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Norddeutschland WCs für die Kunden: Läden rüsten auf
Nachrichten Norddeutschland WCs für die Kunden: Läden rüsten auf
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23:38 23.01.2016
Citti-Park-Mitarbeiterin Natalia Buczek (24) putzt den Spiegel im Kunden-WC. Die Toiletten werden stündlich überprüft. Quelle: Fotos: Zill, Roeßler, Fotolia

Kundin Andrea Tornow hat Glück: Sie wohnt in der Lübecker Innenstadt und hat es deshalb beim Einkaufen nicht weit nach Hause. Viele andere Menschen haben es schwerer. Sie schauen sich beim Bummel oft vergeblich nach einem stillen Örtchen um. In Schleswig-Holstein kämpfen die Seniorenbeiräte schon lange für eine landesweite WC-Pflicht in Einkaufsmärkten.

Aldi Süd rüstet unterdessen bereits auf. Kundentoiletten gehören zu einer Service-Offensive der Supermarktkette, zu bewundern im Markt in Kirchseeon bei München. Die Filiale bietet schmeichelndes Licht, schimmernde Fliesen, Wände in Holzoptik, Hintergrundmusik, einen elektronischen Rezeptberater, einen Kaffeeautomat mit Sitzbank hinter der Kasse — und eine Kundentoilette mit Wickeltisch. Auch wenn nicht alle Neuerungen aus den Testmärkten Eingang in die übrigen Filialen finden dürften: Der Trend ist unübersehbar. Aldi Nord nehme seit 2012 „eine konsequente Modernisierung des deutschen Filialnetzes“ vor. Auf WCs müssen die Kunden aber verzichten. „Aktuell gibt es keine Kundentoiletten bei Aldi Nord“, sagt Sprecherin Serra Esatoglu.

Für Einkaufscenter wie zum Beispiel den Citti-Park Lübeck gehört ein WC dazu. „Es ist für uns einfach ein sehr wichtiger Service für den Kunden, Toiletten mit einer netten Atmosphäre anzubieten“, sagt Sascha Warnkens, Centermanager vom Citti-Park, „denn jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn man eine Toilette sucht und keine findet.“ Auch in der Königpassage in der Lübecker Altstadt finden die Kunden eine großzügige Toilettenanlage. „Unabdingbar. Eine Toilette gehört in jeden Verbrauchermarkt“, sagt Norbert Herrmann, Vertreter der Eigentümer der Königspassage. Es sei ein Riesenproblem, wenn keine WCs vorhanden sind, egal für welche Altersgruppe.

Eine gesetzliche WC-Regelung gibt es für den Einzelhandel — im Gegensatz zur Gastronomie — bisher in Schleswig-Holstein nicht. Der Handelsverband Nord sieht bei diesem Thema auch keinen Handlungsbedarf. Denn: „Der Aufwand, eine Toilette sauber und intakt vorzuhalten ist hoch — für einige Unternehmen zu hoch“, sagt Geschäftsführerin Monika Dürrer. „Das kommt sehr auf die Lage des Geschäftes und die Frequenz an.“

Dennoch würden viele Händler inzwischen Kundentoiletten anbieten oder planten sie insbesondere bei Um- und Neubau von Geschäften mit ein — auch wenn solche WCs eine Verkleinerung der Verkaufsfläche bedeuteten. „Das ist Service in Zeiten des demografischen Wandels — eine positive Abhilfe für die im Alter leider schwächer werdenden Blasen sozusagen, aber zum Beispiel auch ein Rettungsanker für Mütter, die mit quengelnden Kindern unterwegs sind“, sagt Dürrer.

Doch den Seniorenbeiräten des Landes sind solche Initiativen noch nicht genug. Seit mehreren Jahren kämpfen die Vertreter schon dafür, dass ab einer Größe von 800 Quadratmeter Verkaufsfläche ein Kunden-WC landesweit Pflicht wird — so wie es beispielsweise seit Oktober 2014 in Berlin für Supermarkt-Neubauten vorgeschrieben ist. Angesichts des demographischen Wandels seien immer mehr ältere Menschen betroffen, heißt es. Laut Ekkehard Krüger, Vorsitzender des Seniorenbeirats in Flensburg, hat das Altenparlament bereits 2014 einen Antrag bei der Landesregierung gestellt, die Landesbauverordnung dementsprechend zu ändern. Die Reaktionen darauf sind laut der Parlaments-Dokumentation von allen Parteien — bis auf die CDU — positiv ausgefallen. Trotzdem ist bisher nichts passiert. „Nach Überzeugung des Seniorenbeirats ist es wirklich skandalös, dass sich außer uns niemand wirklich aktiv dafür einsetzt“, sagt Krüger. Was das Kieler Ministerium plant, ist unklar. Es sah sich nicht in der Lage, über das Thema Auskunft zu geben.

Lena Modrow und Beke Zill

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