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18:10 11.08.2018
Kai Pinn (39) ist seit zehn Jahren Barkeeper im Dietrich’s. 2016 gewann er einen begehrten Barkeeper-Preis. Quelle: Foto: Ulf–kersten Neelsen, Fabina Boerger
Lübeck

Die Zubereitung ist einfach: Gin, Campari und roten Wermut in ein kurzes, zylinderförmiges Glas geben, etwas Eis dazu und umrühren. Das Ganze mit einer Orangenzeste garnieren und fertig ist das fruchtig, bittere Getränk. „Der Negroni ist fester Bestandteil einer guten Cocktail-Karte“, sagt Clemens Dietrich, Betreiber und Barkeeper des Dietrich’s in Lübeck. Die kleine Bar, die einen Steinwurf vom Holstentor entfernt liegt, hat sich der gehobenen Cocktailkunst verschrieben, sagt Dietrich.

Campari, Wermut und Gin: Das sind die Komponenten eines Negronis. Das britische „Tatler- Magazin“ ernannte den Cocktail, der 1918 in Florenz entstand, zum „Trendgetränk 2018“. Doch kommt so eine Kür tatsächlich in den Bars an? Wir haben uns in Lübeck umgehört.

Aber was hält er von sogenannten „Trendgetränken“? Nichts! „Woran will man das messen? Es gibt immer jemanden, der anderer Meinung ist“, sagt er. Stark im Kommen seien zurzeit weniger der Negroni als vielmehr die klassischen Cocktails. Im Dietrich’s sei definitiv der Gin Tonic das am meisten nachgefragte Getränk. Bei über 200 Gin-Sorten und 25 verschiedenen Tonics würden die Gin-Liebhaber bei ihm fündig. „Und wenn man von einem Trend sprechen möchte, kann man auch von einem Sherry-Trend sprechen“, ist der Inhaber überzeugt. Insgesamt stelle er fest, dass der Gast zunehmend Gefallen an der traditionellen Barkultur finde. Die Zeit der „Happy Hours“ sei vorbei, glaubt Dietrich. Halbliter-Getränke, Jumbo Cocktails, Obstsalat und Schirmchen seien ein Überbleibsel aus den 90er Jahren und in der Form nicht mehr aktuell. „Die Leute wollen einfache, ehrliche Drinks.“

Richard Heller ist Barchef im Torrio’s, einer American-Bar im Chicago-Style der 1920er Jahre an der Königstraße. Auch für ihn gehört der Negroni auf jede Karte. Dass der Aperitiv wegen der Auszeichnung des englischsprachigen Magazins mehr getrunken wird, stellt auch er nicht fest. Man müsse bedenken, dass das Küren eines Trendgetränks von der Industrie gestützt und gefördert wird. „Eine Bewertung durch ein englisches oder amerikanisches Magazin ist schwierig zu übertragen, denn jede Nation trinkt anders“, sagt Heller. Er selbst gibt dem Negroni eine eigene Note: „Ich verwende unterschiedliche Wermuts und Gins, um neue Geschmackskomponenten hinzuzufügen.“ Wer es fruchtig bitter mag, für den sei dieses Getränk genau richtig, sagt er.

Auch auf der Terrasse des Café & Bar Celona mit Blick über den Lübecker Hafen ist die Negroni-Welle noch nicht angekommen. Dort trinkt Mann und Frau nach wie vor Aperol Spritz am liebsten, sagt Barchefin Valeria Schatz. Das norditalienische Getränk ist und bleibt der absolute Renner bei den Gästen. „Schon seit drei Jahren ist es mein absoluter Lieblingsdrink“, sagt Ann-Katrin Lieseberg.

Ihre Freundin Elke Wreht, mit der sie in der Bar zu Gast ist, sieht das ähnlich: „Das Getränk ist nicht zu süß, sondern herb und erfrischend.“ Von dem Negroni haben sie noch nie gehört. In der Kaffeebar-Kette aus Oldenburg entscheidet ein Gremium, das aus den Barchefs deutschlandweiter Standorte besteht, über die Zusammenstellung der Getränkekarten.

In Lübeck steht der Negroni gar nicht drauf – denn ob ein Getränk wirklich im Trend liegt, entscheidet am Ende der Kunde und keine Zeitschrift.

Von Fabian Boerger

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