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Norddeutschland Ist Briefeschreiben noch in?
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19:37 09.10.2018
Chara Tonak (15) hat es sich mit Papier und Stift an der Obertrave in der Sonne gemütlich gemacht. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Am 9. Oktober ist Weltposttag. Grund genug, das im Jahre 1490 von Franz von Taxis gegründete Postwesen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Deutschen verschicken pro Werktag rund 59 Millionen Briefe und 4,6 Millionen Pakete und Päckchen. Bei ersterem ist die Tendenz rückläufig, bei letzterem steigend.

Dass die Zahl der Briefeschreiber sinkt, bedauert Hanna Benz. „Briefe sind für mich an Geburtstagen das Schönste, sogar noch mehr als Geschenke“, schwärmt die 18-Jährige. Sie findet Briefe toll und wichtig. „Leider sterben sie immer mehr aus, das ist sehr schade.“ Den letzten Brief hat sie erst vor ein paar Wochen geschrieben. „Einfach als kleine Aufmerksamkeit.“ Auch ihre Schulkameradin Sophia Peter (16) bekommt gelegentlich Post von ihr.

In Schleswig-Holstein hat die Deutsche Post drei Briefzentren (Lübeck, Kiel, Elmshorn), 5000 Mitarbeiter, die mit Fahrrädern, Autos, E-Bikes und E-Trikes im Land unterwegs sind. Briefeschreiber können an 4600 Briefkästen im Land ihre Sendungen einwerfen.

An der Obertrave in Lübeck hat es sich Chara Tonak mit Papier und Stift in der Herbstsonne gemütlich gemacht. Die 15-Jährige schreibt gern und viel Briefe, auch ihr buntes Tagebuch hat sie vollgeschrieben. „Es passiert selten, dass man Briefe bekommt, deshalb ist es besonders und einfach schöner“, findet die Lübeckerin. Die meisten Briefe tauscht sie mit ihrer Freundin Freddi aus, und das, obwohl die beiden Mädchen dieselbe Schule besuchen. „Es ist einfach origineller, als nur per Whatsapp oder so zu kommunizieren“, sagt die Zehntklässlerin und steckt den fertigen Brief in einen hellblauen Umschlag.

Mancherorts gibt es ganz besondere Zustellformen: Postschiffe versorgen die Halligen Langeneß, Gröde und Oland, Wattenzusteller Knud Knudsen versorgt drei- bis viermal die Woche die Hallig Süderoog (da sie ganzjährig bewohnt ist). Die Bräutigamseiche im Dodauer Forst in 23701 Eutin ist ein Baum mit Postleitzahl, an den Partnersuchende ihre Post richten können. Die Briefe werden dann dort in ein Astloch gesteckt.

Bei Björn Braun aus Neuss ist es schon mehr als zehn Jahre her, dass er zuletzt einen Brief geschrieben hat. „Ich mache eigentlich nur Behördenkram per Post, da verlangt man das ja“, sagt der 41-Jährige. Auch Urlaubsgrüße verschickt er nur noch per Smartphone.

Weniger Briefe bedeuten auch weniger Briefmarken. Das spürt auch Marion Thürmann, die in der Münzhandlung in der Lübecker Hüxstraße arbeitet. Dort gibt es auch Briefmarken. „Das Sammeln ist aber total rückläufig“, sagt die 54-Jährige. Junge Leute würden das nicht mehr machen, die Sammler würden immer älter. „Diese Entwicklung ging schon vor 15, 20 Jahren los, ist aber in den vergangenen paar Jahren besonders krass zu merken.“ Postkarten würden noch geschrieben, aber auch das „wohl oft aus Nostalgiegründen“.

Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr 195 Millionen Postkarten verschickt – diese Postform ist erst knapp 150 Jahre alt. Inzwischen gibt es mit der „Funcard“ der Deutschen Post auch die Möglichkeit, die persönlichen Grüße mit Hilfe der elektronischen Medien zu versenden und als gedruckte Karte zustellen zu lassen.

Auch Postdienstleister Nordbrief mit 101 Briefkästen im Verbreitungsgebiet von Lübeck bis Rostock bietet inzwischen mit PortoNow eine Ergänzung zum klassischen Angebot an. Per SMS kann ein Zahlencode angefordert werden, der als eine Art digitale Briefmarke fungiert, erklärt Martin Adolf, stellvertretender Vertriebsleiter der Nordbrief Rostock GmbH. 2017 wurden mit dem Unternehmen 32 Millionen Sendungen deutschlandweit transportiert. „Das Zugpferd ist der Standardbrief“, sagt Adolf.

Zum Welttposttag haben die LN Menschen gefragt, wie sie ihre Grüße versenden.

Nina Gottschalk

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