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Norddeutschland Wegen Impfmüdigkeit: Immer mehr Keuchhusten im Norden
Nachrichten Norddeutschland Wegen Impfmüdigkeit: Immer mehr Keuchhusten im Norden
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09:04 10.11.2013
Bedrohliche Entwicklung: Immer mehr Kinder und Erwachsene in Schleswig-Holstein erkranken an Keuchhusten Quelle: Fotlia
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Lübeck/Kiel

Bedrohliche Entwicklung: Immer mehr Kinder und Erwachsene in Schleswig-Holstein erkranken an Keuchhusten. Von 2006 bis 2012 habe sich die Zahl der Erkrankten von 230 auf 460 pro Jahr sogar verdoppelt, schläg die Krankenkasse Barmer GEK in Kiel Alarm. Bundesweit ist ein Anstieg von 6000 auf 9000 Fälle jährlich zu verzeichnen.„Beim Keuchhusten handelt es sich nicht nur um eine Kinderkrankheit“, warnt BGEK-Landesgeschäftsführer Thomas Wortmann. Auch Erwachsene seien zunehmend betroffen. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin ist das Durchschnittsalter der Betroffenen von 15,1 Jahren (1995) inzwischen auf über 41 Jahre angestiegen. Das bedeutet, dass jedes Jahr in Deutschland mehr als 110000 Erwachsene an Keuchhusten erkranken.

Krankenkassen raten, sich unbedingt impfen zu lassen. Die Impfung ist kostenlos.Keuchhusten ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch ein Bakterium übertragen wird. Nach der Infektion macht sich die Krankheit zunächst recht harmlos bemerkbar – mit grippeähnlichen Symptomen wie Schnupfen und leichtem Fieber. Erst nach zwei Wochen kommt es zu schweren Hustenanfällen. Diese Phase kann bis zu sechs Wochen anhalten. Die Abklingphase, in der die Hustenattacken langsam nachlassen, kann nochmal sechs weitere Wochen dauern. Nach RKI-Angaben wird der hartnäckige Husten oft fälschlicherweise einer Bronchitis oder einem Asthma zugeordnet.Säuglinge bleiben durch die Krankheit am meisten gefährdet: Bei ihnen kann es zu einem Atemstillstand kommen.

Für Erwachsene ist Keuchhusten zwar nicht lebensbedrohlich. Er kann aber im schlimmsten Fall zu gefährlichen Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Krampfanfällen oder Gehirnblutung führen.Für Peter Zabel, Leiter des Leibniz-Forschungszentrums für Lungenkrankheiten in Borstel (Kreis Segeberg), ist die Rückkehr des Keuchhustens ein Ergebnis der allgemeinen Impfmüdigkeit im Land. „Dasselbe Problem haben wir auch bei den Masern, die noch sehr viel gefährlicher sind“, klagt der Mediziner. Keuchhusten sei auch bei Erwachsenen sehr gut behandelbar. Ein Arbeitnehmer falle aber dennoch für mehrere Wochen aus. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Erreger insbesondere in Entwicklungsländern eine schwere Bedrohung. Dort treten 95 Prozent der weltweit 16 Millionen Fälle auf. 195 000 Kinder starben im bislang letzten Erhebungszeitraum 2008 an der Infektion. Das Kieler Gesundheitsministerium empfiehlt, nicht nur Säuglinge möglichst früh gegen Keuchhusten impfen zu lassen, sondern vor allem auch enge Kontaktpersonen. Sie seien in 80 Prozent der Fälle für eine Ansteckung verantwortlich. Ein Impfung von Eltern und Großeltern bereits vor der Geburt des Kindes sei daher ratsam. Oliver Vogt

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