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Wal-Drama an Nordseeküste geht weiter

Texel/Helgoland/Wangerooge Wal-Drama an Nordseeküste geht weiter

Elf Meeressäuger sind in den vergangenen Tagen, unter anderem in Büsum, angespült worden.

Quelle: Peter Kuchenbuch-Hanken/dpa

Texel/Helgoland/Wangerooge. Massig und leblos liegen die Körper am Strand und auf den Sandbänken, umringt von Schaulustigen. Der vorerst letzte Pottwal-Fund an der Nordseeküste wurde gestern Abend an der Wesermündung nahe Bremerhaven gemeldet. Zuvor hatten die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Tönning nahe Büsum (Kreis Dithmarschen) den zwölf Meter langen Kadaver eines Pottwal-Bullen auf einer Sandbank entdeckt. Binnen sechs Tagen sind an verschiedenen Stellen an der Nordseeküste insgesamt elf Tiere verendet.

Gestrandete Pottwale in der Nordsee

Erst am vergangenen Freitag wurden am Strand der Ostfriesischen Insel Wangerooge zwei tote Pottwale entdeckt. Gestern meldeten die Behörden, dass auf der Westfriesischen Insel Texel (Niederlande) nach fehlgeschlagener Rettungsaktion in der Nacht zu gestern weitere fünf Tiere verendet sind. Und auch vor Helgoland trieben zwei tote Wale im Wasser, die gestern noch von einem Gewässerschutzschiff geborgen werden konnten. Wie es genau zu dem Walsterben an der Nordseeküste kommen konnte, ist noch unklar. Dass alle Bullen als Gruppe unterwegs gewesen sind, gilt als möglich.

„Pottwale sind gesellige Tiere, und es gehört zu dem normalen Verhalten der Bullen, dass sie auf der Suche nach Futter ins Polarmeer ziehen“, sagt Meeresbiologe Sven Koschinski vom Naturschutzbund (Nabu). Bei der Rückreise der männlichen Wale in Richtung Süden könne es jedoch passieren, dass sie auf ihrem Weg an der norwegischen Küste entlang vom Kurs abkommen: Anstatt die britischen Inseln als „natürliche“ Barriere zu umschwimmen, sind sie in die Nordsee gelangt. Dort treffen die Pottwale auf zwei Probleme: „Zum einen finden sie kaum Nahrung, zum anderen haben sie als Tieftaucher in flachen Gewässern weniger Orientierung“, erklärt Koschinski.

Als große Meeressäuger benutzen sie zur Navigation eine Form der Echo-Ortung, die mit einer niedrigen Frequenz und langen Wellenlängen arbeitet. Das heißt in der Praxis: „Wenn das Wasser sehr flach ist, werden sowohl Signale von der Wasseroberfläche als vom Boden reflektiert und diese Vielzahl an Informationen kann der Pottwal dann nicht mehr richtig zuordnen“, sagt der Meeresbiologe. Die Konsequenz: Er kann nicht mehr auseinander halten, ob er sich auf dem Weg in tiefere oder seichtere Gewässer befindet. Zusätzlich könnten aber seismische Bewegungen, verursacht etwa durch Rohstoffbohrungen, die Orientierung der Säuger durcheinander gebracht haben. Dass sie zum Beispiel vor Helgoland schon als Kadaver im Meer schwammen, kann laut Koschinski zwei Ursachen haben:

„Entweder sie sind verhungert oder wurden von einem Schiff gerammt — das müsste eine Obduktion zeigen.“ Im flachen Wasser könne zudem das Gewicht des Wal-Körpers seine Blutgefäße und die Lunge abdrücken.

Im Fall der vor Helgoland geborgenen Jungbullen ist eines der Tiere noch gestern Abend mit einem Schlepper des Landesbetriebs für Küstenschutz nach Nordstrand (Kreis Nordfriesland) gebracht worden.

Veterinäre der Tierärztlichen Hochschule Hannover sollen den Wal heute auf Kosten des Landes Schleswig-Holstein untersuchen. Die Bergungskosten für die Wale auf Wangerooge betragen nach Schätzungen des Lands Niedersachsen rund 80000 Euro.

Falsche Route

80 Pottwale sind nach Angaben des Nationalparks Wattenmeer seit 1990 an den Nordseeküsten Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande gefunden worden. Dabei handelte es sich in der Regel um Jungbullen, die bei Nahrungswanderungen in die Polarregion zwischen November und März die falsche Route genommen hatten.

Den traurigen Walfund-Rekord hält die dänische Insel Rømø (Röm): Im Jahr 1996 sind dort im Wattenmeer 16, im Jahr 1997 insgesamt 13 junge Pottwale gestrandet und verendet.

Lena Modrow

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