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Norddeutschland Warum am Reformationstag immer frei sein sollte
Nachrichten Norddeutschland Warum am Reformationstag immer frei sein sollte
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20:47 30.10.2017
Die LN nennen zehn Gründe, warum der Reformationstag auch in Zukunft bundesweit ein freier Tag sein sollte. Quelle: Stoeber/Stock Adobe
Kiel

1: „Ich kann den Forderungen, den Reformationstag dauerhaft zum Feiertag zu machen, viel abgewinnen“, sagt Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Ein solcher Tag könne Impulse geben für die Frage nach Glaubens- und Gewissensfreiheit. Renke Brahms, höchster Geistlicher der Bremischen Kirche: „Ein guter Gedanke: Die Reformation hat unser Land, unsere Kultur bis heute nachhaltig geprägt.“

2: Nachbar Niedersachsen macht sich dafür stark. Auch die CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft kämpft dafür. In Niedersachsen setzt sich Wahlsieger Stephan Weil (SPD) dafür ein. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Reformationstag schon dauerhaft gesetzlicher Feiertag. Die Nord- Grünen wollen keine „Insellage“ für Schleswig-Holstein. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), in der Frage „ein wenig zurückhaltend“, sagt: „Wenn wir über zusätzliche Feiertage reden, sollte es auf jeden Fall ein kirchlicher Feiertag sein.“

3: Die Schleswig-Holsteiner sind mit neun gesetzlichen Feiertagen im Hintertreffen. Warum müssen Menschen nördlich der Elbe mehr arbeiten? Das ist nicht gerecht. „Der Norden hat Nachholbedarf“, sagt DGB-Chef Uwe Polkaehn.

4: Die Unternehmensverbände (UV) Nord argumentieren, zusätzliche Feiertage schmälerten das Wirtschaftswachstum. Laut Statistischem Bundesamt gingen an einem arbeitsfreien Tag 0,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung verloren, gibt UV-Hauptgeschäftsführer Michael-Thomas Fröhlich zu bedenken. Verkraftbar! Der bayerischen Wirtschaft geht es doch auch nicht schlecht. Oder aufs nächste Schaltjahr warten.

5: „Es wäre ein tolles Zeichen, wenn die Politik einmal nicht allein für die Ökonomie, sondern für das Miteinander der Menschen neuen Freiraum schaffen könnte“, argumentiert der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford- Strohm. Über die Feiertagsstruktur in Deutschland müsse grundsätzlich neu geredet werden.

6: Der Reformationstag muss arbeitsfrei werden, weil wir zur Finanzierung der Pflegeversicherung 1995 schon den Buß- und Bettag als „stillen Tag“ verloren haben. Und wer legt im Herbst nicht gern nochmal eine Atempause ein? Ach ja, die Sachsen. Sie haben sich den Buß- und Bettag als Feiertag gesichert. Im katholisch geprägten Bayern (ohnehin 13 Feiertage) haben alle Kinder an jenem Tag schulfrei. Norden an Süden: Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag!

7: Reformation ist das Fest der Protestanten. 22 Millionen Menschen gehören in Deutschland der Evangelischen Kirche an. Einen größeren Verein kann man sich kaum vorstellen, mal abgesehen von der etwas mitgliederstärkeren Katholischen Kirche. Ein Staat darf den 22 Millionen Protestanten nicht alljährlich die Geburtstagsfeier vermiesen. 22 Millionen Menschen sind eine Macht: Diese Zahl schlägt sogar den ADAC (19 Millionen Mitglieder).

8: Eine Mehrheit, nämlich 58 Prozent der Katholiken, spricht sich laut einer aktuellen Emnid-Umfrage dafür aus, die Evangelische und die Katholische Kirche wieder zu einer Kirche zu vereinigen – bei den Protestanten sind es 47 Prozent. Ein bundesweit von Katholiken und Protestanten gefeierter Reformationstag wäre ein erster Schritt von der Ökumene zur Fusion. 72 Prozent aller Bürger plädieren laut einer repräsentativen You-Gov-Umfrage dafür, dass der Reformationstag für immer Feiertag bleibt.

9: Süßes oder Saures – nicht erst nach den Hausaufgaben! Ein schulfreier Reformationstag würde den Kindern schon am Nachmittag die Zeit geben, Halloween zu feiern und verkleidet von Tür zu Tür zu laufen, um Süßes zu erbitten oder bei Ablehnung Saures anzudrohen. Man mag zu dem aus den USA herübergeschwappten Brauch stehen, wie man mag – den Kindern macht er höllisch Spaß. Der kleinste gemeinsame Nenner des Tages ist übrigens der „Luther-Bonbon“. Geschmacksrichtungen: süß oder sauer, Apfel oder Zitrone. Zu bestellen im kirchenshop-online.de, die große Tüte für 4,90 Euro.

10: Wegen der zusätzlichen Stunde, die uns die Zeitumstellung immer Ende Oktober beschert, könnten wir uns mit einem freien Reformationstag viel besser an den neuen Rhythmus gewöhnen. Das darf keine einmalige Chance bleiben!

Von Curd Tönnemann

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