Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Weißer Ring hilft 1743 Kriminalitätsopfern
Nachrichten Norddeutschland Weißer Ring hilft 1743 Kriminalitätsopfern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:27 11.02.2016
Uwe Döring (69): „Die Angst ist größer, als sie sein müsste.“ Quelle: dpa

Nach Wohnungseinbrüchen, Körperverletzungen oder sexueller Gewalt kommen viele Opfer nicht allein mit den Folgen klar. Mit Gesprächen und Schecks für anwaltliche oder psychologische Beratung hilft der Weiße Ring — allein im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein 1743 Menschen. Das waren etwa 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete der Landesvorsitzende des Weißen Rings, Kiels Ex-SPD- Justizminister Uwe Döring, gestern in Kiel.

Für ihre Opferarbeit brachten die 160 ehrenamtlichen Helfer des Vereins insgesamt gut 33000 Stunden auf und damit 4500 mehr als im Vorjahr, sagte Döring. Die Helfer nähmen sich für jeden Fall so viel Zeit, wie gebraucht werde. Um akute Notlagen zu lindern, stellte der Weiße Ring den Opfern allein in Schleswig-Holstein fast 217000 Euro bereit.

Unter den Delikten rangierten erstmals Körperverletzungen mit 425 Fällen ganz oben. Es folgten Sexualdelikte mit 402 Fällen. Im Hinblick auf die seit der Silvesternacht verstärkt entfachte Debatte über sexuelle Gewalt kritisierte Döring, die Täter stünden viel stärker im Fokus als die Opfer. Der Ex-Minister appellierte an die Landesregierung, auf Bundesebene eine Änderung des Sexualstrafrechts voranzutreiben, um zugunsten der Opfer die Beweislast umzukehren. Derzeit seien in Deutschland immer die Opfer in der Beweislast, erläuterte Döring. Von durchschnittlich 8000 angezeigten Vergewaltigungsfällen im Jahr führe nur jeder zehnte zu einer Verurteilung. Diese Diskrepanz sei gravierend. Wie in anderen europäischen Ländern müssten nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen generell unter Strafe stehen. SSW-Justizministerin Anke Spoorendonk betonte, eine grundlegende Reform des Sexualstrafrechts bedürfe auch einer gründlichen Prüfung. Gesetze würden nicht auf Zuruf geändert, sondern fundiert überarbeitet.

Bei Wohnungseinbrüchen beobachtet der Weiße Ring laut Döring eine große Diskrepanz. Die starke Zunahme habe nicht dazu geführt, dass in diesen Fällen mehr Menschen Hilfe suchen. Die Polizei sollte mehr auf die Möglichkeit hinweisen, bei Opferschutz-Organisationen Hilfe zu suchen, sagte Döring. Generell sei die Sicherheit der Menschen im Land aber höher als das Sicherheitsgefühl. „Bei den Menschen ist zurzeit große Verunsicherung vorhanden“, so der Ex-Minister. Sie stehe aber „in krassem Missverhältnis zur tatsächlichen Bedrohung“. Die Angst sei größer, als sie sein müsste, sagte Döring.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige