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Norddeutschland Welche Schlüsse zieht Kiel aus der Studie?
Nachrichten Norddeutschland Welche Schlüsse zieht Kiel aus der Studie?
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22:50 07.03.2018
Junge Männer geraten besonders oft mit dem Gesetz in Konflikt. Quelle: Foto: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Es sei „ein Minenfeld“ gewesen, auf dem sich die Landespolizei mit ihrer Kriminalitätsstatistik bislang bewegt habe, sagt Peter Fritzsche vom Landeskriminalamt LKA. Bevor 2015 der große Flüchtlingszustrom in den Norden einsetzte, wurde von der Polizei darin gar nicht vermerkt, ob es sich bei einem Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt. Als die Menschen dann zu Tausenden ins Land kamen, wies die Statistik aber immerhin das schnell aus: Die Zahl nicht- deutscher Tatverdächtiger steigt.

Die Landesregierung wollte es wissen: Werden Zuwanderer im Land häufiger straffällig als Einheimische? Ergebnis der Studie von Hannoveraner Kriminologen: Der Anteil Tatverdächtiger unter Zuwanderern ist tatsächlich etwas höher. Nun soll gegengehalten werden, auch mit besserer Integration.

Kein Wunder, sagt Fritzsche, mehr Menschen bedeuteten immer mehr Kriminalität. Und auch der Anteil nicht-deutscher Einwohner Schleswig-Holsteins war ja gewachsen – von 2013 bis 2016 von 5,3 auf acht Prozent. Dennoch wurden in der Öffentlichkeit Vorwürfe laut, Polizei und Politik würden die Kriminalität der Zuwanderer verstecken wollen. Aber durfte man einzelnen Nationalitäten wirklich eine Art Kriminalitätsbelastung zuordnen? Ja, urteilte der damalige SPD-Innenminister Stefan Studt und beauftragte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) mit der Arbeit. Erstmals rechneten Forscher nun zum Beispiel die Kriminalität durchs Land ziehender ausländischer Banden heraus. Es sollte nur um die hier sesshaft gewordenen Mitbürger ohne deutschen Pass gehen.

Die Ergebnisse liegen jetzt vor. Sie sind vielschichtig. Tatsächlich werden prozentual mehr Zuwanderer zu Tatverdächtigen als Einheimische. Man müsse andererseits berücksichtigen, dass unter ihnen besonders viele junge Männer seien, die in jedem Kulturkreis einen höheren Hang zu Straftaten hätten, sagt KFN-Professor Thomas Bliesener. Vergleichsweise häufig würden Zuwanderer demnach verdächtigt, Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen begangen zu haben. Andererseits wisse man aus anderen Studien, dass Menschen Personen aus anderen Kulturkreisen generell schneller anzeigen würden, was zu verzerrten Zahlen führen könnte.

Dass über die Hälfte der Opfer selber Zuwanderer sind, habe bei der Polizei bereits zur Erarbeitung neuer Einsatzkonzepte geführt, etwa zur häuslichen Gewalt in Flüchtlingsunterkünften, sagt Fritzsche. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert, es müssten jetzt auch auf einzelne Nationalitäten zugeschnittene Polizei-Taktiken und die Schleierfahndung wieder erlaubt sein. Tatsächlich hat die Studie entsprechende Unterschiede ergeben. So liegt die Quote tatverdächtiger Syrer nur wenig über der der Schleswig-Holsteiner mit deutschem Pass und unter der türkischer Staatsbürger. Bei Personen aus Afghanistan, dem Irak und dem Iran liegt sie hingegen deutlich höher. Dies könne allerdings auch mit den schlechteren Bleibe- Perspektiven von Asylbewerbern aus diesen Ländern zusammenhängen, sagt CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote. Er fordert daher schnellere Entscheidungen in den Asylverfahren ein, eine schnellere Rückführung abgelehnter Bewerber, aber auch eine deutlich bessere Integration derjenigen, die bleiben dürfen. Man bereite daher gerade ein Landes-Integrationsgesetz vor. Und die Bundesregierung solle den Weg dafür frei machen, dass anerkannte Flüchtlinge endlich ihre Familien nachholen dürfen. „Integration gelingt viel einfacher, wenn die Familie dabei ist“, sagt Grote.

„Ich freue mich, dass die Studie vorliegt. Fakten können Vorurteilen und Unterstellungen entgegenwirken“, sagt der CDU-Landtags- Innenpolitiker Claus Christian Claussen. Die SPD-Abgeordnete Kathrin Wagner-Bockey begrüßt, dass die Studie auch über das Erhebungsjahr 2016 hinweg weiter fortgeführt werden soll. Dass Integration am besten gelinge, wenn die Familie dabei ist, sehe man bei der SPD genauso. Man wünsche Grote daher viel Erfolg dabei, auch den designierten CSU-Bundesinnen- und Heimatminister Horst Seehofer davon zu überzeugen.

Von Wolfram Hammer

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