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WLan bald auch in allen Regionalzügen

Kiel WLan bald auch in allen Regionalzügen

Bahnfahren in Schleswig-Holstein wird attraktiver. In den Regionalzügen soll absehbar drahtloses Internet (WLan) empfangbar sein. Derzeit laufen still und heimlich Tests auf mehreren Strecken im Norden.

An einem ICE wird für einen WLan-Zugang (Hotspot) geworben. Bis Jahresende soll dort drahtloses Internet in der Zweiten Klasse zur Verfügung stehen. Auch die Regionalbahnen werden umgerüstet.

Quelle: Fotos: Jensen/dpa, Roeßler

Kiel.  Auf der Verbindung Hamburg–Westerland können Bahnkunden bereits vom Jahresende an auch in der zweiten Zugklasse kostenlos surfen. Die DB Regio der Deutschen Bahn hatte die Ausschreibung für diese Strecke jüngst gewonnen, die Schaffung von WLan war Bedingung. Das teilte der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH) mit. Nach Auskunft des Kieler Verkehrsministeriums soll WLan in der nächsten Ausschreibung auch für das Netz Ost auf den Strecken rund um Lübeck vorgegeben werden. Spätestens 2018/19 würde dann drahtloses Surfen in den Regionalbahnen zwischen Hamburg und Lübeck möglich sein.

„Die Deutsche Bahn führt in unserem Auftrag derzeit Testfahrten für WLan mit einem Triebwagen vom Typ Lint durch“, erklärt Bernhard Wewers, Geschäftsführer von Nah.SH. Man erhoffe sich davon Erkenntnisse zur Netzabdeckung. Größtes Problem nämlich seien die schwarzen Löcher in der Abdeckung. „Alle Netzbetreiber haben prioritär ihre Versorgung an den Autobahnen ausgebaut“, beklagt Wewers.

Weitere Tests und Pilotprojekte sind in Vorbereitung. „Nach und nach“ sollen alle Bahnnetze WLan-tüchtig werden.

DB-Chef Rüdiger Grube hatte unlängst angekündigt, dass Bahnreisende spätestens Ende 2016 in allen ICE-Zügen auch in der Zweiten Klasse einen kostenfreien Internet-Zugang erhalten. Aus dem Bundesverkehrsministerium hatte es einen „sehr deutlichen Hinweis“ an die Länderminister gegeben, auch den Regionalverkehr aufzurüsten. Denn für Regional- und S-Bahnen legen nicht Verkehrsunternehmen wie die Deutsche Bahn, sondern die Bundesländer und ihre Verkehrsverbünde das Angebot für Fahrgäste fest.

„Wir halten es für überaus sinnvoll, Nahverkehrszüge mit WLan auszustatten“, sagt Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD), „wollen das zum Standard machen.“ Ein Aber bleibt. „Dabei müssen wir natürlich gemeinsam mit den Eisenbahnunternehmen im Blick behalten, was das kostet.“ Investitionen in technische Neuerungen konkurrierten immer auch mit anderen Angebotsverbesserungen. Bislang zeigen die Verkehrsunternehmen wenig Interesse, sich finanziell zu engagieren. Damit würde allein das Land auf den Kosten – Höhe noch unbekannt – sitzenbleiben. WLan in Zügen ist etwas komplizierter als auf Bahnhöfen oder in Bussen. Die eingesetzte Technik darf die übrige Elektronik nicht beeinträchtigen und muss vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen werden.

Der Fahrgastverein Pro Bahn begrüßt die geplante Angebotserweiterung. „Reisezeit ist für viele auch Arbeitszeit, gerade für Pendler“, sagt Birger Wolter, Sprecher vom Pro-Bahn-Landesverband. Wichtig sei, dass das Angebot kostenlos bleibe. Bahn-Chef Grube knausert. Er will das kostenlose Internet in seinen ICE an eine Bedingung knüpfen: Ab einem bestimmten Datenvolumen wird der Kunde darüber informiert, nur noch in langsamerer Geschwindigkeit surfen zu dürfen oder zahlen zu müssen.

Stadtverkehr Lübeck und Lübeck-Travemünder-Verkehrsgesellschaft (LVG) bieten seit vergangenem Herbst Gratis-Internet in allen Bussen an – vor allem um jüngere Kundschaft anzulocken. In Hamburg testet die Hochbahn kostenfreie Internet-Zugänge derzeit in der Metrobuslinie 5 und an zwei Haltestellen. „Kundenreaktionen, Zugriffszahlen und abgerufenes Datenvolumen deuten auf einen sehr guten Zuspruch“, sagt Hochbahn-Vorstandschef Henrik Falk.

Hotspots auf Bahnhöfen existieren in Schleswig-Holstein bislang nur in Lübeck und Kiel. Man schaue sich das Nutzungsverhalten der Kunden dort genau an, sagt eine Bahnsprecherin zum Ausbau.

Umfrage unter Fahrgästen

62 Prozent der Fahrgäste von Bahn und Regionalbussen sowie im Stadtverkehr von Lübeck, Flensburg und Neumünster besitzen ein Smartphone oder Tablet, 28 Prozent ein anderes Handy. Im Regionalverkehr beträgt der Anteil von Smartphone-Besitzern mit Datenflat 58 Prozent. Das ergab im Dezember 2015 eine Umfrage von Omnitrend für Nah.SH unter 1050 Fahrgästen. 39 Prozent der Fahrgäste nutzen ihr Smartphone mindestens eine Stunde täglich für Internetdienste. 34 Prozent aller Fahrgäste halten schnelles und mobiles Internet für wichtig oder sehr wichtig. Im Regionalverkehr liegt dieser Anteil noch um zehn Prozentpunkte höher. Lediglich neun Prozent der Befragten wären bereit, für WLan-Nutzung zu zahlen.

 Curd Tönnemann

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