Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Wem gehört der Nachlass im Netz?
Nachrichten Norddeutschland Wem gehört der Nachlass im Netz?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:21 23.11.2016
Quelle: LN-Archiv/Fotolia
Anzeige
Hamburg/Ostholstein

Die laut Veranstalter „erste deutschsprachige Konferenz zu digitalem Nachlass und Online-Trauerkultur“ beginnt am morgigen Donnerstag in Hamburg. Im Bestattungsforum auf dem Ohlsdorfer Friedhof diskutieren Bestatter, Seelsorger, Juristen, Verbraucherschützer, Wissenschaftler sowie Gründer von Nachlass- und Vorsorge- Start-ups die vielschichtige Thematik. Einer von ihnen ist der Ostholsteiner Kai Lociks, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Bestatter.

Lociks hatte das Thema bereits im Juni zur ersten Bestattungsmesse in Timmendorfer Strand auf die Agenda gesetzt. Im Maritim-Golf- und Sporthotel waren aus München Sabine Landes und Dennis Schmolk von „digital.danach – über Sterben und Erben im Internet“ dabei. Sie veranstalten die „ digina.16“. „Wir müssen als Gesellschaft begreifen, dass die Regelung des digitalen Nachlasses eine übergreifende, viele Bereiche umfassende Herausforderung ist“, so Lociks. Deutlich sei zu spüren: „In der Bestatterszene tut sich was.“ Immer häufiger gehe es bei Beratungsgesprächen gerade auch um dieses Thema.

Lociks und Landes erinnern an das Urteil des Landgerichts Berlin aus dem Januar dieses Jahres. Die Eltern eines tödlich verunglückten Mädchens hatten vor Gericht den Zugang zum Facebook- Konto ihres Kindes erstritten. Sie erhofften sich Hinweise auf Gründe für einen möglichen Suizid ihrer Tochter. Die Richter entschieden, dass die Eltern als Sorgeberechtigte das Facebook-Konto ihres Kindes erben. Die Daten seien Teil des Erbes. Es war das erste deutsche Urteil dieser Art. Ob Gleiches auch für Erwachsene gilt, ist unklar. Facebook bietet für unmittelbare Verwandte inzwischen ein entsprechendes Dokument zum Hochladen an. Mit ihm könne beantragt werden, das Konto zu löschen, heißt es bei „digital.danach“.

Noch schwieriger werde es in Sachen digitaler Nachlass bei Erbengemeinschaften, weiß Kai Lociks aus seiner Praxis. Und was passiert, wenn der oder die Verstorbene begeisterter Online-Spieler war? „Die Kreditkartennummern sind hinterlegt, und die Abbuchungen laufen weiter.“ Stehe der Server beispielsweise in Irland, Firmensitz sei aber England oder Russland, „wird die Sache schon ganz schön kompliziert“. Bis Abbuchungen storniert würden, könne es Monate dauern. „Hat der Verstorbene überwiegend im Ausland gelebt, vielleicht in Spanien, gilt spanisches Erbrecht, nicht das deutsche, wenn dies nicht extra bestimmt ist.“

Schon diese wenigen Beispiele machten deutlich, welche Herausforderungen nicht nur auf Juristen und Bestatter zukommen. Auch die Philosophie sei gefordert: Darf der Nachlass im Netz überhaupt gelöscht werden, oder ist er vielmehr Teil der Weltgemeinschaft? jhw

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige