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Norddeutschland Wanderfalken sind der neue Rostschutz von Rendsburg
Nachrichten Norddeutschland Wanderfalken sind der neue Rostschutz von Rendsburg
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22:27 07.03.2016
Die 1913 eröffnete Hochbrücke (Archivfoto) war 99 Jahre Deutschlands längste Eisenbahnbrücke. Der Wanderfalke (r.) gilt als Taubenjäger. Quelle: Friemann, dpa
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Rendsburg

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Kiel scheint eine Lösung gefunden zu haben. In mehr als 40 Meter Höhe hat die Behörde jetzt Nistkästen angebracht – nicht für Tauben, sondern für Wanderfalken. Die größte Falkenart Deutschlands nämlich macht Jagd auf Vögel – besonders gern auf Tauben.

Neun Nistkästen für Turmfalken hängen bereits in der 2,5 Kilometer langen Strahlkonstruktion. „Doch die Turmfalken sind zu zahm und zu klein, um Tauben anzugehen“, sagt Brückenkontrolleur Friedhelm Heuck. Deshalb jetzt die große Lösung: Zwei Nistkästen für Wanderfalken sollen rund 500 Tauben von der Brücke vertreiben. Warum nicht noch mehr Nistkästen an der Brücke? „Bringt nichts“, sagt Heuck. Der Wanderfalke beanspruche ein großes Jagdgebiet – und höre möglicherweise mit seiner Jagd nicht am Ende der Brücke auf.

Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der Wanderfalke so gut wie verschwunden. Der Einsatz des Insektizids DDT hatte die Schale von Falkeneiern immer dünner werden lassen. In den vergangenen 20 Jahren siedelten sich erste Tiere wieder in Schleswig-Holstein an, zunächst an der Westküste. 30 Paare brüten derzeit im Norden. „Es wäre toll, wenn wir den Wanderfalken hier stärker sesshaft machen könnten“, spricht Heuck von einer Win-Win-Situation für Brücke und Tier. Und der Kot der Wanderfalken? „Bei weitem nicht so aggressiv wie der von Tauben“, sagt der Brückenkontrolleur.

Der Hamburger Flughafen setzt seit 2013 wieder auf die Arbeit eines Falkners, um der Vogelschar am Airport Herr zu werden. Mit dem Einsatz von fünf Greifvögeln sorgt der Falkner für eine größere Flugsicherheit.

Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski räumt dem Rendsburger Falkenprojekt Erfolgschancen ein. „Wanderfalken brüten zwar auch am Boden, gern aber in luftiger Höhe, an Felswänden oder auch hohen Gebäuden.“ Von Menschen hielten die Tiere lieber Abstand, vom Lärm eines Zuges oder anderen Geräuschen ließen sie sich kaum beeindrucken, sagt der Experte. Ein Falkenpaar brüte seit Jahren auf dem Kühlturm des Atomkraftwerks Brunsbüttel (Dithmarschen). Wanderfalken werden bis zu 15 Jahre alt.

Eine Genehmigung des Landes ist für den Rostschutz der besonderen Art in Rendsburg nicht nötig. Der Bund ist zuständig. Zuletzt hatte die Landesregierung nicht so wahnsinnig viel Spaß an der schleswig-holsteinischen Fauna. Erst bremsten die Fledermäuse von Bad Segeberg den Weiterbau der A 20 mit Unterstützung von Bundesrichtern aus. Danach legte ein Seeadlerhorst weiter westlich das Fernstraßen-Projekt vorerst auf Eis.

Von Curd Tönnemann

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