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Norddeutschland Umweltministerin: Der Plan gegen Plastik
Nachrichten Norddeutschland Umweltministerin: Der Plan gegen Plastik
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21:34 26.11.2018
So viel Plastik ist in der Welt, ganze Berge von Müll, hier auf dem Bahnsteig des Tübinger Bahnhofs. Quelle: Hartwig Lohmeyer/Joker
Berlin/ Lübeck

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat der Wegwerfgesellschaft den Kampf angesagt. Mit einem Fünf-Punkte-Plan will sie Plastikmüll und Verpackungen reduzieren.

Anvisiert ist beispielsweise ein europaweites Verbot von Einwegartikeln wie Plastikgeschirr. Auf nationaler Ebene soll der Einzel- und Onlinehandel animiert werden, überflüssige Verpackungen zu vermeiden. Und der Verbraucher? Soll mehr Leitungswasser trinken, statt Sprudelwasser aus Einwegflaschen zu konsumieren.

Weniger Flaschenmüll: Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ruft Verbraucher dazu auf, Wasser aus der Leitung zu trinken und will Nachfüllstationen in den Städten etablieren. Was Lübecker dazu sagen.

Wegwerfgesellschaft gefährdet Weltmeere: Plastik landet im Kreislauf der Umwelt

Schulze betont: „Wir produzieren in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft bislang viel zu viel Plastik.“ Dieses Konsummuster werde in die Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert, mit gravierenden Folgen für die Meere. Schätzungen von Umweltverbänden zufolge lagern inzwischen bereits 80 Millionen Tonnen Plastik in deren Tiefen.

Die Ministerin setzt in ihren Plänen auf eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels – etwa nach dem Vorbild der Vereinbarung zu Plastiktüten, die nach zwei Jahren zu einem Rückgang des Verbrauchs um zwei Drittel geführt habe. Das Umweltministerium werde einen „Dialogprozess“ mit dem Einzelhandel initiieren. Das Ziel: überflüssige Verpackungen von Frischwaren wie Obst, Gemüse und Käse vermeiden.

„An freiwillige Maßnahmen hält sich aber nicht jeder“, kritisiert der schleswig-holsteinische Nabu-Sprecher Ingo Ludwichowski. Grundsätzlich seien die Pläne des Bundesministeriums zwar eine deutliche Wertgebung für Umweltbelange. Auch der Appell an den Verbraucher sei lobenswert. Um wirklich etwas erreichen zu können, müsse die Politik den Händlern aber konkrete Vorgaben machen.

Die Zukunft: Mehrwegbehälter für Leitungswasser statt Einweg-Plastikflasche

Der Verbraucher wird von Umweltministerin Schulze aufgerufen, mehr Wasser aus der Leitung zu trinken. „Wasserflaschen für den heimischen Verzehr zu kaufen, ist in Deutschland in der Regel unnötig“, heißt es. Genau das wird in Deutschland aber immer populärer. Laut Stiftung Warentest lieben Deutsche Mineralwasser aus der Flasche. 2015 tranken die Bundesbürger im Schnitt 147 Liter im Jahr. 1970 waren es noch 12,5 Liter.

Kostenlos Wasser nachfüllen in Lübeck

Restaurants oder Läden mit einem hellblauen Aufkleber der Initiative „Refill“ im Eingang lassen Menschen hinein, damit sie dort kostenlos ihre mitgebrachten Flaschen mit Leitungswasser auffüllen können. In Lübeck machen beispielsweise der Unverpackt-Laden in der Fleischhauerstraße und der Eine-Welt-Laden in der Hüxstraße mit. Auch der Weihnachtsmarktstand „Finnland“ füllt Wasser ab.

Wer sein Geschäft registrieren lassen möchte, kann eine Email schreiben an: luebeck@refill-deutschland.de. Eine Karte mit allen teilnehmenden Geschäften ist im Internet zu finden: www.refill-deutschland.de/luebeck/

Aus ökologischer Sicht sei der Fokus auf Leitungswasser sinnvoll, sagt Tobias Langguth, Sprecher vom Bund für Umwelt und Naturschutz. „Leitungswasser ist den Mineralwasserflaschen in jedem Fall vorzuziehen, da es durch weniger Transportkosten, Energiekosten für die Flaschenherstellung- und reinigung den deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck hat.“

Umweltministerin will Nachfüllstationen für Wasserflaschen in den Städten

Schulze hat zudem die Idee, in den Städten überall gut erreichbare Nachfüllstationen für Wasserflaschen zu installieren. Das Vorhaben begrüßt auch die Stadtverwaltung in Lübeck. Bisher gibt es so etwas nicht. „Soweit mir bekannt ist, befinden sich zur Zeit keine öffentlich zugänglichen Wasser-Nachfüllstationen in Lübeck“, sagt Sprecherin Nicole Dorel.

Es habe einmal für den Gelegenheitsbedarf eine Trinksäule am Geniner Ufer gegeben, berichtet Stadtwerke-Sprecher Lars Hertrampf. Wegen baulicher Maßnahmen wurde sie aber entfernt. Man befinde sich derzeit in Vorgesprächen über die Installation einer Trinksäule im Innenstadtbereich, sei damit aber noch ganz am Anfang. Die Idee mit den Nachfüllstationen sei ein toller Ansatz. „Die Qualität des Wassers muss aber gewährleistet bleiben“, sagt Hertrampf. Wichtig seien bei der Planung hygienische Aspekte. Zuhause sei das etwas anderes, Wasser aus der Leitung könne im Stadtgebiet Lübeck ohne Bedenken getrunken werden.

Was sagen Lübecker zu den Plänen? Die Ideen zur Plastikvermeidung seien nur einige von vielen möglichen Ansatzpunkten, sagt etwa Iris Kassner (58): „Wir brauchen scharfe Gesetze, sonst ändert sich der Verbraucher nicht.“ Franziska Reimers (30) fordert: „Man sollte Wasser einfach überall kostenlos in Geschäften anbieten – wie in Schweden.“ Und Paulo Fernandes (49) würde kostenloses Trinkwasser in der Innenstadt nutzen, „auch wenn das im großen Maße nicht viel an der Plastikmenge ändert.“ Einig sind sich die Befragten alle: Verbraucher, Politiker und Unternehmen müssen etwas gegen die Plastikflut unternehmen.

Saskia Bücker

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