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Was für ein prächtiges Konzerthaus! Zur Eröffnung der Elbphilharmonie sind fast alle Probleme Geschichte – und nicht nur Hamburg ist stolz

Hamburg Was für ein prächtiges Konzerthaus! Zur Eröffnung der Elbphilharmonie sind fast alle Probleme Geschichte – und nicht nur Hamburg ist stolz

An der Elbe ist das Klima rau. Das ist an diesem Eröffnungsabend zu spüren. Vor der Elbphilharmonie bereitet man sich auf eine nächtliche Sturmflut vor und auf Hochwasserpegel, ...

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Faszinierender Blick in den großen Saal der Elbphilharmonie: 2100 Gäste erlebten gestern Abend das große Eröffnungskonzert.

Quelle: Fotos: Christian Charisius/dpa (2), Daniel Reinhardt/dpa (2), Action Press (1)

Hamburg. An der Elbe ist das Klima rau. Das ist an diesem Eröffnungsabend zu spüren. Vor der Elbphilharmonie bereitet man sich auf eine nächtliche Sturmflut vor und auf Hochwasserpegel, die zwei Meter über den üblichen Ständen liegen. Das bringt hier eigentlich niemanden aus der Fassung. Aber bei den hochsensiblen Gästen, die im Inneren des spektakulären Neubaus ab sofort den Ton angeben sollen, hinterlässt die unwirtliche Umgebung doch einige Spuren.

LN-Bild

An der Elbe ist das Klima rau. Das ist an diesem Eröffnungsabend zu spüren. Vor der Elbphilharmonie bereitet man sich auf eine nächtliche Sturmflut vor und auf Hochwasserpegel, ...

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Die Sopranistin Camilla Tilling etwa, die für ihre erkrankte Kollegin Anja Harteros einspringen wollte, muss wenige Stunden vor Beginn wegen einer Erkältung absagen. Immerhin erfüllt sich die Hoffnung von Christoph Lieben-Seutter, dem Intendanten der Elbphilharmonie, dass die kurzfristig als Ersatz-Ersatz gewonnene Hanna-Elisabeth Müller auch wirklich ihren Ausweis dabei hat und rechtzeitig vor ihrem Auftritt die Sicherheitskontrollen am Eingang durchlaufen kann. Komponist Wolfgang Rihm kann aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst erleben, wie seine Hommage an den Hamburger Dichter (und Orgelbauer) Hanns Henny Jahnn als Uraufführung zum Klingen gebracht wird.

Doch in der Elbphilharmonie ist man längst an ganz andere Schwierigkeiten gewöhnt. Heftigen Gegenwind gab es hier zu allen Phasen des Baus. Daran erinnert Bundespräsident Joachim Gauck. Obwohl gerade erst eröffnet, habe das Gebäude bereits eine lange Geschichte. „Die Elbphilharmonie“, sagt er, „galt als Traum und als Albtraum, als Weltstar und als Witz, als Blamage und als Wunder.“

Der Bundespräsident kam genau wie Kanzlerin Angela Merkel verspätet aus Berlin. Die übrigen Besucher, darunter Prominente wie der frühere Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Frau Bettina sowie die Schauspieler Hannelore Hoger und Charly Hübner und Mittelfeld-Regisseur Günter Netzer müssen sich gedulden: Nach dem ersten Gong ertönt die Durchsage, dass der Einlass sich um einige Minuten verzögere. Doch man hat in Hamburg lange genug gewartet, um auch diese letzte Verspätung gelassen zu nehmen.

Dem Architekten Jacques Herzog ist allerdings noch anzumerken, wie oft er nah am Scheitern war. Sein Büro Herzog & de Meuron habe aufwendige Gebäude wie Museen und Sportarenen errichtet, sagt er:

„Die Elbphilharmonie aber übertrifft alles an Komplexität.“ Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz drückt es plastischer aus: „Das war ein Bau an der Grenze zur Baubarkeit.“ Umso überzeugender sei das Resultat. Die Elbphilharmonie erscheine als „Gebäude gewordene Zuversicht“, so Scholz, und sei ein „Symbol für die Hoffnung, mit dem, was wir tun, die Welt besser machen zu können.“

Am Ende spricht Scholz eine Einladung aus: „Besuchen Sie die Elbphilharmonie und genießen Sie hier die Musik.“ Angesichts des Mangels an Konzertkarten lässt sich dieser Einladung allerdings nicht ohne Weiteres folgen. Umso lieber wird mancher gehört haben, was Intendant Lieben-Seutter am Rande der Veranstaltung erwähnte: Im Februar kommen die Karten für eine neue Sommerbespielung in den Vorverkauf, ab April gibt es Tickets für die kommende Saison – insgesamt einige 10 000 Tickets.

Der Bau hat zehn Jahre gedauert

Oktober 2001: Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.

Juni 2003: Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie.

Juli 2005: Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen. Geplante Eröffnung 2010.

November 2006: Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.

2. April 2007: Grundsteinlegung.

November 2008: Kultursenatorin Karin von Welck räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012.

28. Mai 2010: Richtfest.

Juli 2011: Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.

November 2011: Stillstand: Hochtief stellt die Arbeiten wegen Sicherheitsbedenken ein.

2. Februar 2012: Ex-Bürgermeister von Beust sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.

15. Dezember 2012: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) verkündet, dass die Stadt die Elbphilharmonie mit Hochtief zu Ende bauen will. Dafür erhält der Baukonzern erneut 200

Millionen Euro, übernimmt aber auch sämtliche Risiken. Fertigstellungstermin: Oktober 2016.

Juni 2013:  Bürgermeister Scholz bekannt, wie viel die Elbphilharmonie insgesamt – mit Hotel und Parkhaus – die Stadt kosten wird: 789 Millionen Euro, zehnmal so viel wie geplant.

April 2014:  Abschlussbericht des Untersuchungsberichts. Unfertige Planung, Chaos auf der Baustelle und überforderte Politiker sind für das Desaster verantwortlich.

31. Oktober 2016:  Der Baukonzern Hochtief übergibt intern das fertige Gebäude an die Stadt Hamburg. Auf der gläsernen Fassade erscheint durch erleuchtete Fenster das Wort „FERTIG“.

So klingt die Elphi

Die Elbphilharmonie ist kein Bluetooth-Lautsprecher. Sie holt nicht alles aus den Bässen raus. Und auch sonst bemüht sie sich nicht groß darum, mit aller Macht zu beeindrucken. Sie sagt einfach, wie es ist. Und das bedeutet: Der neue Konzertsaal, über dessen fabelhafte Akustik seit Wochen spekuliert wurde, klingt im ersten Moment vor allem unspektakulär.

Dafür ist das erste Stück, das zum Staatsakt vor der eigentlichen Eröffnung erklingt, symbolisch schwer aufgeladen: Beethovens Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz erinnert daran, dass Prometheus in einem Akt der Rebellion gegen die Götter aufbegehrt und so die Grundlage der menschlichen Zivilisation gelegt hat. In der Musik klingt dieses Aufbegehren scheppernd: Der Paukenschlag, mit dem das Stück und damit das Leben in der Elbphilharmonie beginnt, tönt scharf und eng begrenzt. So kann man schon im ersten Ton eine Besonderheit hören, die sich Dirigent Thomas Hengelbrock ausgedacht hat: eine historische Kesselpauke, die hier noch neben den modernen Instrumenten des NDR Elbphilharmonie Orchester einen Platz auf der geräumigen Bühne gefunden hat.

Felix Mendelssohns Ouvertüre zu „Ruy Blas“ mit ihren düsteren Bläserakkorden zu Beginn, aus denen sich in fein ziselierten Streicherfiguren das zuversichtliche Thema löst, bringt weitere Erkenntnisse über die Qualität des Saales: Trotz eines nicht unerheblichen Nachhalls ist der Klang jederzeit sehr klar. Da verschwimmen keine schnellen Sechzehntel-Noten, und auch die profundesten Akkorde haben Luft und Raum, ohne Nachfolgendes zu überlagern.

Ganz am Ende erklingt schließlich das, was man bei einer feierlichen Eröffnung am ehesten erwartet: Das Finale aus Beethovens Neunter mit der „Ode an die Freude“.

Stefan Arndt

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