Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Wasserspaß in der Kneipp-Kita
Nachrichten Norddeutschland Wasserspaß in der Kneipp-Kita
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:34 21.01.2016
Ben (6) taucht seine Unterarme in eine Schale mit kaltem Wasser. Das Kneipp-Becken ist noch im Bau.

Socken aus, Hosenbeine hochgekrempelt — und hinein in die Fußstraße! Die Kinder in der Spielstube „Kunterbunt“ in Groß Meinsdorf (Kreis Ostholstein) fackeln nicht lange, schließlich gehört das Wassertreten nach Kneipp zu ihrem Alltag im Kindergarten. Die Kita trägt seit einigen Monaten das Gütesiegel „Vom Kneipp-Bund e.V. anerkannte Einrichtung“. Insgesamt gibt es bislang zwölf sogenannte Kneipp-Kitas in Schleswig-Holstein, die Hälfte davon im Norden, an der dänischen Grenze.

Fabian (5) verzieht keine Miene, als er seinen Fuß ins kalte Wasser taucht. Langsam zählt er bis fünf, dann geht es weiter ins nächste Wasserbassin. „Am Anfang kostete das schon Überwindung“, erinnert sich Erzieherin Birte Anders (26). Aber inzwischen gehören die Reiz-Anwendungen für die Kinder einfach dazu. Sie werden in jeder Gruppe unterschiedlich eingebaut. Manchmal werden Armbäder gemacht, Güsse oder auch Waschungen mit einem kleinen Leinenlappen. „Das können auch schon die Kleinen unter zwei Jahren“, sagt Anders. „Wenn man das regelmäßig macht, wird das Immunsystem gestärkt“, berichtet sie von der Kneippschen Gesundheitsidee. „Hui, das Wasser ist kalt, das merken meine Füße bald! Für die Gesundheit bleib ich steh‘n und zähle jetzt bis zehn!“ heißt denn auch ein Reim, den die Kinder gelernt haben. Doch niemand wird gezwungen. Jeder bleibt mit Armen oder Beinen nur so lange im kalten Wasser, wie er es aushält.

„Wir wollen Kinder sensibilisieren, damit sie gut auf sich selber achten“, erklärt Anna Boecker, Leiterin der Kita „Nimmerland“ in Lübeck. Ihre Einrichtung hat zwar schon ein Kneipp-Becken, aber noch kein Gütesiegel. Das soll nun folgen. Dazu müssen mindestens die Hälfte der Mitarbeiter die Ausbildung „Kneipp Gesundheit für Kinder“ absolvieren und einmal jährlich an Weiterbildungen teilnehmen.

Regelmäßig wird überprüft, ob die Kneipp-Prinzipien umgesetzt werden. Mittlerweile gibt es in Deutschland 387 solcher Kitas. Auch in Schulen wird das Kneippen langsam populär. Bundesweit gibt es derzeit 27 Kneipp-Schulen, jedoch keine im Norden.

Schwer nachzuweisen ist, ob Kinder in Kneipp-Kitas tatsächlich gesünder sind. „Eine wissenschaftliche Studie zum Nachweis der gesundheitsförderlichen Wirksamkeit von Kneipp-Verfahren in Kitas steht noch aus, obwohl das Konzept für mich insgesamt sehr überzeugend ist“, sagt Benno Brinkhaus, der an der Berliner Charité eine Stiftungsprofessur für Naturheilverfahren bekleidet. Die Kita „Nimmerland“ berichtet aber von positiven Ergebnissen. „Die Kinder sind weniger krank oder schneller wieder gesund“, sagt Boecker. Dort geht es immer vor dem Mittagessen im Storchengang durch das Kneipp-Becken. Im Anschluss wird das Wasser nur abgestreift, dann werden Wollsocken übergezogen.

Die Umgebung „Kita“ sei ideal, um Kindern zu vermitteln, wie sie positiv Einfluss auf ihr Wohlbefinden nehmen könnten, meint Brinkhaus. „Kinder verinnerlichen mittels der Kneipp-Elemente sehr früh eine gesunde Lebensführung.“

Kneipp — fünf Elemente
Der bayerische Pfarrer Sebastian Kneipp (1821—1897) hat Ende des 19. Jahrhunderts von Bad Wörishofen aus eine einzigartige Gesundheitsbewegung in Deutschland in Gang gesetzt. Sie fußt auf den fünf Elementen Wasser, Bewegung, Heilpflanzen, Ernährung und ausgeglichene Lebensführung. Heute „kneippen“ Menschen weltweit. Im vergangenen Dezember wurde das Kneippen immaterielles Kulturerbe der Unesco.

Julia Paulat

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige