Schwimmkursen in der Woche und mit 210 Kindern im Monat am Rande unserer Kapazitäten“, sagt Dorte Niehus, Vize-Direktorin der Lübecker Schwimmbäder.

Ab der sechsten Lebenswoche können Babys und Mütter mit dem Training anfangen. „Bestimmte Übungen fördern den Muskelaufbau und die Bewegungsfähigkeit der Babys“, sagt die 45-Jährige. Beispielsweise sei das Herausheben aus dem Wasser Powertraining für die Säuglinge, glaubt Niehus, weil die Kinder für kurze Zeit Bauch-, Rücken- und Beinmuskulatur anspannen. Laut Kursbeschreibung fördert das Babyschwimmen die ganzheitliche Entwicklung des Kindes. Das Wasser biete eine Vielzahl von Reizen, wodurch die Nerven besser und schneller ausgebildet würden. Auch das Immunsystem sei stärker als bei „Landbabys“. Zudem zeigen die Erfahrungen der Mütter, dass „Wasser-Babys“ besser und schneller laufen und schwimmen lernen. „Das sind Eindrücke. Aber es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Schwimmkurse die frühkindliche Entwicklung fördern“, sagt Manuel Schmid, Oberarzt an der Uni-Klinik in Ulm.

Eine weitere Übung beim Babyschwimmen ist das Untertauchen der Säuglinge. „Dies trainiert den angeborenen Atemschutzreflex, was im Ernstfall vielleicht den Tod durch Ertrinken verhindern kann“, sagt Niehus. Doch auch dieser Annahme widersprechen Wissenschaftler: „Es gibt keinen Beweis, dass früher Wasserkontakt vor Ertrinken im Kindesalter schützt“, entgegnet Schmid. Er halte diese Übung sogar für gefährlich, denn der Atemschutzreflex sei nicht bei allen Kindern stark ausgebildet.

„Das Risiko ist klein, aber nicht gleich null, dass die Kinder doch Wasser schlucken“, sagt er. Darüber sollten Eltern sich im Klaren sein. Schmid behandelte im September 2011 ein sechs Wochen altes Baby, das in einem Ulmer Schwimmbad im Rahmen eines Babyschwimmkurses untergetaucht wurde und fast ertrunken wäre. Bisher deutschlandweit ein singuläres Ereignis. „Gegen Schwimmkurse ohne Untertauchen ist aber medizinisch kaum etwas einzuwenden“, sagt der Oberarzt.

Trotzdem gibt er zu bedenken, dass dieser Trend Ausdruck eines starken Leistungsdenkens in unserer Gesellschaft sei. Dorte Niehus kennt den Vorfall, sagt aber, dass die Trainer im Therapiezentrum zuerst mehrmals jedes Baby mit einem Eimer Wasser übergießen, um den Reflex zu testen. „Wenn das Baby dann nicht die Luft anhält, ist das weitere Tauchtraining kein Thema“, beruhigt sie. Die Eltern würden im Therapiezentrum über die Risiken informiert. Kinder, die an der Übung keinen Spaß haben, bräuchten sie nicht zu machen.

Emilia hat sichtlich Spaß dabei. Als Mutter Beatrice sie für Sekunden unter Wasser taucht, hält sie die Luft an, macht die Augen auf und strampelt Richtung Oberfläche. Nach dem Auftauchen strahlt sie ihre Mama an.

• Ein Video zum Babyschwimmen finden Sie auf LN-Online.de

Immer mehr Zulauf für Babyschwimmkurse
2004 boten Katja Pollex und Dorte Niehus das Aqua-Training in Lübeck erstmals an. Im ersten Jahr nahmen 440 Babys an zwei Schwimmkursen in der Woche teil. Im letzten Jahr kamen schon 2500 Säuglinge mit ihren Müttern zum Aqua-Training. Derzeit nehmen jeweils acht bis zehn Babys an einem der zwölf Kurse teil. Sie finden dienstags und donnerstags im Therapiezentrum am Behnckenhof ab 9 Uhr statt. Kursleiter Katja Pollex und Christian Möller, beide Bademeister mit Trainerschein für Aqua-Fitness für Babys, trainieren im 33 Grad warmen Wasser. 30 Minuten Wasserzeit kosten neun Euro.

Janine Richter

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