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Norddeutschland Vorstoß aus Kiel gescheitert: Museumssegler vor dem Aus?
Nachrichten Norddeutschland Vorstoß aus Kiel gescheitert: Museumssegler vor dem Aus?
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20:51 17.02.2017
Rudolf Martens an Bord der „Krik Vik“ im Lübecker Museumshafen. Früher war sie ein dänisches Fischereifahrzeug. Quelle: LUTZ ROESSLER
Berlin/Lübeck

 Trotz massiver Kritik werde die Verordnung nun unverändert der EU-Kommission in Brüssel vorgelegt, kündigte Dobrindts Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) im Bundestag an. Sie solle „vor Beginn der Sommersaison in diesem Jahr in Kraft treten“.

Allein im Lübecker Museumshafen seien mindestens fünf von 20 Schiffen von den Neuerungen betroffen, sagte Hafenmeister René Gies. „Es betrifft die Schiffe, die für Geld Passagiere mitnehmen.“ Dazu gehört der Traditionssegler „Fridthjof“. Die Einhaltung der geplanten Sicherheitsvorschriften sei mit hohen Kosten verbunden und technisch teilweise gar nicht möglich, erklärte Lutz Kirsten vom Verein „Galeasse Fridthjof e. V.“

Auch die Ansprüche an die Crew steigen: Ältere Mitglieder könnten den neuen Gesundheitskriterien nicht mehr genügen, fürchtet Kirsten. Nachwuchs zu finden werde aufgrund der geforderten Qualifikationen noch schwerer. „Entweder Dobrindt lässt noch einmal mit sich reden, oder wir müssen unser Schiff stilllegen.“

Nikolaus Kern vom Dachverband für deutsche Traditionsschiffe (GSHW) sieht das Aus für 90 Prozent der mit Passagieren fahrenden Traditionssegler kommen. In ganz Deutschland gebe es nur 110, alle an Nord- und Ostsee. „Unser maritimes Erbe geht verloren.“

Alle Vermittlungsvorschläge seien gescheitert, bedauert Kern. Auch der Beschluss des Bundesrates von letzter Woche, der auf Antrag Schleswig-Holsteins eine Überarbeitung der neuen Vorschriften unter Einbeziehung der Dachverbände verlangt hatte, findet keine Berücksichtigung.

„Meine Vorstellung von Zusammenarbeit sieht anders aus“, kritisierte Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) in Kiel. „Dass der Bundesverkehrsminister jetzt eine Verordnung auf Biegen und Brechen durchsetzen will, ist mir völlig unverständlich.“

Auch Birgit Malecha-Nissen, SPD-Schifffahrtsexpertin im bundestag, forderte, „überzogene Vorschriften“ dürften „nicht den künftigen, überwiegend im Ehrenamt erfolgenden Betrieb der Traditionsschiffe im Bestand gefährden“.

Ferlemann begründet das Vorgehen mit der Sorge um Passagiere, wie Schulklassen, Seniorengruppen oder Gästen von Geburtstagsfeiern. Aufgrund der niedrigen Unfallzahlen sei dies aber nicht haltbar, kontern die Skipper.

Von Marcus Stöcklin und Reinhard Zweigler

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