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Norddeutschland Vorsicht: Wespen auf Zuckerjagd
Nachrichten Norddeutschland Vorsicht: Wespen auf Zuckerjagd
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21:10 07.08.2015
Der August ist Wespenzeit. Ihre letzten Lebenswochen, in denen sich die Insekten nicht mehr um ihre Brut kümmern müssen, verbringen sie mit der Suche nach süßer Nahrung. Quelle: Fotos: Daniel Karmann/dpa, Wolfgang Maxwitat (3)
Lübeck

Jetzt brummen sie wieder. Und das in ziemlich großer Zahl. Die Wespensaison hat im Norden begonnen. Kaum eine gemütliche Kaffeetafel im Freien, die derzeit nicht durch die gelb-schwarzen Insekten mit den gemeinen Stacheln verleidet wird.

„Dabei geht das jetzt eigentlich erst richtig los mit den Wespen“, sagt der Lübecker Schädlingsbekämpfer Jörg Kinscher. Zehn Mal täglich wird er derzeit von Hausbesitzern gerufen, um Wespennester zu entfernen — sehr viel mehr als im vergangenen Jahr. „In diesem Sommer könnte das heftig werden“, prognostiziert der Kammerjäger.

Wespen waren aber schon das ganze Jahr über da, stellt Carsten Pusch, Insektenexperte beim Naturschutzbund Schleswig-Holstein, klar. „Bisher sind sie aber niemandem so richtig aufgefallen, weil sie mit ihrer Brut beschäftigt waren.“ Vorzugsweise hätten sich die Tiere bislang vor allem für Fleisch in Form von Raupen und anderen Insekten interessiert, um sie an ihre Larven zu verfüttern. Im Gegenzug revanchieren sich die Larven bei den Arbeiterinnen mit einem Zuckersekret. Mit dem Ende der Brutzeit sei es aber mit der Zuckerversorgung im Nest vorbei. Daher gingen die Tiere woanders auf die Suche nach Süßem. Und wenn Fallobst gerade nicht verfügbar ist, tut es auch die Kirschtorte. Wegen der vorherrschenden Witterung seien die Tiere zudem etwas unleidlich. „Den Wechsel von Tief- und Hochdruckgebieten mögen sie gar nicht, da werden sie aggressiv“, sagt Pusch.

Alles sei aber halb so wild, denn: „Ein Großteil der Wespen, die jetzt unterwegs sind, können gar nicht stechen“, erklärt der Insektenexperte. Nur die weiblichen verfügten überhaupt über einen Stachel.

Eine „Wespenplage“ kann Pusch bislang nicht erkennen, 2015 sei eigentlich überhaupt kein gutes Insektenjahr. Der milde Winter habe den Tieren im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung eher geschadet als genutzt. Mildes, feuchtes Wetter führe dazu, dass die überwinternden Wespen von Pilzen befallen werden und absterben. Mit Kälte kämen sie besser zurecht.

Geplagt fühlen sich die Menschen aber dennoch. Am Fruchtsaftausschank „Apfelsinchen“ in der Lübecker Innenstadt sind Betül Yeter und ihre Kollegin Eileen Jänicke jedenfalls schon ziemlich genervt.

Das leckere, aufgeschnittene Obst in der Auslage zieht die Insekten magisch an. „Wir mussten hier schon einige umlegen“, sagt Betül Yeter und wedelt mit ihrem Handtuch. Gift sei natürlich tabu. Auch Obsthändler Halil Erdogan fühlt sich von den Schwirrern belästigt, vor allem auf Süßkirschen scheinen die Wespen zu fliegen. Der Regen habe zwar etwas Erleichterung gebracht. „Aber wenn die Sonne scheint, ist hier alles voll mit den Viechern.“

Tipp vom Experten Carsten Pusch: „Nicht nach ihnen schlagen. Dann setzen sie Alarmpheromone frei, die andere Wespen erst anziehen. Besser ruhig bleiben und die Tiere sanft wegschieben.“

„Jetzt geht es mit den Wespen erst los.“
Jörg Kinscher, Kammerjäger

Oliver Vogt

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