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Norddeutschland Wal-Bergung: Bleibt Kiel auf den Kosten sitzen?
Nachrichten Norddeutschland Wal-Bergung: Bleibt Kiel auf den Kosten sitzen?
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21:24 15.02.2016
Besucher betrachten am 03.02.2016 tote Pottwal hinter dem Deich am Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog (Schleswig-Holstein).  Quelle: Christian Charisius/dpa
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Kiel/Büsum

Die Bergung der toten Pottwale an der schleswig-holsteinischen Westküste könnte für die Kieler Landesregierung zu einer kostspieligen Angelegenheit werden. Nach Auskunft des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz steht nicht fest, inwieweit sich der Bund an den Kosten beteiligt. 13 Pottwale waren an der schleswig-holsteinischen Westküste seit Anfang Januar geborgen worden. Insgesamt wurden an den Stränden der südlichen Nordsee 29 Tiere angespült. Inzwischen liegen erste Hinweise darauf vor, warum die tonnenschweren Kolosse sich verirrten.

Ein skurriler Anblick: Mitten auf einem grünen Feld liegt ein riesiger Pottwal. Die toten Tiere wurden am Mittwoch aus der Nordsee geborgen - dann wurden ihnen die Unterkiefer entfernt.

Die toten Tiere wurden zunächst untersucht. Für weitere wissenschaftliche und veterinärmedizinische Untersuchungen wurden Proben gesichert. Für den Zweck von Forschung und Lehre sollen fünf der Wale als ganzes Skelett präpariert werden, von weiteren Tieren Teile wie einzelne Wirbel und Unterkiefer. Die übrigen Kadaver gingen in die Tierkörperbeseitigung.

Wieder wurden tote Pottwale in der Nordsee gefunden - diesmal acht Tiere im Wattenmeer vor Schleswig-Holstein. Einer der Wale lebte noch.

Ein Erlös aus der aufwendigen Bergung der Wale ist so gut wie nicht zu erwarten. „Die Wale werden nicht verkauft“, sagt Hendrik Brunckhorst vom Landesbetrieb für Küstenschutz. Laut Artenschutz sei dies nicht zulässig. Einrichtungen, die Interesse an einem Walskelett oder an präparierten Teilen haben, bekämen lediglich eine Aufwandsentschädigung in Rechnung gestellt. Hinsichtlich der Anfragen nach ganzen Walskeletten konnten laut Brunckhorst alle verbindlichen Anfragen bedient werden. Die Universität Rostock, das Meeresmuseum Stralsund und die Tierärztliche Hochschule Hannover hatten ihr Interesse bekundet. Die Anfragen nach einzelnen Körperteilen der Wale (Unterkiefer, Knochen) überstiegen dagegen den Umfang der bei der Zerlegung präparierten Stücke. Ein Pottwal hat 140 Einzelknochen.

Die Arbeit ist für den Landesbetrieb unterdessen nicht abgeschlossen. Die organisatorische und technische Aufarbeitung dauere an. Eine seriöse Schätzung der Kosten sei derzeit noch nicht möglich.

Experten haben unterdessen einen konkreten Verdacht, warum die Tiere verendeten. „Ich vermute, dass die zu dieser Jahreszeit heftigen Stürme und erhöhte Wassertemperaturen im Nordostatlantik dafür verantwortlich sein können, dass sich die Jungbullen in die Nordsee verirrten“, sagt der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die Tiere seien weder krank noch ausgehungert gewesen. Das ergaben Analysen der Mageninhalte der verendeten Pottwale.

Curd Tönnemann

 

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