Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Vorfall im Sophienhof: Junge Afghanen entlastet
Nachrichten Norddeutschland Vorfall im Sophienhof: Junge Afghanen entlastet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 29.04.2016
Sie sind erleichtert: die Afghanen Obeydallah (26, l.) und Bahridin (19) A. aus Felde — hier mit Bruder Jawid (15, M.). Quelle: Torsten Müller
Anzeige
Kiel/Felde

 Sie waren zunächst verdächtigt worden, sich an den Belästigungen der Mädchen im Einkaufszentrum beteiligt zu haben. Doch der Anfangsverdacht hat sich nicht erhärtet. Anders sieht es im Fall der beiden 17-jährigen Afghanen aus Kiel-Gaarden aus. Den mutmaßlichen Haupttätern wird weiterhin vorgeworfen, dass sie die jungen Frauen zunächst belästigt und sich dann der Polizei widersetzt haben. Über eine Anklage wird voraussichtlich Mitte Mai entschieden.

Obeydallah A. (26) und sein Cousin Bahridin A. (19) aus Felde, die nun entlastet sind, äußerten sich erleichtert über die Nachricht aus Kiel. „Wir sind so froh, dass es in Deutschland nicht wie in Afghanistan zugeht. Hier wird die Gerechtigkeit geachtet“, sagte Obeydallah. Aufgrund der Strafanzeige wurde, wie berichtet, bereits am Tag nach den Ereignissen im Sophienhof das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Neumünster benachrichtigt, das daraufhin das Asylverfahren gegen die beiden Männer aus Felde beschleunigt bearbeitet hat. Bereits am 9. März wurden die Asylanträge abgelehnt.

Die gesamte sechsköpfige Familie A. war am Mittwoch um 8 Uhr zur Anhörung beim BAMF in Neumünster erschienen — an dem Termin also, der für die Familie lange vor den Ereignissen im Einkaufszentrum vereinbart worden war. Ein Betreuer aus Felde hatte sie dorthin gebracht. Obeydallah A. und sein Cousin Bahridin A. haben mittlerweile Klage gegen die Ablehnung ihres Asylantrags und die Ausreiseverfügung eingereicht, die ihnen nach der vorgezogenen Anhörung zugestellt wurde. Eine kurzfristige Abschiebung steht nicht mehr im Raum. Zumal nach Medienberichten auch der Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer, eine Duldung in Aussicht gestellt hat. Der dritte Afghane, gegen den die Ermittlungen jetzt eingestellt worden sind, stammt aus Husum.

„Wir sind mit Angst aus Afghanistan geflohen und hatten jetzt erneut große Angst, abgeschoben zu werden“, sagten Obeydallah und Bahridin. Sie seien dankbar für die Unterstützung, die sie erfahren haben. „Wir sind schon als Kinder mit Krieg und Gewalt groß geworden“, berichtete Obeydallah. Ihr Vater sei von den Taliban umgebracht worden. Bruder Jawid (15) lernt mit Deutsch bereits seine fünfte Sprache. Obeydallah und Bahridin wollen unbedingt arbeiten.

Von Kristian Blasel und Torsten Müller

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige